Multiunternehmer Franz Senfter (72) hat eine Vision und drückt aufs Tempo. Er will die Südtiroler Destination Sexten in die erste Liga der alpinen Skigebiete führen.

Die ersten Schritte sind gemacht: Die Verbindung der beiden Sextner Skigebiete Helm und Rotwand wurde nach jahrzehntelangem Streit im vergangenen Jahr vollzogen. Zudem gibt es nun in Vierschach direkt an der Piste einen Bahnhof.

Mit dem Pustertal-Express an die Piste 

Mit dem Ski Pustertal Express können jetzt Skifahrer im 30-Minuten-Takt in rund 40 Minuten vom Skigebiet Sextner Dolomiten ins Skigebiet Kronplatz pendeln und umgekehrt. Rund 35 Millionen wurden im Jahr 2014 investiert. Senfter hat bereits neue Pläne und verspricht: „Spätestens in drei Jahren soll es auch eine Liftverbindung am Kreuzbergpass zur Ski Area Val Comelico geben.“

Die steilste Piste Südtirols

Tempo macht der 72-Jährige auch auf der steilsten Skipiste Südtirols, der Holzriese im Gebiet Rotwand mit einem Gefälle von 71 Prozent. Er freut sich wie ein kleiner Junge, wenn er dabei wesentlich jüngere Mitfahrer abgehängt. „Jede freie Minute, die ich habe, nutze ich zum Skifahren“, sagt Senfter, der aus einer Familien-Metzgerei in Innichen ein Speck-Imperium geschaffen hat. Nun hat sich Senfter, der auch Präsident der Sextner Dolomiten AG ist, vor allen Dingen dem Ausbau seines Heimatskigebiets verschrieben.
 
Rund fünf Kilometer an Pisten sind durch den Bau der neuen Bahnen Stiergarten und Drei Zinnen, die Helm und Rotwand verbinden, hinzugekommen. Damit verfügt die Skiregion Sextner Dolomiten über Pisten mit einer Streckenlänge von rund 93 Kilometern.
 
„Die Verbindung der beiden Skiberge ist für unsere Region ein Quantensprung“, sagt Alfred Prenn. Laut Marketing-Chef habe der Zusammenschluss schon im ersten Winter eine Umsatzsteigerung von 30 Prozent mit sich gebracht. Der Ort Sexten habe bei den Übernachtungen ein Plus von knapp zehn Prozent verbucht.

Rundkurs mit 5.600 Höhenmetern

Auf den Pisten ist der Zuwachs von Skitouristen aber kaum spürbar. Schon gar nicht auf dem Giro delle Cime. „Das ist unser Pendant zur weltberühmten Sella Ronda“, sagt Senfter. Um die 30 Kilometer lang ist der Rundkurs (insgesamt 5600 Höhenmeter), der auch ein echtes Naturerlebnis ist und die berühmten Drei Zinnen ganz nahe bringt.
 
Insbesondere eine eher flache und ruhige Passage im Unesco-Welterbegebiet bereitet Könnern und nicht so ambitionierten Skifahrern gleichermaßen Freude – ein überwältigendes Panorama in einer traumhaft stillen Umgebung. Über den Kreuzbergpass führt die Tour nach einer Abfahrt auf der früheren Trainingspiste des Weltklasse-Fahrers Marc Girardelli weiter nach Venetien ins Val Grande (Terme delle Dolomiti) und dann mit dem Skibus ins nahe gelegene Val Comelico.
 
Der Ort Padola wirkt sehr verschlafen und auch auf den Abfahrten verschiedenster Schwierigkeitsgrade sollen sich nur selten viele Skifahrer tummeln. Für die Rücktour müssen die Giro-Fahrer allerdings erst einmal wieder in den Bus steigen, um Anschluss in das Sextner Gebiet zu bekommen.
 
Somit kann der Giro delle Cime bislang auch nicht wirklich mit der legendären, aber auch meist überfüllten Sella Ronda (26 Pistenkilometer) im Kerngebiet von Dolomiti Superski mithalten. „Eine Bahnverbindung zum Kreuzbergpass und damit nach Sexten ist aber unser nächstes Projekt“, kündigt Senfter an. „Den Menschen auf der anderen Seite des Berges in der Provinz Belluno geht es wirtschaftlich viel schlechter. Der Anschluss wäre eine echte Perspektive für die Leute im Val Comelico.“
 
Die wirtschaftliche Perspektive für die Region Sexten hat sich deutlich durch die neue Bahnstation in Vierschach verbessert. Durch den Ski Pustertal Express gibt es nun eine direkte Anbindung mit dem Skiresort Kronplatz – somit stehen mehr als 200 Pistenkilometer zur Verfügung. In Kombination mit der Mobilitätskarte, die die Gäste in ihrer Unterkunft erhalten, ist die Fahrt im Ski Pustertal Express kostenlos.
 
Rund 14.300 Skifahrer haben in der Premieren-Saison davon schon Gebrauch gemacht. „Die neue Zugverbindung bedeutet eine große Chance für uns“, erklärt Senfter. „Wir liegen geografisch am Rand von Südtirol, dadurch rücken wir nun etwas weiter in die Mitte.“