Der große Goldrausch ist auch in Nome schon lange vorbei, aber noch immer lockt das kleine Städtchen im äußersten Westen Alaskas Menschen an, die im Schlamm der Beringsee nach dem kostbaren Metall suchen.

Auf so genannten Dredges, das sind zumeist selbst konstruierte abenteuerlich anmutende schwimmende Riesenstaubsauger, mit denen bis zu einer Tiefe von 30 Fuß (etwa zehn Meter) ein jeder, der das entsprechende Gerät hat, den Meeresboden absaugen darf. Ein Knochenjob für den „Rüsselführer“, der den Schlauch, in einem Taucheranzug steckend, über den Meeresboden zieht. Damit er in dem eiskalten Wasser nicht erfriert, wird heißes Wasser in die Anzüge gepumpt.

Das auf die Bootsplattform gespülte Sediment wird auf speziellen Förderbändern nach Dichte getrennt. An guten Tagen sollen schon mal 1.000 Dollar drin sein. Als wir mit dem Tenderboot in den kleinen Hafen von Nome einlaufen, sehen wir etliche dieser Ungetüme am Kai liegen.

Mit dem Schulbus, andere Busse gibt es hier nicht, geht’s in den Ort. Unsere Reiseführerin entpuppt sich als waschechte Hamburgerin. Susanne Thomas hat es der Liebe wegen – vor über 30 Jahren in die USA verschlagen. Als die studierte Pädagogin nach langer Zeit wieder in ihrem Job arbeiten wollte, verschickte sie Bewerbungen an die Schulbehörden vieler Bundesstaaten. „Das einzige Angebot, das ich erhielt, kam aus Nome“ sagt sie lächelnd. Also brachen sie und ihr Mann, ein Fotograf, in diesen entlegenen Winkel auf.

Susanne Thomas hat es – der Liebe wegen – vor mehr als 30 Jahren in die USA verschlagen.
Susanne Thomas hat es – der Liebe wegen – vor mehr als 30 Jahren in die USA verschlagen. Foto: Claus Lingenauber

Acht Jahre ist sie jetzt schon hier. Doch sie wird nicht mehr lange bleiben. Ihr Mann hat in Montana inzwischen Land erworben und baut dort eine Apfelplantage auf. Nächstes Jahr folgt sie ihm. Sie hat inzwischen einen Lehrgang als Bienenzüchterin absolviert und eine Lizenz als Imkerin erworben. Und wer Äpfel anbaut, kann Bienen für die Bestäubung ja gut gebrauchen.

Susanne ist nicht die einzige Deutsche in Nome. Nils Hahn und Diana Haecker sind vor knapp 20 Jahren hierhergezogen. Ihre Tochter Lizzie wurde 2002 hier geboren Ihre Leidenschaft für Alaska Huskies hatte das Paar bewogen, die schwäbische Heimat zu verlassen. Sie sind Mitglieder im Nome Kennel Club und inzwischen typische „Musher“, wie man in Alaska Schlittenhundeführer nennt. Nils hat schon mehrfach am legendären Hundeschlittenrennen über den „Iditarod trail“ – etwa  1800 Kilometer von Anchorage nach Nome – teilgenommen.

Nils hat schon mehrfach am legendären Hundeschlittenrennen teilgenommen.
Nils hat schon mehrfach am legendären Hundeschlittenrennen teilgenommen. Foto: Claus Lingenauber

Das Rennen erinnert an einen dramatischen Wettlauf im Winter 1925. Damals ging es um Leben und Tod. In Nome war eine Diphterie-Epidemie ausgebrochen, das Serum musste so schnell wie möglich aus Anchorage herangeschafft werden.  In einem Staffellauf transportierten insgesamt zwanzig Musher mit mehr als einhundert Hunden das Serum in nur fünfeinhalb Tagen bis an das Beringmeer. Die normale Fahrzeit betrug damals drei Wochen. Heute schaffen die schnellsten Musher die Strecke mit ihren hochgezüchteten Hunden und Hightech-Schlitten in gut acht Tagen. Das Spektakel wird im Fernsehen übertragen und in Nome herrscht Volksfeststimmung. 

Die Hauptstraße von Nome.
Die Hauptstraße von Nome. Foto: Claus Lingenauber

Nomes Sehenswürdigkeiten sind überschaubar, Die Saloons an der Front Street erinnern ein wenig an die goldenen Zeiten um das Jahr 1900, als sich hier 10.000 Menschen tummelten und auf das große Glück hofften. Heute hat Nome gerade noch 3600 Einwohner. Es gibt eine Townhall, eine Kirche, die jetzt Convention Center ist, ein Amundsen-Denkmal, eine High School, ein Krankenhaus, das aber keine Abteilung mehr hat, weil es nicht gelingt, Anästhesisten nach Nome zu locken.

Die Route der Crystal Serenity

Die Route der Crystal Serenity führt über die Nordwestpassage.
Die Route der Crystal Serenity führt über die Nordwestpassage. Foto: Vista Travel