Bangkok: Lena & Oleg auf Weltreise | reisereporter.de

Lena & Oleg auf Weltreise: Schlaflos in Bangkok

Lena (25) und Oleg (27) aus Hannover haben es getan: Sie haben ein One-Way-Ticket in die Freiheit gekauft und gehen auf Weltreise. Gerade sind sie in Bangkok angekommen. Und beim reisereporter lassen sie euch an dem Abenteuer ihres Lebens teilhaben.

Der Gesichtsausdruck lässt es erahnen: Lena und Oleg gefällt’s im Hostel in Bangkok nicht so richtig...
Der Gesichtsausdruck lässt es erahnen: Lena und Oleg gefällt’s im Hostel in Bangkok nicht so richtig...

Foto: Pres

Es ist 1.52 Uhr nachts und ich wälze mich in meinem Hosteldoppelbett in Bangkok von links nach rechts. Während Oleg schlummert wie ein Baby, habe ich meine verdammten Ohropax nicht gefunden. Und so wurde ich angreifbar für jedes Geräusch unserer Mitbewohner im 16er-Schlafraum. Auf den acht großen und zugegeben recht bequemen Matratzen können jeweils zwei Menschen jeden Geschlechts einen Schlafplatz finden.

Der Raum ist winzig und würde man seinen Arm austrecken, könnte man die Matratze des Nebenan berühren. Wie ich nun mitten in der Nacht geplagt von zwei schnarchenden Menschen, drei Partyeulen und einer Dame mit Reizhusten in meinem Bett liege, frage ich mich: Wieso liegst du eigentlich hier und nicht in einem hübsch dekorierten Schlafzimmer im persönlichen Lieblingsbett neben Oleg in eurer 3-Zimmer-Traumwohnung in Berlin?

Hochhäuser in der Innenstadt von Bangkok.
In den gläsernen Wolkenkratzern Bangkoks spiegeln sich Wolken und Luxus. Foto: Pres

Während meine Freundinnen Häuser bauen oder ihre ersten eigenen Wohnungen beziehen, um dem ewigen WG-Leben zu entfliehen, entschied ich mich für ein Leben ohne Wohnsitz.

Wir Frauen träumen häufig von dem Moment, in dem wir die zauberhafte Macht besitzen, die eigenen vier Wände einzurichten, zu dekorieren und zu bewohnen: Bilder an den Wänden, Flohmarktmitbringsel im Flur und das gute Geschirr von Oma im Schrank.

Bevor es Zeit für diese Phase meines Lebens wird, habe ich mich also für das Leben im Schlafsaal mit 14 Fremden entschieden.

Wir sind seit fünf Wochen auf Weltreise und ich klage bereits darüber. Wie sollen wir so ein Jahr lang die Welt bereisen? Die Wahl ist gefallen – rastlos statt sesshaft. Unter Menschen in Thailand statt unter uns in Berlin. 

Nun gilt es diese Lebensphase individuell an unsere Bedürfnisse, Wünsche und Ansprüche anzupassen und dementsprechend im ersten Schritt herauszufinden, welche Unterkünfte am besten zu uns passen. Hotel, Airbnb, Couchsurfing oder Hostel? Ein, zwei oder drei Sterne? Doppelzimmer oder Schlafsaal? Fünf, zehn oder 15 Euro die Nacht? 

Hotel, Airbnb, Couchsurfing oder Hostel? Ein, zwei oder drei Sterne? Doppelzimmer oder Schlafsaal? Fünf, zehn oder 15 Euro die Nacht?“

Ich war stets diejenige, die Oleg von der Wahl Hostel statt Hotel überzeugen wollte. Hostels sind schließlich eine häufig preisgünstige Alternative zu einem Doppelzimmer im Hotel. Außerdem bieten sie den Vorteil, dass man sich mit anderen Backpackern austauschen kann, Geheimtipps ergattert und manchmal sogar kostenlosen Zugang zu Büchern und Reiseführern hat. Was spricht also dagegen? 

Schuhregal im Hostel in Bangkok.
Wenigstens ordentlich: Die Schuhparade an der Tür hält den Hostelboden sauber – und verleiht der Luft ein dezentes Fuß-Odeur. Foto: Pres

Das kann ich euch sagen! Der Geruch von Fuß, Urin, verbrauchter Luft und Mensch. Haare von anderen Menschen, überall. Belegte Toiletten und Duschen. Geräusche wie Schnarchen, Pupsen, Brechen und knackender Finger. Als Extra bekommt man einen Schrank ohne Schloß, in den eine von drei Taschen passt.

Wenn einen dann die Hostel-Mitarbeiterin beim kostenlosen Cornflakes-Frühstück beim ersten Nachschlag schon böse anschaut, fängt das Leben im Hostel erst richtig an. Anstatt das Frühstücksverhalten der Gäste zu beobachten, sollte diese Lady lieber üben Kaffee zu kochen, den man auch trinken kann.

Cornflakes-Frühstück im Hostel in Bangkok.
Kein Luxus-Frühstück, aber immerhin gratis: Cornflakes mit Milch sind im Preis für eine Nacht im Hostel inbegriffen. Foto: Pres

In diesen Momenten zwinge ich meinen Kopf, sich das unschlagbare Verhältnis von Preis und Leistung aufzurufen. Ein Dach über dem Kopf, ein halbwegs sauberes und bequemes Bett mit Klimaanalage plus Frühstück für weniger als vier Euro die Nacht? Ich weiß, ich sollte nicht meckern.

Es lag nicht an dem Hostel, sondern an der Masse an Menschen, die ebenfalls auf Schnäppchenjagd für einen Schlafplatz in Bangkok waren. Auch ist das Hostel-Leben allgemein nicht immer schlecht, aber ich bin mir fast sicher, dass ihr alle wisst, was ich meine... Oder?

Mein Paps sagt immer etwas, dass an dieser Stelle erwähnenswert ist: Er meint, dass er durch das Reisen zwar Freiheit erlebt, vor allem aber seine Heimat und sein Zuhause besonders schätzen lernt. 

Stau auf einer Straße in Bangkok.
Lieber nicht mit dem Auto unterwegs: Der Verkehr in Bangkok legt gerne mal die eine oder andere Zwangspause ein. Foto: Pres

Was ich in Deutschland zurückgelassen habe, war ein Leben, dass mir im Alltag mehr Komfort geboten hat. Der Mensch als Gewohnheitstier lernt erst mit der Zeit diese Ansprüche zu verändern. In dieser Findungsphase befinde ich mich aktuell – wie reisen beziehungsweise schlafen wir am besten, welche Ansprüche werden wir ablegen, welche beibehalten?

Ich weiß noch nicht ob das Sparfuchs-Hostel-Leben als freiwillige Wahl mir noch so lieb wird, wie ich es mir selber wünschen würde. Aber es wird noch genug Länder geben, die uns finanziell vor keine andere Wahl stellen.

Jetzt wird es aber erstmal Zeit für einen Locationwechsel: Raus aus dem Hostel im Großstadtdschungel, rein in eine gemütliche, ruhige Airbnb-Wohnung im natur- und kulturvollen Chiang Mai! Wir hören uns dort wieder.

Bis dahin,
Eure Lena

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