Was ist das, was da zwischen Meer, Salz und Fisch noch in der Nase kribbelt? Ist das wirklich der Duft von frisch aufgebrühtem Kaffee? Oder spielen da die Augen der Nase einen Streich?

In Seattle ist das gut möglich. Denn in Seattle ist der nächste Coffee-Shop nie mehr als 100 Meter weit, und außerdem hat man als informierter Besucher natürlich auch die Geschichte vom berühmtesten Café der Stadt im Kopf – dem alten „Starbucks“, das einmal die „Schlürf- und Chill-Kultur“ der ganzen westlichen Welt verändern sollte.

Alles begann mit „Schlaflos in Seattle“

Doch davon gleich mehr. Dann, wenn wir am Pike Place Market, im alten Hafen sind. Zuvor müssen wir noch andere Eindrücke verarbeiten, die uns schon beim Landeanflug überwältigt haben: Fast ringsum eingeschlossen von tiefblauem Wasser, dichten Wäldern und schneebedeckten Bergen scheint die Metropole am Pazifik, im Nordwesten der USA, tatsächlich wie großer grüner Smaragd im Sonnenlicht zu funkeln, ganz so, wie es der Beiname sagt, den sie trägt: „Emerald City“.  

Und auch wenn du zum ersten Mal hier bist, könnte es sein, dass dir Seattle irgendwie bekannt vorkommt. Vorausgesetzt, du gehst öfter mal ins Kino und schaust fern: Denn die quirlige Stadt im US-Bundesstaat Washington hat sich in den letzten Jahren auch immer mehr zur Film- und Fernsehmetropole gemausert. Die (auch in Deutschland überaus erfolgreiche) TV-Serie „Grey’s Anatomy“ spielt im (fiktiven) Seattle Grace Hospital, Kinohits wie „Die fabelhaften Baker Boys“ oder „Enthüllung“ wurden hier gedreht – und alles begann natürlich mit dem Welterfolg von Tom Hanks und Meg Ryan in „Schlaflos in Seattle“. 

Filmruhm zieht auch Touristen an, auch wenn die Stadt noch einen zweiten Beinamen hat: „Rain City“ – obwohl es hier längst nicht so oft regnet wie in anderen amerikanischen Städten. Und ob mit oder ohne Regenschirm: Was die Besucher, die in wachsender Zahl nach Seattle kommen, zunehmend fasziniert, ist die Balance, die diese Stadt hält, zwischen hektischer Moderne und gemächlicher Provinzialität, zwischen Business und Umweltschutz.

Kein Wunder, dass sie immer wieder mit dem Titel „Lebenswerteste Stadt in den Vereinigten Staaten“ ausgezeichnet wird und – folgerichtig – so bekannte Weltfirmen wie Microsoft, Amazon und Boeing angezogen hat.

Starbucks startete in Seattle

Womit wir wieder bei „Starbucks“ wären, der Coffee-Shop-Kette, die von hier aus ihren Siegeszug um die Welt antrat. Begonnen hat alles 1971. Mit einem Kaffee-, Tee- und Gewürzgeschäft, das drei Studienfreunde aus San Francisco übernahmen. Sie nannten den Laden „Starbuck’s Coffee, Tea and Spice“. „Starbucks“ nach dem Namen des Steuermanns Starbuck, dem Gegenspieler des Walfängers und verbitterten Kapitäns Ahab in dem weltberühmten Roman „Moby Dick“ von Hermann Melville. 

Toko Starbucks pertama yang selalu penuh

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Das alte „Starbucks“ gibt es noch. Es liegt direkt gegenüber dem „Pike Place Market“, dem Herz der Stadt, und mit jährlich neun Millionen Besuchern eine der Hauptattraktionen von Seattle. Neben dem traditionellen Fischmarkt haben sich hier, in einem Labyrinth über mehrere Etagen, mehr als 300 feste Stände und Geschäfte angesiedelt. Von der kleinen Künstlerbude bis zur Boutique mit ausgefallenem Schmuck und Klamotten. Derzeit wird der Markt zum Wasser hin ausgebaut; die Neueröffnung der Erweiterung ist für Juli 2017 geplant.

In Seattle ist „Slow Food“ angesagt

Doch Vorsicht! Lass dich von der fast schon orientalischen Basar-Atmosphäre nicht allzu sehr überwältigen. Die Preise hier sind manchmal so gesalzen wie der Fisch in den Auslagen. Spar dir das Geld lieber für ein Essen in einem der vielen feinen und guten Restaurants, die du in dieser Stadt findest. Ja, auch hier unterscheidet sich Seattle von vielen anderen amerikanischen Städten.

Hier ist „Slow Food“ angesagt und „Cooking from the Source“, also frische Produkte direkt auf den Tisch. Und probier neben der „Haute Cuisine“ oder einer exzellenten asiatischen Küche unbedingt auch die „Hausmannskost“ des Nordwestens. Sie ist sehr einfallsreich, manchmal gewagt in der Kombination, aber auch über die Region hinaus bekannt durch schonende Zubereitungsweisen. Hopfen, Wildfrüchte, Nüsse, Pilze, Käse von der Küste, ganz frischer Fisch und Meeresfrüchte aus dem Pazifik oder Bisonfleisch, Wild, Mais und Kartoffeln gehören zu den frischen Zutaten.