Robin Klemm (26) und Christoph Basner (31) führen das wohl speziellste Reisebüro der Welt. Bei ihnen können Menschen nämlich die eigene Asche oder die eines verstorbenen Angehörigen auf Reisen schicken.

Auf die Idee kamen die beiden kurz nach der Gründung ihres Bestattungsunternehmens „November“ im April 2017. „Wir haben festgestellt, dass die Bestattungswünsche immer individueller und außergewöhnlicher werden, manchmal sogar skurril – Weltraumbestattung und die Asche zum Diamanten pressen zu lassen sind nur zwei Beispiele“, erzählt Basner dem reisereporter.

Warum also nicht auch Menschen nach dem Tod ihre Reiseträume erfüllen, dachten sie sich und entwickelten die Idee „In der Urne um die Welt“.

Im persönlichen Gespräch mit den beiden Männern wird festgelegt, an welche Orte die Reise nach dem Tod gehen soll – es muss ja nicht gleich die ganze Welt sein. Vielleicht möchte der Verstorbene nur noch einmal nach Paris zum Eiffelturm, wo er sich verlobt hatte. Oder er möchte die Niagarafälle sehen – ein lang gehegter Wunsch, aber niemals gemacht. Oder er hat Flugangst und sieht die Reise nach dem Tod als einzige Möglichkeit, in ferne Länder zu kommen. 

Robin Klemm (links) und Christoph Basner haben das Bestattungsunternehmen „November“ gegründet.
Robin Klemm (links) und Christoph Basner haben das Bestattungsunternehmen „November“ gegründet. Foto: Handelmann

Die spezielle Reise läuft folgendermaßen ab: Ein Mitarbeiter des Bestattungsunternehmens macht sich mit der Asche in einer speziell versiegelten Urne auf den Weg. Unterwegs macht er Erinnerungsfotos, die Angehörigen erhalten ein Fotoalbum. Nach der Rückkehr – oder unterwegs, je nach Wunsch – wird die Urne beigesetzt.

Die Urne als Handgepäck im Flieger

Fliegen mit der Urne, geht das so einfach? Ja, in den meisten Fällen kann das Behältnis als Handgepäck reisen, bei einigen Airlines müsse es auch als Gepäckstück aufgegeben werden. Der Totenschein müsse aber immer mitgeführt werden, so Basner. Auch die Einreise in andere Länder sei in der Regel kein Problem. „Es gibt nur wenige Länder, die das verbieten oder sehr schwer machen. Dazu gehören Algerien, Kasachstan oder die Ukraine.“

Was hat der Verstorbene nun von so einer Reise? Nichts? Wer so denkt, für den ist eine solche Reise wohl nichts.  „Dieses Abenteuer ist etwas für Menschen die daran glauben, dass die Existenz nicht mit dem Tod beendet ist“, sagt Basner. Derzeit plane er mit einer Interessentin zum Beispiel eine Reise zum Ganges nach Indien. „Sie war schon einmal dort und hat den Ort als sehr inspirierend erlebt. Daher möchte sie nach ihrem Tod noch einmal dorthin. Sie glaubt, dass ihre Seele mitreist.“

Die Reise nach dem Tod: speziell und nicht billig

Ein Massengeschäft werden die Urnen-Reisen wohl nicht, meint Basner. „Das ist auch bei Weltraumbestattungen so. Die werden seit 15 Jahren angeboten und bisher haben das etwa zehn Menschen aus Deutschland gemacht“, sagt er.

Das sei schließlich auch eine Frage des Geldes. Denn: Wie eine Weltraumbestattung, so ist auch eine Weltreise nach dem Tod nicht billig. Ein Beispiel:  „Wer die Niagarafälle, Sydney, Paris und die Chinesische Mauer nach dem Tod bereisen will, zahlt etwa 12.000 Euro bis 13.000 Euro“, so Basner. Hinzu kommen die Kosten für die Urnen-Bestattung nach der Reise.

Ist diese Urnen-Reise-Idee nicht ein wenig makaber? „Nein, das sehen wir nicht so“, sagt Basner. Schließlich würden Wünsche von Menschen erfüllt, sie würden „nicht gegen ihren Willen missbraucht“. Zudem sei die Urne versiegelt. Und frühe Planung sei manchmal sehr wichtig – „oft bleibt nun mal nicht so viel Zeit wie gedacht“.