Leo Bartsch zurück von ihrer Weltreise | reisereporter.de

Weltreise-Tagebuch: Was bleibt? Die große Bilanz!

Sie ist Sängerin, Songwriterin – und reisereporterin: Leonore „Leo“ Bartsch (28), bekannt unter anderem als Mitglied der Girl-Group „Queensberry“, war auf Weltreise. Hier zieht sie ihr persönliches Weltreise-Résumé.

Leo Bartsch in ihrer Wohnung in Berlin.
Leo ist zurück in Berlin – und der Rucksack steht erstmal wieder leer in der Ecke.

Foto: Leo Bartsch

Ich sitze am Schreibtisch meiner Berliner Wohnung, um mich herum ist auch vier Tage nach meiner Ankunft noch leichtes Chaos, mein leerer Rucksack steht traurig in einer Ecke und wartet darauf, endlich gesäubert zu werden und ich fühle mich wahrscheinlich genau so verloren wie er.

Langsam realisiere ich die unbestreitbare Tatsache: Meine Weltreise ist vorbei. Das war's.

Leo auf dem Steg am See.
Zurück in Deutschland lässt Leo ihre Weltreise Revue passieren. Foto: Leo Bartsch

Ich bin zurück in meiner alten Stadt, meiner alten Wohnung, meinem alten Leben. Zurück dort, wo ich vor sechseinhalb Monaten meinen Rucksack voll gepackt habe, nicht nur mit Klamotten, sondern auch mit Plänen, Erwartungen, Hoffnungen. Und hier sitze ich nun an der selben Stelle wie immer, gucke auf den selben Innenhof und denke darüber nach, ob ich eigentlich noch die Selbe bin.

 

Leos Weltreise in Bildern

Die Ankunft in Deutschland war schwerer, als ich es mir gewünscht habe. In meiner Vorstellung lief das ungefähr so ab: Ich fahre gemütlich mit meinen Eltern von Frankreich nach Deutschland, lasse mich ein paar Tage von meiner Mutter bekochen, mache Spaziergänge mit dem Hund, gehe im See baden. 

Fahre dann über meinen Geburtstag nach Hamburg zu meiner Schwester, wo mein dreijähriger Neffe sich vor Begeisterung überschlägt, seine Tante endlich wieder zu sehen. 

Und wenn ich schließlich nach Berlin komme umgibt mich immer noch die Aura einer Weltreisenden, die nun heimkehrt und von ihren Abenteuern berichtet, völlig darauf fokussiert, ab jetzt alles besser zu machen, als vorher.

Leo Bartsch feiert Geburtstag bei ihrer Schwester in Hamburg.
Wiedergewonnenes Familienglück: Leo feiert ihren Geburtstag bei ihrer Schwester in Hamburg. Foto: Leo Bartsch

Die Realität war allerdings etwas anders: Als erstes werde ich richtig krank und liege tagelang im Dämmerzustand auf der Couch meiner Eltern und werde in regelmäßigen Abständen mit Wärmflasche und Buchstabensuppe versorgt. Mein Neffe erklärt mir, dass es eigentlich okay war, dass Tante Leo so lange im Urlaub war und als ich dann wirklich nach Hause zurückkehre, verbringe ich die ersten Tage alleine in meiner Wohnung damit, wieder einzuziehen – da hatte ich wohl das kleine Detail vergessen, dass Menschen im Normalfall arbeiten müssen.

Abends treffe ich nach und nach meine engsten Freunde und auch wenn die Wiedersehensfreude groß ist, fühlt sich schnell alles ganz normal, ganz vetraut an. Die Treffen im Lieblingsrestaurant mit dem Lieblingsgericht, Berlins Straßen und die Berliner Luft, der Bummel durch die Liebslingsgegend, mein Bäcker, mein Kiosk – einfach alles, bis hin zu der Kuhle in der Ecke meines Sofas.

Leo Bartsch am See.
Nachdenklich nach der Weltreise: Leo fühlt sich in ihrem neuen alten Leben erstmal deplaziert. Foto: Leo Bartsch

Auf der einen Seite ist diese Vertrautheit schön warm und gemütlich, auf der anderen Seite auch völlig merkwürdig. Denn während ich all diese normalen Dinge tue, fühle ich mich völlig deplatziert. Ich merke: Alles in mir ist neu! Und alles um mich herum ist wie immer. Wow. Da ist eine ziemlich große Diskrepanz zwischen Innen und Außen – kein Wunder, dass man da erstmal orientierungslos ist.

Ich merke: Alles in mir ist neu! Und alles um mich herum ist wie immer. Wow.

Um mir selber etwas Richtung zu geben, gönne ich mir eine neue Haarfarbe und ein neues Tattoo und das hilft tatsächlich etwas, meinem neuen Gefühl Ausdruck zu verleihen.

Natürlich geht so eine lange Reise nicht spurlos an einem vorbei und natürlich, um meine eigene Frage zu beantworten, bin ich nicht mehr die Selbe wie vorher. Aber wie auch, mit all den neuen Eindrücken, Erfahrungen und Erinnerungen, die ich mit nach Hause bringe?! 

So ähnlich geht es sicherlich jedem Rückkehrer... Aber was bleibt, wenn der Rucksack abgesetzt und die Bikinis im Schrank verschwunden sind? Wenn die Wäsche gewaschen und alle Kisten ausgeräumt sind? Wenn alle Fotos sortiert und alle Artikel geschrieben sind? Was bleibt von einer Weltreise über, außer Sand in den Schuhen und Mückenstichnarben an den Beinen?

Für mich persönlich bleibt vor allem der Stolz, etwas Großes geschafft zu haben. Denn so normal es sich manchmal unterwegs anfühlt, zurück Zuhause merkt man, dass nicht jeder alleine um die Welt reisen würde. Ich habe mich getraut, einen Traum in die Wirklichkeit umzusetzen und das gibt mir die Zuversicht, dass ich auch weiterhin vieles erreichen kann. 

Es bleiben neue Überzeugungen und Ideen, die es nun gilt, in den Alltag zu integrieren. Zum Beispiel möchte ich minimalistischer leben, denn jetzt weiß ich: Ich brauche nicht mehr, als in einen Rucksack passt. Ich will nachhaltiger konsumieren und ökologischer leben, denn ich habe das Ungleichgewicht zwischen arm und reich oder die Plastikverschmutzung der Ozeane mit eigenen Augen gesehen. 

Leo Bartsch meditiert am See
Diskrepanz zwischen Innen und Außen: Leo muss sich nach ihrer Weltreise wieder in ihrem gewohnten Leben zurechtfinden. Foto: Leo Bartsch

Es bleiben viele neue Freunde aus der ganzen Welt, mit denen ich Kontakt halten und mich weiterhin austauschen kann. Und natürlich bleiben für immer die Erinnerungen an eine wahnsinnig prägende, aufregende und bewegte Zeit, in der ich in 57 verschiedenen Betten geschlafen und immerhin zwölf Bücher gelesen habe, in der ich an 23 verschiedenen Surfspots auf 25 verschiedenen Surfbrettern gesurft bin, unzählige Sonnenuntergänge betrachtet und außerdem auch vier Krankenhäuser von innen gesehen habe... Trotzdem habe ich es geschafft in einem Stück zurück zu kommen, das ist doch keine schlechte Weltreise-Bilanz!

Die erste Post, die ich in meiner neuen-alten Heimat im Briefkasten habe, kommt in Form eines Willkommensbriefes von meiner besten Freundin. Sie schickt mir ein Zitat des irischen Schriftstellers und Künstlers George Moore, das mir die Tränen in die Augen treibt: „Der Mensch bereist die Welt auf der Suche nach dem, was ihm fehlt. Und kehrt nach Hause zurück um es zu finden.“ 

Wahrscheinlich hat er Recht. Alles in allem bin ich wahnsinnig froh, ein Zuhause, eine Familie und Freunde zu haben, zu denen ich zurückkehren kann und gleichzeitig läuft mein Herz über vor Dankbarkeit, für all das Erlebte. Was aber dennoch auf jeden Fall, absolut und immer nach einer Reise bleibt, ist die Vorfreude auf die nächste – und die kommt bestimmt, versprochen!

Danke, dass ihr mit mir um die Welt gereist seid.

Eure Leo

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
#Trending
Zur
Startseite