Arabien-Reise: Tipps von Profis | reisereporter.de

Die erste Arabienreise steht bevor? Das raten Profis

Die arabischen Länder faszinieren und verunsichern uns gleichermaßen: Wir wollen die bunte, laute, würzige Kultur erleben – aber wird sie uns willkommen heißen? Arabienprofis geben Tipps für die erste Reise. 

Frau in der arabischen Wüste.
Damit ihr bei eurer ersten Reise in ein arabisches Land nicht völlig „lost“ seid, hat reisereporterin Isabell Prophet mit Arabienprofis gesprochen (Symbolbild).

Foto: unsplash.com/Valeria Andersson

Ich hatte einen Strandurlaub erwartet. Kein Witz. Mein erstes arabisches Land war Tunesien, das war im Jahr 2013. Ich dachte, wir würden am Strand liegen, durch Suks laufen, Schals und Kleider kaufen und jede Menge Hühnchen essen. Doch ich hatte auch das Glück, mit einer echten Expertin für den arabischen Raum unterwegs zu sein. Sie verhinderte erfolgreich, dass ich mich wie eine ignorante Deutsche in jedes Fettnäpfchen stürzte. 

Heute muss ich immer lächeln, wenn ich in Foren und auf Facebook die Frage lese: Was muss ich im arabischen Raum beachten? Es ging mir ja schließlich ganz genau so. Die Frage ist berechtigt, denn die Unsicherheit ist groß. An vielen Stellen ist sie aber unbegründet. 

Ich habe die Frage deshalb Rebekka Schrimpf und Marc Frings gestellt. Rebekka Schrimpf ist TV-Producerin bei GTV in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Marc Frings leitet das Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ramallah, Palästina, und hat viele arabische Länder bereist, darunter Jordanien, Ägypten und die Golf-Region. 

Was war eure erste Erfahrung in einem arabischen Land?

Rebekka Schrimpf aus Dubai: 2001 bin ich kurz nach dem Abitur nach Israel gereist, um dort an einem zweimonatigen Sommerprogramm der Ben-Gurion-Universität in Beer-Sheva teilzunehmen. Dort habe ich zum ersten Mal Wüste bei 50 Grad Celsius erlebt, Geschichte unter jedem Stein erfahren und live die Problematik zwischen Israelis und Palästinensern verfolgen können. Eine neue, spannende Welt, die mich neugierig auf mehr machte. 

Blick auf den Strand von Tel Aviv, Israel.
Tel Aviv – das hippe Zentrum von Israel. Foto: unsplash.com/Adam Jang

Marc Frings aus Ramallah: Mein erstes Land war Palästina. Es wird einem leicht gemacht, hier Fuß zu fassen. Die kulturelle Nähe ist groß, das liegt am Bildungsstand, Internet, Satellitenfernsehen. 

Sind Gespräche über Religion oder Politik tabu?

Rebekka: Seit Januar 2012 lebe ich in Dubai. In dieser Zeit habe ich gelernt, dass man in öffentlichen Gesprächen mit Einheimischen und Auswanderern Religion und Politik außen vor lassen sollte. Besser ist es beispielsweise, bei Geschäftstreffen mit der Familie und dem Wetter zu beginnen und dann auf das Geschäftliche zu kommen. Wenn über Politik und Religion gesprochen wird, zum Beispiel auf Social Media, dann niemals negativ oder angreifend, sondern positiv und die Vorzüge hervorhebend.

Marc: Das hängt davon ab, in welchem Land man unterwegs ist. Der Arabische Frühling hat nicht überall Fuß gefasst – und auch die Meinungsfreiheit nicht. Aber manchmal kann man sich der Situation gar nicht entziehen. In den Palästinensischen Gebieten beispielsweise haben viele Menschen ein großes Interesse, ihre Meinungen zur israelischen Besatzung und dem Agieren der Autonomiebehörde in Ramallah kundzutun; Händler oder Taxifahrer möchten mit den Besuchern aus dem Westen gern ins Gespräch kommen. Eben weil Westler wichtige Multiplikatoren sind.

Ein junger Mann schwenkt die Flagge des Staates Palästina.
In den Palästinensischen Gebieten beispielsweise wollen viele ihre Meinungen zur israelischen Besatzung kundtun. Foto: unsplash.com/Ahmed Abu Hameeda

Wenn man sich in Israel und Palästina bewegt, sollte man sich offen dafür zeigen. Hier anzukommen fühlt sich an wie in einer Waschmaschine. Man wird mit so vielen Eindrücken konfrontiert, man wird so wild herumgeschleudert, dass man erst einmal Zeit braucht, um all das zu verarbeiten und noch mal nachzulesen. Ich werde hier nach Jahren noch von neuen Perspektiven überrascht.

Welche Kleidung sollte man als Frau tragen – und muss man eigentlich darauf achten?

Rebekka: Die Kleiderordnung in den Vereinigten Arabischen Emiraten hört sich strenger an, als sie ist. Wer sich daran hält, bekommt keine Probleme – und zeigt zudem Respekt gegenüber der Religion. Die Schultern sollten in öffentlichen Gebäuden wie Malls möglichst bedeckt sein, die Röcke über die Knie gehen. Bikini ist am Strand und Pool erlaubt – aber auch nur dort.

Es gibt jedoch immer wieder Touristen, die sich an diese Kleiderordnung nicht halten und dann von Einheimischen darauf angesprochen werden. Frauen bekommen bei einem Moscheebesuch eine Abaya (traditionelles schwarzes Gewand der einheimischen Frauen) und ein Kopftuch gereicht. Ansonsten sind Abaya und Kopftuch für ausländische Frauen in Dubai keine Pflicht.

Was sollte man über Alkohol wissen?

Marc: In vielen arabischen Ländern sollte man zurückhaltend sein. Das merkt man schon daran, das Alkohol nicht so leicht verfügbar ist. Im Nachtleben Ramallahs wird man überrascht von den Parallelen zwischen hier und jeder deutschen Großstadt. Außerhalb des Szeneviertels Ramallahs geht es konservativer zu. Darauf sollte man Rücksicht nehmen. 

Es wird einem aber dadurch leicht gemacht, dass Alkohol vor allem in den christlichen Teilen verfügbar ist. Wo es keinen gibt, sollte man ihn nicht konsumieren.

Übrigens gelangen palästinensische Weine auch in europäische Supermarktregale. Sehr spannend ist der Markt für Brauereien: Das Bier aus Taybeh, einem christlichen Dorf nördlich von Ramallah, hatte lange Zeit quasi ein Monopol. Heute gibt es mehr Sorten – inklusive Craftbeer.

Worauf sollten Reisende bei der Fortbewegung achten? 

Marc: Das palästinensische Verkehrssystem ist genau so gut oder schlecht wie in anderen Großstädten. Sobald man es verstanden hat, funktioniert es sehr gut. Die Infrastruktur israelischer Checkpoints im Westjordanland und in Richtung Israel macht es mitunter schwierig, sich zeiteffizient fortzubewegen. Aber im Ergebnis kommt man immer an!

Rebekka: Die VAE gelten als eines der sichersten arabischen Länder. Auch weltweit sind sie ganz vorn im Ranking. Die Kriminalitätsrate ist in Dubai sehr gering. Das liegt sicherlich auch an den hohen Strafen, die bereits bei kleinen Verbrechen drohen. 

Gerade als Frau fühle ich mich in Dubai sehr sicher, es ist kein Problem, sich abends noch auf den Straßen aufzuhalten. 

Das beste Fortbewegungsmittel ist die Metro oder das Taxi, beides günstig. Von der hochgelegenen Metro aus hat man einen wunderbaren Blick auf die Stadt. Wer das Taxi wählt, sollte die Rushhour morgens und abends vermeiden, der Stau kann lange dauern. 

Leuchtende Skyline von Dubai, Vereinigte Arabische Emirate.
Millionenmetropole am Persischen Golf: Dubai beeindruckt. Foto: unsplash.com/Piotr Chrobot

Extra für Frauen bietet Dubai rosafarbene Frauentaxis an, die von Frauen mit ebenfalls rosafarbener Uniform gefahren werden. Männer können in diesen Taxis nur in Begleitung mindestens einer Frau mitfahren.

Es gibt neben den öffentlichen Taxis auch private Luxustaxis, meist Lexus, ohne Taxischild. Tipp: Mit diesen Taxis vorher den Preis ausmachen und eine gute Rate verhandeln.

Wie geht man damit um, wenn jemand – unerwartet – zusätzliches Geld für eine Dienstleistung verlangt?

Marc: Das muss man in der Situation abwägen. Wenn es zu spät ist und die Situation sich brenzlig anfühlt, wird man den Touristennepp ausbaden müssen. Ansonsten gilt die sehr deutliche Ansage zu Beginn, dass man gern mitmacht – die Konditionen aber vorab aussprechen möchte. Man kann durchaus mit einem Angebot in das Gespräch einsteigen: Danach lade ich dich auf einen Tee ein. Oder ich kündige eine bestimmte Summe an und frage nach dem Einverständnis. 

Verkäufer an einem Stand für Lampen in einem arabischen Land.
So viele Schätze: Handeln gehört in der arabischen Welt oft dazu. Foto: unsplash.com/Wei Pan

Man sollte selbst Herr der Lage sein. Die Menschen hier können mit Widerworten leben. Das ist ja das spannende. Im arabischen Raum herrscht eine offene, diskussionsfreudige Kultur. Das islamische Ehrgefühl schreckt die Leute übrigens eher davon ab, zu fordernd zu sein. 

Würdest du mir aktuell zu einer Reise nach Dubai raten? 

Rebekka: Ja, auf jeden Fall. Dubai ist eine Reise wert. Die beste Zeit ist von Oktober bis März. Hier gibt es viel zu sehen und zu erleben. Von den gigantischen Bauwerken bis zum traditionellen Basar und dem Creek als Lebensader von Dubai ist alles dabei. Außerdem wird die arabische Gastfreundschaft großgeschrieben. Bon appétit!

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Und wofür würdest du mich vorher sensibilisieren wollen?

Rebekka: Bitte keine Einheimischen ohne vorherige Erlaubnis fotografieren, das haben sie nicht so gern. Keine Bilder von Regierungseinrichtungen oder militärischen Einrichtungen schießen. Das könnte problematisch werden. 

Ein kleines Trinkgeld für Kellner und Taxifahrer parat haben und den Preis aufrunden. Die freuen sich sehr darüber – und es wird ein Highlight für sie sein nach einer Zwölf-Stunden-Schicht.

Hausnummern an Gebäuden gibt es selten, einige Straßen haben keine Namen, daher bei der Taxifahrt immer von Landmarken sprechen, die in der Nähe des Zielortes sind. 

Sind Reisen nach Palästina eigentlich gefährlich?

Marc: Nein, Palästina ist keine gefährliche Reiseregion für Ausländer. Auch wenn die Gewalt immer mal wieder ausbricht, sind Israel und Palästina im Augenblick kein akutes Konfliktgebiet. Aber das tröstet natürlich niemanden, der noch nicht hier war. Es zählt auch der subjektive Eindruck: Ich muss mich hier auf eine Region einlassen, die auch durch Instabilität charakterisiert ist. Diese Sorge kann man niemandem nehmen. 

Ich selbst habe aber das Gefühl, das man hier sehr gut und sicher leben kann. Es ist ja nicht nur eine arabische, sondern auch eine mehrheitlich muslimische Gesellschaft. Wer zwischen Marokko und Indonesien unterwegs war, der wird diese Gastfreundschaft schon mal erlebt haben.  

Und wenn ich morgen nach Bethlehem reisen will – ist das eine gute Idee?

Marc: Ja, wir haben derzeit eine sehr stabile Lage. Man kommt in Palästina sehr nah an die Menschen ran, weil hier ein sehr gutes Englisch gesprochen wird. Außerdem erlaubt die Infrastruktur ein gutes Reisen. Natürlich sollte man immer auf die tagesaktuellen Entwicklungen schauen. 

Solche Reisen sollte man nie ganz unvorbereitet machen. Das Besondere ist die politische Situation. Man steht hier nicht nur vor kulturellen Unterschieden, sondern fühlt sich vielleicht auch aufgefordert, sich zu einem Konflikt zu positionieren, der nicht der eigene ist. Wichtig ist aber aus meiner Sicht, dass man sich für die Positionen und Argumente beider Seiten öffnet. Deshalb sollten Reisende bei einem Besuch in Israel immer auch Städte des palästinensischen Westjordanlandes aufsuchen.

Tipp für jede Reise

Schaut euch vorher die Seite des Auswärtigen Amts an – und achtet auf den Wortlaut. Die Botschaften wissen meist sehr gut Bescheid über aktuelle Probleme und wo genau sie auftreten. Gerade Konflikte sind oft regional begrenzt. Auch die aktuelle Nachrichtenlage kann euch ein gutes Bild vom Land geben.

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