"Schon mal ‘nen Berr-Berrga probiert?“, fragt Chris nach vier Stunden. Schon die ganze Fahrt über haben wir Mühe, das nuschelnde Schnellfeuer aus dem Mund unseres australischen Reisebegleiters zu verstehen.

Doch nach einigen Rückfragen dämmert es uns: Kann es sein, dass Chris mit „Berr-Berrga“ einen der regelmäßig am Straßenrand auftauchenden Schnell-Imbisse meint, auf denen groß „Barra-Burger“ steht?

Genauso ist es. Chris deutet gerade auf ein solches kleines Restaurant, das auf der anderen Straßenseite unseres Parkplatzes liegt. Schon beim Betreten des Lokals erschnuppern wir, was unsere knurrenden Mägen erwartet: Panierter Fisch, knusprig frittiert und wie ein klassischer Burger in zwei Sesam-Brötchen-Hälften serviert, belegt mit Salat, Tomaten und Zwiebeln.

Unterwegs auf Australiens Bruce Highway

„Das ist die australische Antwort auf McDonalds“, erklärt uns Chris, während ihm ein Tropfen der remoulade-ähnlichen Sauce aus dem Mundwinkel quillt. Und wir erfahren noch mehr: Der „Barra“ heißt eigentlich Barramundi, gehört zur Familie der Riesenbarsche und kommt vorwiegend in den tropischen Gewässern vor Australien vor. Sein Fleisch ist weiß, zart, aber trotzdem bissfest – und, was das Wichtigste ist: Er schmeckt wirklich lecker. So lecker, dass wir ihn in den nächsten Tagen öfter auf unseren Speisezetteln haben. 

Vor uns liegen rund 1.700 Kilometer. Wir sind unterwegs auf dem Bruce Highway von Brisbane nach Cairns entlang der Ostküste, und wir sind froh, dass erst einmal Chris am Steuer unseres Vans sitzt. In Australien herrscht Linksverkehr und der Bruce Highway wechselt immer wieder von seinen autobahnähnlichen Vierspuren auf eine normale Landstraße, auf der uns Monster von Trucks gefährlich nahe entgegen brettern. Gleichzeitig musst du höllisch auf die Radfahrer auf dem Seitenstreifen aufpassen, denen auch in Australien die Welt zu gehören scheint.

Die Millionenstadt Brisbane war schon beeindruckend. Besonders der atemberaubende Blick vom Q1-Tower, einem 323 Meter hohen Wohngebäude. Aber die Fahrt durch den Bundesstaat Queensland soll für uns noch unvergesslicher werden: Tiefrot die fast menschenleeren Outbacks mit ihren Wüsten- und Steppenlandschaften. Üppig grün die tropischen Regenwälder. Goldfarben bis blendendweiß die Strände. Und tiefblau das Meer. Queensland ist Sinnesfreude pur.

Kein Wunder, dass der Australier, der ja von Hause aus eh vollkommen locker ist, hier noch eine Spur tiefenentspannter daherkommt. So wie Chris, der einmal für sechs Monate in Deutschland als Englisch-Lehrer (!) Firmenmitarbeiter schulte, natürlich kaum ein Wort Deutsch mit nach Hause gebracht hat, dafür aber schon mit einem Grinsen im Gesicht geboren wurde.

Australische Gastfreundschaft: Wein im Tetra-Pack

Chris ist der beste Reisebegleiter, den du dir wünschen kannst. Die Sehenswürdigkeiten zu erklären, überlässt er unserem Reiseführer. Dafür zeigt er uns die Grillstationen, die überall am Straßenrand stehen, wo jedermann kostenlos sein Steak brutzeln kann. (Selbstverständlich strombetrieben wegen der Feuergefahr.) Oder er besorgt aus dem Supermarkt Wein in Tetra-Packs, der sogar richtig gut schmeckt. Oder hätten wir Lust auf ein bisschen „Weed“, auf „Gras“, einen Joint? „Auch kein Problem, hier!“, sagt er.

Wir lehnen dankend ab. Wir haben schon Mühe, mit ihm mitzuhalten, wenn er am Ende Tages ein „Sunset“-Bier bestellt. Wenn es nach ihm ginge, könnte daraus auch leicht ein „Sunrise“-Bier werden. Denn wie heißt einer seiner „Lebenserkenntnisse“? „Noch schlimmer als der Durst – ist die Angst vor dem Durst!“

Aber auch an diesem Abend gelingt es uns, Chris sanft zu überreden, jetzt doch zu Bett zu gehen. Vor uns liegt ein neuer Tag. Bis Cairns sind es noch einige Kilometer. Und wir wissen schon jetzt, dass wir auch am nächsten Tag keinen einzigen bereuen werden …