Er hat sich zweimal auf die Spuren seines großen Landsmannes Roald Amundsen begeben und die Nordwest-Passage mit dem Schiff durchquert: Birger Vorland, Kapitän der „Crystal Serenity“. Der Norweger lebt zwar mit seiner Frau seit Langem in Sherman Oaks bei Los Angeles, wo Crystal sein Hauptquartier hat.

Geboren wurde er aber 1959 auf einer kleinen Insel südlich von Bergen. Mit 19 wurde er Seemann, heuerte auf Schiffen an, die in der Nordsee unterwegs waren. 1983 wechselte er auf Kreuzfahrtschiffe, 1988 fuhr er auf einem Cruise Liner erstmals als Erster Offizier mit. 2002 trat Vorland in die Dienste von Crystal, wurde Kapitän auf der „Crystal Harmony“. Später wurde er Vizepräsident des Unternehmens, zuständig für nautische Operationen.

2012 zog es ihn jedoch wieder zurück aufs Meer und eine freiwerdende Stelle auf der „Serenity“ machte es möglich, dass er wieder als Kapitän fahren konnte. „Kommandant an Bord des am höchsten bewerteten Kreuzfahrtschiffes zu werden, war eine Chance, die man nicht ausschlagen konnte.“ Seine Hobbys: Fotografie, die Jagd und Mountainbiking. Und einmal im Jahr zieht es ihn zurück in seine alte Heimat, dann macht er Urlaub in Norwegen.     

Inwiefern unterscheidet sich diese Kreuzfahrt durch die Nordwest-Passage von anderen Kreuzfahrten?

Uns war von Anfang an bewusst, dass die Leute, die mit uns die Tour durch die Nordwest-Passage machen, zwar stilvoll und luxuriös reisen möchten, sich aber gleichzeitig weiterbilden wollen. Und so haben wir dieses Schiff für diese nicht ganz gewöhnliche Fahrt zum größten Klassenzimmer der Welt gemacht. Es gab täglich drei bis vier Vorlesungen von Lektoren in unserem Showroom Galaxy Lounge, und das waren alles herausragende Spezialisten. Wenn ich mal einen unserer Gäste gefragt habe, wie der heutige Tag war, dann hieß die Antwort meistens: Ich war sehr beschäftigt. Manche besuchten gar jede einzelne der angebotenen Enrichment-Veranstaltungen.

Wie wurde die Fahrt vorbereitet?

Wir haben die Sache sehr, sehr ernst genommen. Dreieinhalb Jahre haben die Vorbereitungen gedauert, haben wir geplant und geplant und geplant. Unser Projektleiter John Stoll und ich sind mehrmals in die Region geflogen, haben mit den Menschen vor Ort geredet, haben sie gefragt, was ihre Vorstellungen und Wünsche sind, haben das wiederum in unsere Planungen einbezogen. Als sie erfuhren, dass wir nächstes Jahr nicht wiederkommen, war bei etlichen deutlich so etwas wie Traurigkeit und Enttäuschung zu spüren.  

Wird es weitere Touren durch die Arktis mit diesem Schiff geben?

Nicht mit diesem Schiff – und auch nicht mit der „Crystal Symphony“. Aber 2019 oder 2020 wird die „Crystal Endeavour“ in Dienst gestellt. Sie wird in Stralsund in Deutschland gebaut, ist gut 160 Meter lang – ein 20.000-Tonnen-Schiff der Super-Eisklasse, das zwei Helikopter an Bord haben wird und ein oder zwei kleine U-Boote und natürlich Zodiacs.

Das Schiff für maximal 200 Gäste wird natürlich mit dem für Crystal selbstverständlichen Luxus ausgestattet. Im Sommer werden wir mit diesem Schiff in der Arktis, im Winter in der Antarktis unterwegs sein – und in den Zwischensaison-Zeiten werden sicher auch noch interessante Expeditionsziele in anderen Regionen dazukommen.

Die „Crystal Serenity“ war das bisher größte Schiff, dass diese Strecke bewältigt hat.

Die Arktis mit einem großen Kreuzfahrtschiff zu durchqueren, mit 750 bis 1000 Passagieren an Bord, war eine große Herausforderung. Wir starteten die Vorbereitungen vor dreieinhalb Jahren und hatten dann 2016 die erste und nun in diesem Jahr die zweite Tour durch die Nordwest-Passage - eine Erfahrung, die bisher überhaupt nur wenige Leute gemacht haben. Insgesamt haben diese Strecke, seitdem sie mein Landsmann Roald Amundsen Anfang 1900 erstmals bewältigt hat, gerade mal etwa 8.000 Menschen komplett durchfahren. Und davon waren allein etwa 3000 mit Crystal unterwegs.

Das wird für die Leute ein unvergessliches Erlebnis bleiben“

In diesem Jahr hatten wir eine Menge Eis in der Victoria Strait und am Eingang zur Belot Strait. Es war ein Highlight für die Leute an Bord, Teil eines Konvois durch das Eis zu sein. Da waren die beiden Eisbrecher, unser Begleitschiff „Shackleton“ und die kanadische „Des Groseilliers“, und hinter uns noch die „Bremen“. Ein Schiff mit Eisklasse, die trotzdem zweimal Hilfe brauchte.

Diese Fahrt durch das Eis war für mich einer der intensivsten Momente in meiner gesamten Karriere. Und die „Serenity“ packte das, obwohl sie keine Eisklasse hat. Aber es ist ein wunderbares, sehr solide gebautes Schiff. Ich war in dieser Situation ziemlich beschäftigt und mir der Lage bewusst, aber ich war nicht besorgt. Das war schon ein sehr intensives Erlebnis für alle an Bord. Für die Gäste natürlich, aber auch für die Crew, die spürte, dass sie Teil von etwas ganz Besonderem war. Ich bin sehr stolz und fühle mich geehrt, dass ich das Kommando über dieses fantastische Schiff habe und diese emotionale und bewegende Tour zweimal machen durfte.

War es beim zweiten Mal schon so etwas wie Routine oder ist diese Route immer einer Herausforderung?

Die Durchquerung der Nordwest-Passage wird niemals Routine werden. Die extremen Wetterverhältnisse in der Arktis, das Eis, die sich schnell ändernden Bedingungen werden dieses Seegebiet immer zu einer Herausforderung machen.

Die Route der Crystal Serenity

Die Route der Crystal Serenity führt über die Nordwestpassage.
Die Route der Crystal Serenity führt über die Nordwestpassage. Foto: Vista Travel