Es ist genau einen Monat her, dass wir zu fünft mit dem Renault von meinem Paps über die Autobahn Richtung Hamburg fuhren. Abschiedsgeschenke, Abschiedsfoto, Abschiedstränen, Ciao.

Bangkok war unser erstes Reiseziel und wird auch in einer Woche erneut zu unserer Zieldestination. Wir haben uns dazu entschieden, den Vorteil der preiswerten Flugverbindungen nach Thailand zu nutzen und die Hauptstadt Hanoi wird somit unsere letzte Station in Vietnam.

Für sieben Nächte haben wir bei Linh Unterschlupf gefunden. Eine überdurchschnittlich freundliche Vietnamesin, die sich bemüht ihr Zuhause zu unserem Zuhause zu machen. Und es gelingt ihr. Diese letzten Tage in Vietnam erzeugen bei uns eine Aufbruchsstimmung und reflektierende Gedanken. Was macht dieses Land in unseren Augen besonders? Was gefällt uns gut und was nicht? Für euch, von uns – unser „Best of Vietnam“:

Menschen

Kleine Menschen, fleißige Frühaufsteher und so viele Kinder. Wir haben einige wirklich herzliche Menschen in diesem Land getroffen, die uns ihre Gastfreundschaft schenkten und unseren Eindruck der vietnamesischen Kultur prägten.

Vater mit zwei Kindern im Kinderwagen auf einem Markt in Vietnam.
So viele Kinder! In Vietnam trafen Lena und Oleg auf viele gastfreundliche (und vor allem kinderreiche) Menschen. Foto: Lena Pres

Immer wieder bin ich erstaunt über die Berufsbilder, die sich in Vietnam eröffnen: Der Roller-Taxifahrer, der Nightmarket-Verkäufer, der Nachtbusfahrer und die Verkäuferin, die am Straßenrand einen kleinen Kiosk aufgebaut hat.

Das Leben spielt auf der Straße, die wir jedoch nach 22 Uhr meist nicht mehr besuchen, um unser orientierungstechnisches Unwissen nicht zu einem Sicherheitsrisiko werden zu lassen.

Ein Rätsel bleibt ungelöst – singen wirklich Menschen in diesen unzähligen Karaoke-Bars?

Essen und Trinken

Süß und scharf. Der vietnamesische Kaffee ist eine Spezialität und wir trinken ihn favorisiert eisgekühlt mit dickflüssiger Kondensmilch („Ca Phe Sua Da“).

Vietnamesischer Kaffee auf Eis mit süßer Kondensmilch.
Auf „Ca Phe Sua Da“ (vietnamesischer Kaffee auf Eis mit süßer Kondensmilch) stehen Lena und Oleg total. Foto: Lena Pres

Ein besonderes Auge haben wir auf die vietnamesischen Bäckereien geworfen, die preiswert ihre Waren verkaufen. Helles Gebäck soweit das Auge reicht – zum Beispiel kleine Baguettes für das sogenannte Banh Mi, ein belegtes Baguette, welches auch als Spezialität an Straßenständen gilt.

Wir haben gelernt, dass der Preis nicht die Qualität beziehungsweise den Geschmack ausmacht und sind mit der Zeit mutiger geworden auch an Straßenecken zu essen.

Street Food auf einem Straßenmarkt in Vietnam.
Mit der Zeit werden Lena und Oleg mutiger und essen auch an Straßenecken. Foto: Lena Pres

Dort gab es für uns meist Suppen, viele Suppen mit Nudeln. Die Variante mit Schnecken in meiner Suppe („Bun oc“) hätte ich mir jedoch sparen können... 

Fast jede Stadt hatte sein eigenes Bier und jede Region kocht ähnliche Gerichte etwas anders. Unsere Favoriten: Reis-Pancakes („Banh xeo“) mit Shrimp und die spezielle Nudelsuppe aus Hoi An („Cao Lau“).

Reiseziele – von Süden nach Norden

Wir haben uns für diese Richtung entschieden und die folgenden Städte besucht:

  • Ho Chi Minh City – groß, modern, touristisch
  • Da Lat – bergiges Erholungsparadies für Asiaten
  • Hoi An – kuschelig und bodenständig: Laternen, Strand und Schneider
  • Da Nang – wirtschaftliches Zentrum mit Beachfeeling unter Palmen
  • Hue – romantisches Mittel zum Zweck direkt am Perfume River
  • Phong Nha – Natur pur für Entdecker
  • Hanoi – eine teure, alte Stadt mit reizenden kleinen Gassen

Letztlich hatte jede Stadt für sich ein individuelles Highlight und war die Reise wert. Persönlicher Favorit: Hoi An!

Transport

Chaos, Abgase und Hupen. Ein Mundschutz ist sehr sinnvoll inmitten der vielen Rollerfluten. Fünf Menschen auf einem Roller? Machbar. Vietnam hat eine sehr hohe Unfallrate und vor ein paar Jahren auch eine Helmpflicht für Rollerfahrer eingeführt. Das erscheint uns sehr sinnvoll und wir haben mehrere Unfälle gesehen. Es ist schwer, die Geräuschkulisse auszublenden, und ich bin überzeugt davon, dass man als Tourist mindestens einmal wütend auf diesen Verkehr wird.

Voll beladener Roller in Vietnam.
Geht nicht? Gibt's nicht! In Vietnam passt überraschend viel auf einen Roller... Foto: Lena Pres

Des Rätsels Lösung für eine niemals freie Straße? Gehen, immer gehen. Gar nicht erst den Blickkontakt zu den Rollern suchen. Wenn sie sehen, dass du gehst, finden sie den richtigen Weg an dir vorbei.

Pro-Tipp: Im Nachtbus lieber nicht zu häufig aus dem Fenster schauen, dann wird man kein Zeuge der wahnsinnigen Überholmanöver auf kleinsten Straßen.

Geldbeutel

Alles ist möglich. Von wirklich günstig bis luxuriös kann man sich jede Preisklasse für Lebensmittel und Unterkunft suchen. Der Spielraum ist sehr groß. Wir haben gerne verhältnismäßig günstig gewohnt und gegessen in der Hoffnung, damit die lokalen Restaurants und Homestays zu unterstützen.

Die Transportpreise waren (je nachdem ob man vor Ort, in einer Agentur oder im Internet bucht) sehr unterschiedlich. Wir haben mit Sicherheit öfter einiges mehr gezahlt als vietnamesische Touristen – klassisch abgezockt. Auch im Taxi ist uns das passiert, wie ihr bereits wisst.

Suppe und Nudeln in einem Restaurant in Vietnam.
Mit 12 Euro Essens-Budget am Tag kommen Lena und Oleg in Vietnam gut über die Runden. Foto: Lena Pres

Voraussichtliche Gesamtkosten für 27 Tage in Vietnam: 1.100 Euro all inclusive (Unterkünfte, Verpflegung, Alkohol, Transfer, Sightseeing, Visa, Wäsche, Frisör und so weiter). Für Unterkünfte gaben wir im Durchschnitt zehn Euro pro Nacht und für Essen und Trinken zwölf Euro jeden Tag aus. Von allen bereisten Städten war Hanoi für uns die teuerste Stadt.

Unser Vietnam-Fazit

Im Vergleich war Kambodscha das günstigere Reiseland, da es einfach das ärmere Land ist. Vietnam hat viele westliche Züge und sich größtenteils dem Tourismus angepasst. Es gab kaum Attraktionen, die wir besuchten, die nicht bereits touristisch erfasst waren. Ein gut ausgebauter Streckenplan für Nachtbusse von A nach B, WLAN in quasi jedem Bus und Taxi. Und dann noch diese Straßenstände mit Bilder-Menükarten und auf Englisch... ja, so erlebten wir Vietnam.

Eine nette Dame in einem Homestay in Hoi An machte den Slogan „Easy Peasy Vietnamesy“ zu ihrem persönlichen Merkmal. Wir haben es übernommen, da es beschreibt, welche Einstellung wir versuchten, uns anzueignen: Weniger steif, weniger besorgt, weniger kontrolliert – einfach leben, akzeptieren und machen. Es gibt immer einen Weg und es gibt in Vietnam viele freundliche Menschen, die dir in jeder Situation Hilfe leisten können.