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Sehnsuchtsort Dangast: Kunst, Kuchen und Schlick-Festival

Dangast ist ein echter Sehnsuchtsort! Ein stilles Fleckchen Friesland, wo Künstler Inspiration suchen, Kurgäste sich erholen und Touristen auch wegen des wohl leckersten Rhabarberkuchens der Welt stranden.

Der Strand von Dangast mit Blick auf das Kurhaus.
Der Strand von Dangast mit Blick auf das Kurhaus.

Foto: imago/blickwinkel

Hier kannst du einen Gang runterschalten, Meeresluft auskosten und ländliche Fischerhäuschen bestaunen: Willkommen in Dangast am Südzipfel des niedersächsischen Jadebusens.

Deutschlands ältestes Nordseebad ist ruhige Kur-Oase und Künstlerkolonie – so traumhaft, dass es Kreative und Urlauber immer wieder in den 550-Einwohner-Ort zieht.

So verbrachten die Brücke-Künstler Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel ihre Sommer einst hier am Nordseestrand, malten den Ort, der zur Stadt Varel gehört, in knalligen Farben. Expressionist Franz Radziwill blieb Dangast fast einen Leben lang treu, sein damaliges Wohnhaus ist heute ein Museum.

Selbst Schüler des Aktionskünstlers Joseph Beuys reisten an, so wie Anatol Herzfeld etwa, der im Wattenmeer eine grüne Frauen-Skulptur – die Jade – zurückließ.

Bildhauer Eckart Grenzer kam vor allem, um zu provozieren. Als er am Strand einen gigantischen Granit-Phallus aufstellte, was damals ein Riesen-Aufreger war.

Erkunden lassen sich jene „Meisterwerke“ bei einem Bummel entlang des Kunst- und Skulpturenpfades. Am Wegesrand wirst du wohl auch einige weiße Fahnen mit grünem „T“ entdecken – das Wappen der Tapken-Familie, Dangasts Dorf-Dynastie und Besitzer des 130 Jahre alten Kurhauses, einer Institution im Ort.

Kurhaus: Anstehen für den besten Rhabarberkuchen

„Den müssen Sie probieren“, empfiehlt ein älteres Ehepaar. Wie früher heißt es: Schlange stehen im rappelvollen, backsteinernen Kurhaus für den, wie versichert wird, „wohl besten Rhabarberkuchen weit und breit“.

Maren Tapken führt mit Vater, Mutter und Mann das friesische Gasthaus in fünfter Familien-Generation. Der Eischnee duftet süß, das Backwerk ist hausgemacht und schmeckt fruchtig. Und der Blick vom Freisitz auf die Nordsee, ganz ohne störenden Deich, bei Kaffee oder Bier ist urgemütlich.

Kurhaus Dangast | An der Rennweide 46, 26316 Varel | Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag 9 bis 19 Uhr

Eine Bootsfahrt mit der Etta von Dangast

Diese Bootsfahrt ist kultig. Vom örtlichen Hafen aus sticht Marens Onkel Anton Tapken mit den Ausflugsschiff Etta von Dangast beinahe täglich in See, nimmt Kurs auf den rot-weiß geringelten Arngaster Leuchtturm in der Mitte des Jadebusens, tuckert die Wilhemshavener Bucht an den Seehundbänken entlang und versorgt die Fahrgäste mit Geschichten und Seemannsgarn. Wenn bei starkem Seegang die Wellen über den Bug schwappen, bleibt’s in der Kabine schön trocken.

Vom Wasser umgeben: Der Arngaster Leuchtturm wurde in den Jahren 1909/10 auf einer Sandbank errichtet.
Vom Wasser umgeben: Der Arngaster Leuchtturm wurde in den Jahren 1909/10 auf einer Sandbank errichtet. Foto: Benjamin Winkler

Für die ganz Mutigen: Zum Leuchtturm führt auch eine Wattwanderung – aber Vorsicht: die siebenstündige Tour gilt als die härteste Deutschlands.

Fährbetrieb Anton Tapken | Bordumer Straße 4, 26316 Varel | Fahrpreise: ab 10 Euro, ermäßigt ab 5 Euro

Spijöök – Museum für Kuriositäten

Das Museum für Kuriositäten und Seemannslegenden in einem alten Trockenschuppen am Vareler Hafen hat es in sich. Die Sammlung ist große Kunst, denn jeder Winkel des Hauses beherbergt angeblich Artefakte ostfriesischer Geschichte. 

Baron Münchhausen? Nein, Museumsführer Iko Chmielewski, der aber mindestens genauso gerne flunkert.
Baron Münchhausen? Nein, Museumsführer Iko Chmielewski, der aber mindestens genauso gerne flunkert. Foto: Benjamin Winkler

In Wirklichkeit stammt vieles von Flohmärkten, ist natürlich (fast) alles großartiger Mumpitz und hinter jedem Ausstellungsstück steckt eine unterhaltsame Erzählung. Einmal im Jahr schippert eine kleine Gruppe von Freunden, die das Museum betreut, rauf auf See. „Zum Brainstorming“, sagt Iko Chmielewski, einer der Mythen-Erfinder, der abwechselnd mit seinem Bruder Gerald die Besucher durch den Raum führt.

Zu den Exponaten gehören auch ein Marine-Hubschrauber und ein sowjetisches U-Boot mit nordkoreanischem Hamsterantrieb – angeblich ersteigert auf einem Flohmarkt in Wladiwostok für einen VW Golf und zwei Flaschen Wodka. Ja, ja...

Spijöök-Museum | Kohlhof 5, 26316 Varel | Öffnungszeiten: Mitte Mai bis Mitte September: Samstag und Sonntag von 15 bis 17 Uhr | Eintritt: 4 Euro, ermäßigt 1 Euro

Was sonst noch in Dangast los ist:

Watt-en-Schlick-Festival: Für Rock-Pop-, Indie- und Hip-Hop-Fans ist Dangast alljährlicher Pilgerort mit 50 Konzerten, Lesungen und Filmvorführungen, die am Kulturhaus und Strand über die Bühne gehen. Zeitgleich finden hier die Deutschen Meisterschaften im Schlickrutschen statt.

Freilichttheater: Aller paar Jahre verwandelt sich die Wiese hinterm Dangaster Deich in ein Open-Air-Theater mit etwa 300 Laiendarstellern und Mitwirkenden. Die Bühnen-Atmosphäre ist einzigartig, denn (mit etwas Glück) erlebst du während der Vorstellung einen grandiosen Sonnenuntergang im Hintergrund.

Die Recherche wurde unterstützt durch Die Nordsee.

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