Wir sitzen im Bus auf dem Weg zu unserer letzten Station zu viert und werden nach voraussichtlich 15 Stunden Fahrt Hoi An in Vietnam erreichen. Dies setzt voraus, dass der Bus, mit dem wir fahren, den Weg übersteht, unser Busfahrer uns an der richtigen Stelle rauslässt und wir bis dahin weder in einen Unfall, Überfall oder sonstiges Problem geraten.
 
Ganz ehrlich: Nachdem wir gestern sowohl Unfall als auch Überfall knapp entkommen sind, ist unser Gefühl von Sicherheit ein wenig getrübt...
 
Busfahrt entlang an Berghängen von Da Lat nach Hoi An, Vietnam.
In 15 Stunden abenteuerlicher Fahrt bringt der Bus Lena und Oleg von Da Lat nach Hoi An. Foto: Pres

Obwohl Kambodscha um einiges ärmer und unvorhersehbarer schien, brachte uns letztlich Vietnam wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Es fiel uns die letzten Wochen leicht Vertrauen in unsere Mitmenschen und Umgebung zu gewinnen – doch nach einer nächtlichen Busfahrt von Kambodscha nach Vietnam begrüßt uns die Hauptstadt Ho Chi Minh City mit einem Hilflosigkeit-witternden Taxifahrer.

Dieser schaffte es tatsächlich, uns 40 Euro für eine Taxifahrt zu unserem Hostel abzunehmen – obwohl es gerade einmal zwei Straßen vom Startpunkt der luxuriösen Taxifahrt im Mafia-Stil entfernt war. Was war passiert? Naivität und Dummheit als Resultat von Müdigkeit, genau... das ist passiert.

Aufregende Tage liegen hinter uns und auch der heutige wird, sobald wir Hoi An heile und munter erreicht haben, später noch in unseren Erzählungen über Vietnam einen Platz finden. Denn was ihr verpasst habt – zwischen der ersten Zeile und dieser Zeile haben wir drei Stunden lang in einem Zwischenstopp auf unseren Bus gewartet, der sich dann als ein Transporter entpuppte. Ein Transporter, in dem kleine blaue Tritthocker gestellt wurden um ausreichend Sitzplätze für alle Mitfahrenden zu bieten. Als ich gedanklich schon anfing mir

a) einen Fluchtplan zu überlegen,
b) vorzustellen wie ich ohne Sicherheitsgurt im Falle des Unfalls über die Köpfe aller fliegen würde,
c) eine grottige (und damit realistische) Tripadvisor-Bewertung für dieses Busunternehmen auszudenken,

fuhr unser Transporter glücklicherweise um die Ecke und der entsprechende Nachtbus, mit dem wir bis Hoi An reisen, erschien im Scheinwerferlicht.

Verkehr in Ho Chi Minh City (Saigon), Vietnam.
Der Verkehr in Ho Chi Minh City, besser gekannt unter dem alten Namen Saigon, ist unberechenbar. Foto: Pres

Unsere zweite Station in Vietnam war Da Lat. Eine Stadt, die uns auf den ersten Blick gut gefiel und mit seiner Familien- und Rentner-Idylle wirkt wie am vietnamesischen Steinhuder Meer. Allgemein bekannt ist der Ort für die Möglichkeit, in den bergigen Landschaften Wasserfälle, Kaffeeplantagen und Co. zu besichtigen, sowie für den möglichen Startpunkt einer „EasyRider“-Tour (aka Motorradtrip). 

Wasserfall Pongour bei Da Lat, Vietnam
Rauschender Fotomoment während der Motorradtour: Der Wasserfall Pongour bei Da Lat. Foto: Pres

Überhaupt lädt der Straßenverkehr in Südostasien zum Staunen, Kopfschütteln und Angst bekommen ein: Während in Kambodscha noch die Tuktuks die Straßen befüllten, wurden diese in Vietnam bereits vollständig durch Roller ersetzt. Regeln gibt es keine – vielleicht Anarchie für die Hupe? Fest steht auf jeden Fall: Die Hupe wird zu einem Geräusch, das man lernen muss zu überhören, um sich nicht alle zwei Sekunden nach dem Verursacher umzudrehen.

Uns packte die Lust – mit einer gesunden Portion Neugierde, Nervenkitzen und Mut bepackt mieteten wir uns Roller und erkundeten die Umgebung Da Lats auf eigene Faust. Doch spätestens nach einem Frontalcrash zweier Roller direkt hinter uns waren wir schlagartig wieder aus dem Touri-Träumeland erwacht.

Nach einem Frontalcrash zweier Roller direkt hinter uns waren wir schlagartig wieder aus dem Touri-Träumeland erwacht....“

 

 

Im Nachtbus fahren Lena und Oleg nach Hoi An, Vietnam.
Auf Kuschelkurs mit Kakerlaken: Im Nachtbus fahren Lena und Oleg nach Hoi An. Foto: Pres

Vor fünf Minuten hatte ich eine kurze Begegnung mit einer Kakerlake auf Augenhöhe und deshalb fällt es mir schwer mich an dieser Stelle von euch zu verabschieden und mich auf ein weiteres, vermutlich höchst erholsames, Nachtbusschlaferlebnis einzulassen...

Aber hey, gibt es nicht eine ganze Branche für Hotels, die außergewöhnliche Schlaferlebnisse für Geld an Schlaf-Abenteuer-Freunde verkaufen? Diesem Bus fehlt eindeutig das richtige Marketing: Ein äußerst aggressiver Ticket-Kontrolleur ohne Hände und die Busrennen auf der Autobahn könnten starke Verkaufs-Argumente werden. Alles eine Frage der Sichtweise.

Aber gut, dann hoffentlich bis ganz bald aus Hoi An!

Eure Lena (& Oleg)