Auf Stora Grindö, einer winzigen Insel inmitten des Schärengartens vor der Kleinstadt Västervik, ist der 70-jährige Jan Hartmann zu Hause.

Neben seiner Lachsfarm betreibt der frühere Unternehmensberater aus Stockholm hier eine Räucherei und ein urig eingerichtetes, winziges Restaurant. Damit hat er sich nach dem Ausscheiden aus dem stressigen Berufsleben einen Lebenstraum erfüllt.

Stora Grindö hat nur zwei Bewohner

Zwei Dutzend tiefrot getünchter Häuser mit strahlend weiß gerahmten Fenstern und Türrahmen verteilen sich zwischen glatt polierten Felsen und viel Wald. In den gepflegten Gärten blühen blaue Hornveilchen, lila Lupinen und weiße Margeriten. Die Häuschen stehen bis auf wenige Sommerwochen leer.

Stora Grindö hat nur zwei Dauerbewohner: Neben Jan Hartmann lebt hier noch sein betagter Nachbar Tore. Vor mehr als 70 Jahren wurde der Fischer auf der Insel geboren und nie hat es ihn von hier weg aufs Festland gezogen. Besucher, die in den Ferienmonaten mit ihrem Segel- oder Motorboot Stora Grindö ansteuern, um bei Jan leckeren Räucherfisch zu genießen, können schon von Weitem Tore auf dem Steg vor seinem Häuschen beim Flicken der Fischernetze beobachten.

5.000 Inseln vor Västervik

Inseln wie Stora Grindö gibt es viele im Schärengarten vor Västervik – zu den größeren, Hässelö und Idö, wird in den Sommermonaten ein regelmäßiger Fährverkehr eingerichtet – ein Service, den viele Touristen gern für einen Tagesausflug nutzen. Doch die meisten der rund 5.000 kleinen Eilande sind komplett unbewohnt. Oft sind es nur ein paar Quadratmeter glatt polierte Felsbrocken, die aus dem Meer ragen, manche sind bewaldet oder dicht mit Moosen und Flechten überzogen, auf anderen gibt es sogar einen kleinen Strand.

Wer das Schwedenidyll pur im Västerviker Schärengarten genießen möchte, muss sich natürlich nicht auf eine einsame Insel zurückziehen: Überall in den kleinen Dörfern an der Südostküste des Landes gibt es versteckte Buchten, die zum Baden und Picknicken einladen – wie rund um den kleinen Hafenort Loftahammar. Mit Golfplatz, Spa, Supermarkt und Bäcker sowie Touristeninformation und Bootsverleih ist das Dörfchen ein beliebter Ausgangspunkt für Ausflüge in die Umgebung.

Fahrradtour auf der Kustlinjen-Route

Mach doch zum Beispiel eine Radtour auf der gekennzeichneten Kustlinjen-Route über die Landstraße in das rund 15 Kilometer entfernte winzige Fischerdörfchen Flatvarp mit seinen weitgestreckten, blankpolierten Badeklippen. Oder in das ebenfalls nur aus einer Handvoll typisch roter Holzhäuser bestehende kleine Örtchen Vraka südlich von Loftahammar.

Hier betreibt die Glaskünstlerin Märta Hedin ihre „Lilla Akerbruket“ – die „kleine Recyclinghütte“. Es ist die winzigste ihrer Art in ganz Schweden. In dem Gebäude verwandelt die 38-jährige Glasdesignerin Industrie-Altglas in kleine Kunstwerke wie Vasen oder Karaffen. Rund 80 Besucher zählt Märta Hedin im Sommer täglich in ihrer Recyclinghütte – und die meisten von ihnen nehmen ein Unikat aus ihrer Werkstatt als Souvenir mit nach Hause. Damit der Rohstoff für die kleinen Kunstwerke nicht knapp wird, sammeln die Restaurants, Cafés und Geschäfte in der Umgebung das Altglas für die Glasdesignerin.

Insel-Hopping mit dem Kanu, mit Paddel-, Segel- oder Motorboot, Radeln auf dem Küstenweg, Schwimmen im glasklaren Meer, einfach an einem der vielen menschenleeren Strände den Tag verbummeln, in den einsamen Wäldern pfundweise zuckersüße Blaubeeren pflücken und das quirlige Schärenstädtchen Västervik entdecken: Das ist eigentlich Programm genug für die Ferien, sollte man meinen.

Zu Besuch bei Pippi Langstrumpf

Aber Urlaub im Pippi-Langstrumpf-Land ohne einen Besuch bei der frechen Göre? Das geht natürlich gar nicht. Und so kommen vor allem Familien mit Kindern an einem Ausflug nach Vimmerby nicht vorbei.

Rund 60 Kilometer entfernt ins Landesinnere liegt „Astrid Lindgrens Värld“ , Schwedens größter Freizeitpark. Hier treffen Besucher auf alle Figuren, die die berühmte Autorin in ihren Büchern die wildesten Streiche spielen ließ: Michel aus Lönneberga und Kalle Blomquist, die Brüder Löwenherz, Lotta aus der Krachmacherstraße und natürlich Pippi, Annika und Tommy.

Straße in der Stadt Vimmerby in Schweden
Astrid Lindgren wurde in bei Vimmerby geboren. Dort holte sie sich Inspirationen für ihre Geschichten. Foto: imago/Westend61

In der Saison gibt es auf dem weitläufigen Gelände an zahlreichen Stellen täglich verschiedene Theateraufführungen mit den berühmtesten Episoden aus den Lindgren-Büchern. Kinder und Erwachsene können durch die Zimmer der Villa Kunterbunt streifen oder sich mit der überdachten Kettenbahn auf eine Zeitreise über die Fantasie-Insel Saltkrokan begeben. Der 120.000 Quadratmeter große Freizeitpark ist ein Besuchermagnet für Gäste aus aller Welt.

Wer wissen möchte, wo sich die bekannteste Kinderbuchautorin der Welt zu ihren abenteuerlichen Geschichten inspirieren ließ, kann nur wenige Gehminuten vom malerischen Stadtzentrum Vimmerbys entfernt ihr Elternhaus besuchen. Astrid Lindgrens Näs ist heute ein öffentliches Kultur- und Wissenschaftszentrum mit Ausstellungen über das Leben und Wirken der Autorin. 

Plocka äpplen till köket i morgondagg

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Auch das Elternhaus der berühmten Autorin auf dem ehemaligen Pfarrgelände Näs ist zugänglich. Noch heute liegt dort in der Küche die Brennholzkiste, die der kleinen Astrid und ihren Geschwistern einst als Versteck diente. Und im Garten vor dem Haus steht noch immer die Ulme, die in Pippi Langstrumpfs Abenteuer als „Limonadenbaum“ fungierte. Sie sei glücklich, an diesem schönen Fleckchen aufgewachsen zu sein, hat die Autorin zu ihren Lebzeiten stets betont – wer Småland entdeckt, wird das sofort verstehen.