Die beiden Diomedes-Inseln liegen ziemlich genau in der Mitte der nur 82 Kilometer breiten Beringstraße, die Asien von Amerika trennt. Die größere gehört zu Russland, die kleinere zu den USA. Zwischen den beiden verläuft die Datumsgrenze. Ich bin extra früh aufgestanden, um diese Durchfahrt hautnah mitzuerleben. Doch zu sehen war rein gar nichts. Dicker Nebel hat alles um uns herum verschluckt.

Benannt ist diese Meerenge nach dem Dänen Vitus Bering, der 1725 im Auftrag des Zaren eine Landbrücke nach Amerika suchen sollte. Natürlich konnte er eine solche nicht finden, aber auf seiner fünfjährigen Expeditionsreise entdeckte er Alaska und legte damit den Grundstein für die mehr als 100 Jahre dauernde Episode von Russisch-Amerika.

Vor uns liegt jetzt der Arktische Ozean, der kleinste der vier Weltmeere. Wir durchfahren seine Randmeere Tschuktschensee (benannt nach einem sibirischen Volksstamm) und Beaufortsee (benannt nach einem irisch-britischen Seefahrer hugenottischer Abstammung, der die noch heute gültige Windstärken-Skala eingeführt hat) und es wird noch fünf Tage dauern, bis wir Ulukhaktok erreichen, eine Inuit-Siedlung auf Victoria Island. Und erst dann beginnt das Abenteuer Nordwestpassage so richtig.

Eine kleine arktische Sommer-Universität für Kreuzfahrer 

Um den Reisenden das nötige Wissen über die Besonderheiten der arktischen Region zu vermitteln, hat Crystal eine Vielzahl hochkarätiger Fachleute und Lektoren mit an Bord – darunter jede Menge Wissenschaftler (von Archäologen über Politologen bis zu Soziologen), die sich mit Themen und Perspektiven dieser Region befassen. Aber auch Angehörige der indigenen Bevölkerung sind auf dem Schiff, um über ihre Erfahrungen und ihre Sicht der Dinge zu berichten.

Es gibt täglich bis zu vier Vorträge. Die Veranstaltungen sind stets gut besucht und können auch im Bordfernsehen verfolgt werden. Crystal hat hier so etwas wie eine kleine arktische Sommer-Universität für Kreuzfahrer ins Leben gerufen. Das Interesse ist rieisg, wie die anschließenden Fragen und Diskussionen deutlich machen. Es gibt Referate über die wirtschaftliche und geopolitische Bedeutung der Arktis – zum Beispiel von Professor Rob Huerbert, der auch komplizierte Zusammenhänge interessant verpacken kann.

Rob Huerbert, Politikprofessor der Uni Calgary, hält Vorträge an Bord der Crystal Serenity.
Rob Huerbert, Politikprofessor der Uni Calgary, hält Vorträge an Bord der Crystal Serenity. Foto: Claus Lingenauber

Es gibt Berichte über seine Bewohner und ihre Probleme, über internationale Begehrlichkeiten, die Schwierigkeiten zu grenzübergreifenden politischn Übereinkünften zu gelangen, über die Bedrohung der Menschen und der Tierwelt durch den Klimawandel, über militärische Aspekte – und es gibt spannende Berichte über die unzähligen Versuche besonders der Engländer, eine Passage durch die kanadische Arktis nach Westen zu finden.

Einen großen Anteil an der Vermittlung von Kenntnissen über diese faszinierende Welt des Eises kommt von Graham Dixon und seinen Mitarbeitern. Der Kanadier ist Chef von Arctic Kingdom und ein Pionier von Polarreisen. Mehr als 50 Expeditionen hat er begleitet oder organisiert. Zudem hat er als Berater an den Arktis-Aufnahmen für den Film „Ozeane“ von Disney Nature mitgewirkt.

Seine Leute sind maßgeblich mit an den Zodiac-Ausflügen zu den verschiedenen Inuit-Siedlungen beteiligt. Ein Vortrag   befasste sich denn auch in erster Linie damit, wie man sich in solch einer den meisten von uns doch eher fremden Kultur bewegen soll. Ein kleiner Knigge für Kreuzfahrer sozusagen. Auch das ist keine Selbstverständlichkeit. Die Serenity, die diese Tour zum zweiten Mal macht, ist das erste Luxus-Kreuzfahrtschiff, das diese Region befährt. Und Crystal nimmt seine Verantwortung als Pionier sehr ernst. Hier ist das Motto „Reisen bildet“ keine bloße Floskel.  

Die Route der Crystal Serenity

Die Route der Crystal Serenity führt über die Nordwestpassage.
Die Route der Crystal Serenity führt über die Nordwestpassage. Foto: Vista Travel