Gelb, grün und blau getupfte Pilze leuchten am Ufer, ihre Stiele sind durchsichtig, sie sind aus Glas. Eine Märchenwelt mitten in den Wäldern Südschwedens, im kleinen Örtchen Transjö in der Provinz Småland. Ein Kindertrecker parkt im Gras neben einer Bank, in der Ferne heult ein Wolf.

Ein Wolf? „Nein“, sagt Lars Skulberg, „nur ein Hund.“ Er lacht. Der 33-jährige Norweger hat in diesem Idyll sein Glück gefunden. Der Glaskünstler lebt und arbeitet seit sechs Jahren als Schüler der Glasmeister Jan-Erik Ritzman und Sven-Åke Carlsson zusammen mit einem weiteren Schüler und ihren Familien an diesem Ort.

In der „Transjö Hytta“, der Glasbläserhütte, entstehen ihre Kunstwerke: Skulpturen, Vasen, Schalen. Sie können nur vor Ort gekauft werden, denn der Vertrieb übers Internet passt nicht zu ihrem Verständnis, ihrer Liebe zum Material. „Ich persönlich würde nie ein Glas kaufen, das ich nicht zuvor in der Hand gehalten habe“, sagt Lars Skulberg.

So sind sie auf die Sommermonate angewiesen, wenn die Touristen kommen. Anders als von November bis März, wenn sich, wie Skulberg sagt, nur „sehr, sehr wenige“ zur „Transjö Hytta“ verlaufen. Es geht an diesem Ort um Kunst, nicht um Kommerz.

Willkommen in Schwedens Glasreich

„Glasriket“, „Glasreich“, wird die Region Smålands zwischen Nybro und Växjö genannt, in der neben der „Transjö Hytta“, der kleinsten Glashütte, zwölf weitere Glashütten liegen. Doch von der Glasbläserei allein lässt sich heute nur noch schwerlich leben.
 
Deshalb lassen sie sich einiges einfallen, um die Tradition am Leben zu erhalten und davon leben zu können. Es gibt Work- und Outletshops, ein Glashotel, in dem selbst die Waschbecken und die Hotelbar aus Glas sind. Und es gibt „Hyttsill“, eine Touristenveranstaltung – so charmant wie authentisch.
 
In der Werkhalle einer ehemaligen Glasbläserschule nahe Kosta Boda, der ältesten Glashütte Schwedens aus dem Jahr 1742, reicht Anders Setting neben glühenden Glasöfen småländische Spezialitäten: Hering in Sahnesoße, knusprigen Speck, Isterband-Wurst und Ofenkartoffeln. Salzige, deftige Kost, die in dem Fabrikambiente noch mal so gut schmeckt. Dazu greift er zur Gitarre und stimmt Lieder aus vergangenen Zeiten an.
 
„Hyttsill“ („Hüttenhering“) sind diese Abende tituliert, ihre Wurzeln liegen in jenen Tagen, als die Glasbläser sich nach getaner Arbeit in der noch glühenden Asche Heringe garten. Vagabunden kamen hinzu, spielten Mundharmonika, sangen, erzählten Geschichten und bekamen dafür zu essen und zu trinken. Wie früher wird an diesen Abenden im Schein der Öfen gegessen, getrunken, gelacht, gesungen und erzählt. Zum Nachtisch gibt es Ostkaka, den zu Recht berühmten småländischen warmen Käsekuchen mit Schlagsahne und Preiselbeeren.

Hinterher lässt Glasbläser Niclas Fröjd die Gäste selbst erleben, welch Können dahintersteckt, aus einer glühenden Glasmasse unter permanentem Drehen und Pusten zunächst eine große, ebenmäßige Kugel und schließlich eine Schale zu modellieren. Doch so weit bringen wir es nicht ansatzweise.
 
Denn was bei den Profis so leicht aussieht, ist es ganz und gar nicht. Das wichtigste Werkzeug der Glasbläser, um aus einer glühenden, mindestens 500 Grad heißen Masse eine Schale, eine Vase, ein Glas oder ein Kunstwerk zu formen, ist übrigens eine Zeitung. Nur sie schütze die Hände vor der Glut und bewahre zugleich das Gefühl für die Form. Ein Handschuh würde ihm das Gespür rauben, erklärt Fröjd.

Sommer auf Öland

Weiter geht es nach Öland, auf die Insel, auf der auch die schwedische Königsfamilie ihre Sommer verbringt. König Carl Gustaf und Königin Silvia residieren in den Ferien Jahr für Jahr auf Schloss Solliden, nahe der Stadt Borgholm. Ihr ältestes Kind, Kronprinzessin Victoria, feiert an jedem 14. Juli ihren Geburtstag mit einem großen öffentlichen Fest und Tausenden Gratulanten auf Öland.

Die Ostseeinsel ist der sonnenreichste Ort Schwedens. Sie ist 137 Kilometer lang und nur vier bis 16 Kilometer breit. Eine sechs Kilometer lange Brücke verbindet das Festland mit der Insel. Dort wandelt sich die Landschaft mit jedem Kilometer: feine Sandstrände, knorriger Eichenwald, schroffe Kalksteinformationen und das Heideland der Stora Alvaret, das zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Die Inselbewohner leben vom Kalksteinabbau, vom Tourismus und der Landwirtschaft. Es gibt doppelt so viele Kühe wie Einwohner (25.000). Und Windmühlen. Von den einst 2.000 Bockwindmühlen sind noch 400 erhalten.

Königin Silvia liebt "Kroppkakor"

In Köpingsvik, einer Ortschaft etwa vier Kilometer östlich von Borgholm, schaffen Eva Karlsson und Bosse Olsson mit ihren Mitarbeitern Tag für Tag rund 2.000 weitere Wahrzeichen der Insel: „Kroppkakor“, Ölands Nationalgericht, eine Art gefüllter Kartoffelknödel. Auch die Royals sollen regelmäßig in den Genuss von „Evas Kroppkakor“ kommen, so erzählt es Bosse Olsson.

Königin Silvia bekannte in einem Interview ihre Leidenschaft für „Kroppkakor“, einst ein Armeleuteessen, heute Gaumenfreude. Die Knödel sind mit Speck und Zwiebeln gefüllt, mit Pfeffer gewürzt und werden in der von ihr bevorzugten Variante mit flüssiger Sahne und Preiselbeeren serviert. 

Dags att prova på riktiga kroppkakor ???? #kroppkakor #öland

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Der düsteren Seite Ölands mit seiner schroffen Landschaft hat ein anderer immer wiederkehrender Feriengast der Insel ein literarisches Denkmal gesetzt: der schwedische Autor Johan Theorin. Schlicht „Öland“ heißt sein Krimi. An einem Spätsommertag verschwindet ein Kind im dichten Herbstnebel der Insel. Ist es Opfer eines Gewaltverbrechens geworden? Die Mutter kommt auch 20 Jahre danach nicht zur Ruhe. Das Buch wurde auch verfilmt, es zu lesen ist eine besondere Einstimmung auf eine Reise nach Öland.

Und Astrid Lindgrens wunderbare Bücher mit der anderen, der bunten, warmherzigen Wahrheit über Schweden kennt ja eh schon jeder.