Arktis-Kreuzfahrten werden beliebter | reisereporter.de

Linges (B)Logbuch: Arktis-Kreuzfahrten werden beliebter

Auf dem Luxusliner Crystal Serenity fährt Claus Lingenauber durch die legendäre Nordwestpassage. Er will die Arktis hautnah erleben. Auf dem reisereporter erzählt er von seinen Erlebnissen an Bord. Hier lest ihr Teil 17 seines (B)Logbuchs, ein Interview mit Graham Dickson, dem Chef von Arctic Kingdom.

Graham Dickson, Chef von Arctic Kingdom
Graham Dickson, Chef von Arctic Kingdom

Foto: Claus Lingenauber

Wofür steht Arctic Kindom? 
Wir sind Pioniere im Polar-Tourismus. Wir bringen Leute dahin, wo sie Eisbären, Wale – aber auch andere Wildtiere wie Moschusochsen, Wölfe und Karibus in der freien Wildbahn erleben können. Und zwar in der gesamten Arktis. Aber wir sind ein Unternehmen aus Kanada, und unser Schwerpunkt liegt auf der kanadischen Arktis.

Wir arbeiten sowohl mit Privattouristen zusammen als auch mit Polartour-Anbietern aus aller Welt. Wir bieten für bestimmte Zeiten im Jahr Polarcamps an. Aber wir organisieren auch Großprojekte wie das mit Crystal Cruises.

Crystal Serenity ist ein ziemlich großes Schiff. Was ist das Besondere an einer solchen Aufgabe?  
Wenn man mit einem großen Schiff unterwegs ist, ist die Reichweite natürlich deutlich größer. Wir sind in Alaska gestartet, haben die Nordwest-Passage durchquert, sind in Grönland gewesen und jetzt unterwegs nach New York. Man kann auf einer solche Reise unterschiedliche Angebote für eine größere Zahl von Reisenden machen. Man hat zudem die Möglichkeit, gute Lektoren für eine solche Tour zusammenzubekommen, die die Probleme, die Besonderheiten und Chancen dieser Region von unterschiedlichsten Perspektiven aus beleuchten können.

Das kostet sehr viel Geld und ist für eine kleine Gruppe so nicht leistbar. Ist man mit einer kleineren Gruppe unterwegs, hat das natürlich den Vorteil, dass man flexibler auf Situationen reagieren kann.

Das Interesse an den Vorträgen war riesig. War das während auf der ersten Tour der Crystal Serenity durch die Nordwest-Passage auch schon so – oder hat sich das noch gesteigert?
Das Interesse über die Arktis war jedes Mal groß. Doch die diesjährige Tour war schon etwas Besonderes.

2016 hatten wir auch jede Menge Lektoren an Bord, aber nicht so viele hochkarätige Experten aus verschiedenen Bereichen der Wissenschaft, aus der Politik und vom Militär wie dieses Mal.  Themen der Natur, der Umwelt, des Klimawandels, der Sicherheit, der Geschichte konnten so viel tiefer behandelt werden. Außerdem hatten wir Vertreter der Inuit dabei, die ihre Sicht der Dinge eingebracht haben.

Es gibt Kritiker, die sagen, die Umwelt der Arktis sei zu fragil und die Region vertrage keinen Massentourismus. Große Schiffe bedeuten aber immer auch viele Menschen. Hat Crystal Serenity hier einen Trend gesetzt, dem andere folgen werden – mit vielleicht noch größeren Schiffen? 
Die Größe eines Schiffes ist nicht unbedingt ein Problem. Es geht um das Engagement, darum das Richtige zu tun. Bei einem großen Schiff hat man hat viel mehr Leute, die man einsetzen kann. Mit der „Shackleton“ hatten wir zudem ein Begleitschiff, dass uns mehr Möglichkeiten eröffnete als sie kleinen Expeditionsschiffen in der Regel zu Verfügung stehen – zum Beispiel Helikopter. Die Vorbereitung ist wichtig – und die richtige Ausrüstung und qualifizierte Guides.

Ist das alles immer gewährleistet?
Wir hatten in dieser Region schon kleinere Schiffe mit 200 Personen, die auf Grund gelaufen sind. Auch auf diesem Trip hatten wir ziemlich viel Eis in der Victoria Strait und der Belot Strait. Die „Bremen“, die hinter uns war, ist viel kleiner und der kanadische Eisbrecher musste zweimal zurück, um ihr zu helfen... Ich denke, dass die Chancen, den Norden kennenzulernen, auf einem großen Schiff sogar besser sind.

Man kann auf einer solchen Tour jede Menge Gruppen bilden, um auch ganz individuelle und spezielle Dinge zu erleben. Auf kleineren Schiffen machen in der Regel alle das gleiche. Zudem ist das Reisen auf einem Luxus-Schiff natürlich angenehmer. Gefahren gehen eher davon aus, dass es bei steigenden Touristenzahlen Veranstalter geben könnte, die ihre Verantwortung nicht ernst genug nehmen und Dinge zu lax angehen. 

Wie wird der Arktis-Tourismus in der Zukunft aussehen?
Der Tourismus in dieser Region wird zunehmen – auch die Zahl der Kreuzfahrten. 15 Schiffe waren dieses Jahr bereits in Pont Inlet auf Baffin Island gegenüber von Grönland, so viel wie nie zuvor.

Aber Kreuzfahrt-Tourismus in der kanadischen Arktis und im Bereich der Nordwest-Passage ist nur zwei Monate im Jahr möglich – nämlich im August und im September. In der übrigen Zeit gibt es dort einfach zu viel Eis.

Dann sind trotzdem noch jede Menge Special-Interest-Touren möglich. Expeditionen mit Kleinflugzeugen und Schneemobilen, bei denen man Eisbärbabys beobachten kann oder Eisbären, die darauf warten, dass das Eis bricht und sie mit den Schollen auf Reise gehen können. Trips zu Walrosskolonien oder zur Walbeobachtung.  Der Arktis-Tourismus ist vielfältig, Kreuzfahrten sind nur ein kleiner, aber wachsender Teil davon.

Wer hat mehr Vorteile vom wachsenden Besucherstrom, die in der Arktis lebenden Menschen oder die Tourimusbranche?
Für diese Reise haben wir ein Team von 50 Leuten zusammengestellt, etliche davon sind Inuit und stammen von hier. Eine Anzahl junger Inuit haben wir als Bootsführer für die Zodiacs ausgebildet. Sie haben jetzt ein Zertifikat, dass sie als Bootsführer ausweist. Außerdem kaufen Touristen Souvenirs und ermöglichen der einheimischen Bevölkerung so ein zusätzliches Einkommen. Im Idealfall profitieren also alle ein wenig davon.

Die Route der Crystal Serenity führt über die Nordwestpassage.
Die Route der Crystal Serenity führt über die Nordwestpassage. Foto: Vista Travel

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