Air Berlin: Chaos-Trip in den Urlaub | reisereporter.de

Unser Albtraum-Trip mit Air Berlin nach Italien

Es sollte eigentlich eine entspannte Flugreise werden... Nicht so weit, nur nach Italien, schließlich haben reisereporter Alexander und seine Freundin ein zweijähriges Kind dabei. Doch es wurde ein Albtraum. Ein Albtraum namens Air Berlin.

Alexander Müller (30) und seine Tochter Madita (2) erlebten das totale Air Berlin-Chaos.
Alexander Müller (30) und seine Tochter Madita (2) erlebten das totale Air Berlin-Chaos.

Foto: imago/foto2press; Müller (Fotomontage)

Seit Monaten steht die insolvente Fluggesellschaft in den Schlagzeilen. Etliche gecancelte Flüge, Piloten, die sich scharenweise krank melden, tausende betroffene Passagiere, täglich neue Schulden...

Wird schon gut gehen, dachten meine Freundin und ich, als wir trotz des Chaos einen Flug mir Air Berlin von Berlin nach Rom und dann weiter mit Alitalia nach Lamezia Terme buchten – denn wer von der Hauptstadt nach Italien will, kommt an der Fluggesellschaft kaum vorbei.

Doch es ging nicht gut, im Gegenteil. Es ging so ziemlich alles schief, was schief gehen kann.

Air-Berlin-Flug fällt aus

Wir sitzen Mitte September voller Urlaubs-Vorfreude im Auto zum Flughafen, als meine Freundin entgeistert auf ihr iPhone blickt: Der Flug nach Rom fällt aus. Angekommen in Berlin-Tegel, herrscht das Chaos. Etliche weitere Air-Berlin-Flieger bleiben am Boden. Für hunderte Passagiere, die ihre Tickets umbuchen wollen, gibt es genau zwei Schalter. Während wir uns anstellen, erzählen uns andere Passagiere, dass sie stundenlang am Gate hingehalten wurden, bis die Info kam, dass sie nicht fliegen werden.

Nach zwei Stunden haben wir endlich uns bis an die Spitze der Warteschlange vorgekämpft – wohlgemerkt alles mit Kleinkind auf dem Arm. An den Computern sitzen Mitarbeiter, die sich sichtlich bemühen. Sie müssen das Missmanagement ihrer Chefs ausbaden.

Die gute Nachricht: Wir kriegen ein neues Ticket. Die schlechte: Erst am nächsten Tag...

Die gute Nachricht: Wir kriegen ein neues Ticket. Die schlechte: Erst am nächsten Tag. Ein Tourist neben mir fragt nach einem Hotel-Gutschein. „Den kann ich Ihnen zwar geben. Aber die Hotels nehmen unsere Voucher nicht mehr an“, antwortet die Dame. Irgendwie kann sie dann aber doch noch ein Zimmer für den Mann organisieren.

Zum Glück lebt meine Familie in Berlin, dort können wir die Nacht über bleiben. Wir bekommen noch ein paar Tüten mit Wasser und ein paar trockenen Keksen und gehen.

Mietwagen: Wegen Air-Berlin-Verspätung noch mal leihen und zahlen

Der Flug am nächsten Tag verläuft tatsächlich ohne weitere Zwischenfälle. Doch als wir am Abend erschöpft aus dem Flughafen-Terminal treten, erwartet uns schon das nächste Problem: Unser Mietwagen ist weg. 

Glücklich sieht anders aus: Alexander Müller und seine Tochter Madita.
Glücklich sieht anders aus: Alexander Müller und seine Tochter Madita. Foto: Müller

Da wir einen Tag später als geplant eingetroffen sind, wurde das Auto an jemand anderen vergeben – obwohl wir das Unternehmen am Vortag über die Verspätung informiert haben. Dass wir das Fahrzeug bereits für zwei Wochen im Voraus über eine Vermittlungsplattform gebucht und bezahlt haben, interessiert niemanden. Wir müssen ein neues Auto mieten, für den doppelten Preis. Mir schießt der Spruch vom Teufel und dem größten Haufen durch den Kopf. Doch es sollte noch schlimmer kommen.

 

Wir müssen ein neues Auto mieten, für den doppelten Preis. Mir schießt der Spruch vom Teufel und dem größten Haufen durch den Kopf. Doch es sollte noch schlimmer kommen.

Zwei Wochen später, Rückflug. Erst mit Alitalia nach Mailand und von da weiter mit Air Berlin nach Berlin – so ist es zumindest geplant... Wir haben unsere Koffer nach einem schönen Trip durch Süditalien am Check-in Schalter in Lamezia Terme schon auf das Band gelegt, als die Mitarbeiterin uns gegenüber plötzlich Sorgenfalten im Gesicht bekommt. Sie könne unsere Namen im System zwar sehen, doch es gebe keine Tickets.

Air-Berlin-Reservierung verfällt – wegen des Air-Berlin-Ausfalls 14 Tage zuvor

Nach stundenlangen Recherchen stellt sich heraus: Durch den Ausfall des allerersten Air-Berlin-Fluges wurde automatisch unsere – selbstverständlich längst bezahlte – Reservierung für den Rückflug gelöscht. Wieso, weshalb, warum, weiß keiner. Da unsere Plätze bereits an andere Kunden vergeben wurden, können wir nicht mehr mit. 

Uns wird erklärt, dass wir erst am nächsten Tag abreisen können. Meiner Freundin schießen die Tränen in die Augen. Unsere kleine Tochter quengelt, sie versteht die Welt nicht mehr. Das kann doch alles nicht wahr sein. 

All die Familientreffen, die wir für unseren letzten Urlaubstag in Deutschland geplant haben, sind damit hinfällig. Immerhin besorgt uns Alitalia unkompliziert Hotel und Verpflegung.

Am Gepäckband in Tegel passiert schließlich, was passieren musste: Ein Koffer ist weg.

Nach einem weiteren Tag verschenkter Lebenszeit können wir nach Berlin fliegen. Am Gepäckband in Tegel passiert schließlich, was passieren musste – sozusagen der i-Punkt auf dieser ganzen Misere: Ein Koffer ist weg. Wir sind nicht die einzigen Betroffenen. Bei einer anderen Familie mit einem Baby fehlt der Kinderwagen. Doch uns schockiert bei Air Berlin gar nichts mehr. Wir wollen nur noch nach Hause.

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
#Trending
Zur
Startseite