Wikingerurlaub auf Fanø in Dänemark | reisereporter.de

Fanø: Zu Besuch, wo Wikinger Urlaub machen

Zu Besuch bei Nordmännern, Robben und Austernfischern: Die Insel Fanø ist ein prima Ausgangsort für Exkursionen in Südwestdänemark.

Idyllische Dörfer an der Küste von Dänemark.
An der Küste von Fanø ducken sich Idyllische Dörfer hinter den Dünen.

Foto: Stefan Stosch

Seehunde auf der Sandbank

Werden wir auch wirklich Seehunde zu Gesicht bekommen? Unser Guide Jasper grinst nur. Er weiß genau, auf welcher Sandbank seine Schützlinge ruhen und Speck für den Winter ansetzen. Mit Kind und Kegel und Bollerwagen zieht unser Trupp hinaus ins Watt zu Kegelrobben und Seehunden. Eine der größten Populationen im Wattenmeer ist vor dem idyllischen Reetdach-Dörfchen Sønderho im Süden Fanøs zu Hause.

Wattwanderung auf Fanø.
Nach zwei Kilometern Wattwanderung werden die Seehundbänke erreicht. Foto: Stefan Stosch

Nach knapp zwei Kilometern barfuß im Schlick erreichen wir eine tiefe, auch bei Ebbe unüberwindbare Rinne. Neugierige Knopfaugen, nur wenige Meter entfernt, blicken uns aus dem Wasser an. Wer beobachtet hier eigentlich wen?

Auf der anderen Seite fläzen sich Hunderte Tiere im Sand – helle, dunkle, bunt gescheckte Körper. „An den Besuch von Menschen sind sie durch unsere Seehund-Safaris gewöhnt“, sagt Jasper und grüßt armwedelnd hinüber. Die schnelle Strömung der Wasserrinne garantiert reichlich Beute für die  Fischfresser. Feinde haben sie hier nicht, solange die Menschen zu ihren Freunden zählen.

Seehunde auf einer Sandbank im Süden von Fanø.
Eine der größten Seehund-Populationen im Wattenmeer ist vor dem Dörfchen Sønderho im Süden Fanøs zuhause. Foto: Stefan Stosch

Leichtbier für Wikinger

Mit Hingabe poliert Thorben sein blitzendes Schwert. Der 14-Jährige ist Wikinger auf Zeit und trägt original Leinenkleidung bis auf die Unterwäsche. Nur die Zahnklammer stammt aus dem 21. Jahrhundert – und auch das Nutellabrot, das Vater Erik unauffällig wegräumt.

Mit Erik, eigentlich Krankenpfleger, Mutter Jana und dem achtjährigen Bruder Lars unternimmt Thorben im Wikingerdorf bei Ribe, dem Ribe VikingeCenter, eine Zeitreise ins 10. Jahrhundert. Für die Familie ist dies ein ganz gewöhnlicher Sommerurlaub im selbst genähten Wikingerzelt, für die Tagesbesucher sind Thorben und Co. gewissermaßen lebende Ausstellungsstücke.

Thorben poliert sein Schwert im Ribe VikingeCenter.
Thorben ist 14 Jahre alt und Wikinger auf Zeit im Ribe VikingeCenter. Foto: Stefan Stosch

Gern erklären sie die Feinheiten des Bogenschießens, Schnitzens und Nähens. 700 Freiwillige aus halb Europa verbringen hier ihre Ferien. Auf dem Feuer köchelt heute ein leckeres Rindergulasch nach Wikingerart. „Touristen dürfen wir aber leider nicht füttern“, sagt eine Wikingerköchin und gibt noch ein wenig Leichtbier in den Topf.

Bewohner des Ribe VikingeCenter beim Kochen überm Lagerfeuer.
In dem Wikingerdorf wird über offenem Feuer gekocht. Foto: Stefan Stosch

Wattschnecke unterm Mikroskop

Das längliche Gebäude wirkt wie eine sanft aus dem Boden gewachsene Düne. Dach und auch Wände sind mit Reet bedeckt: Das neu gestaltete Wattenmeer-Zentrum in Vester Vedsted bei Ribe ist das Eingangstor zu Dänemarks größtem Nationalpark.

Und weil das Wattenmeer laut Unesco in einer Liga mit Great Barrier Reef und Serengeti spielt, hat man sich hier viel Mühe gegeben, den sensiblen Lebensraum Besuchern nahezubringen. Schon mal einen Schwarm Austernfischer haut- beziehungsweise federnah am Strand beobachtet? Mit der Hand in einem flachen Meeresaquarium nach Scholle oder Seestern getastet? Oder unter einem Mikroskop die Gemeine Wattschnecke inspiziert?

Ein Junge beim Fühlbecken im Wattenmeer-Zentrum in Vester Vedsted bei Ribe.
Im Wattenmeer-Zentrum in Vester Vedsted bei Ribe können Besucher nach Meeresbewohnern tasten. Foto: Stefan Stosch

In der multimedial aufbereiteten Ausstellung ist das alles möglich. Im Mittelpunkt stehen unsere gefiederten Freunde: Im Frühjahr und im Herbst landen Millionen (Zug-)Vögel im Watt und sammeln Kraft. Da erfährt man dann auch, dass eine Eiderente am Tag 2,5 Kilogramm Meeresgetier verputzt. Ihre Lieblingsspeise: Schwertmuscheln.

Flanieren in der Domstadt Ribe

Kaufleute, Könige, Bischöfe und sogar (vermeintliche) Hexen: Ribe ist gespickt mit spannenden Geschichten aus vielen Jahrhunderten. Kunststück, gilt der malerische Ort nahe der Küste doch als die älteste Stadt Dänemarks, vermutlich sogar ganz Skandinaviens. Auf den Beginn des 8. Jahrhunderts wird die Gründung datiert. 

Lange war Ribe der wichtigste Handelsplatz in Südwestdänemark, wovon bis heute der mächtige Dom zeugt, eine der größten Kirchen in ganz Dänemark. Dann versandete der Zugang zur Nordsee, und für Ribe begannen ruhigere, allerdings auch weniger goldene Zeiten. Großbrand und Seuchen suchten die Stadt heim. 

Die meisten Häuser in der Altstadt stammen heute aus dem 17. Jahrhundert und stehen unter Denkmalschutz. In schmalen Gässchen flaniert man übers Kopfsteinpflaster und bewundert die Rosensträucher links und rechts, die an den Wänden ranken. Besonders beliebt ist die Stadt bei heiratswilligen Paaren – auch aus Deutschland

Schmale Gasse mit Kopfsteinpflaster und Rosensträuchern in Ribe.
Typisch für Ribe: Schmale Gassen mit Kopfsteinpflaster und Rosensträuchern. Foto: Stefan Stosch

Austernsammeln für alle

Gummistiefel, Eimer und gute Augen: Mehr braucht es nicht für eine zünftige Austernsafari. Die Jagd auf die maritime Köstlichkeit ist auf der dänischen Insel Fanø ein Urlaubsvergnügen auch für weniger gut betuchte Gäste. Nebenbei erfüllt man einen ökologisch guten Zweck. 

Denn eigentlich hat die Auster im Wattenmeer nichts zu suchen, die Miesmuschel ist hier die angestammte Bewohnerin und Hauptbeute der Vögel. Vermutlich sind Austernlarven vor ein paar Jahrzehnten im Ballastwasser von Schiffen in die Nordsee gelangt, vielleicht auch bei Zuchtversuchen ausgebüchst. 

Weil Austern aber eine viel festere Schale haben, kann kaum ein Schnabel sie knacken. Nun ziehen menschliche Sammler los, allerdings nur in den Wintermonaten: Das Wasser darf nicht wärmer als 14 Grad Celsius sein, sonst könnten die Austern zu viele Giftstoffe aufgenommen haben. 

Wer die Safari mit fachkundiger Begleitung unternimmt, bekommt hinterher am Strand ein möglicherweise gewöhnungsbedürftiges Gericht serviert: Austern, gegrillt mit Parmesankäse.

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