Der erste Freudentaumel stellt sich schon ein, bevor die Reise überhaupt losgeht: Mit drei Freundinnen sitze ich in unserer Erasmus-Studentenbude in einer kleinen schwedischen Industriestadt mitten im Nirgendwo. Ein Nirgendwo, von wo wir so oft es geht ins wesentlich spannendere Stockholm fahren. Und bald für einen Kurztrip nach Helsinki. Denn: Wir haben soeben eine Fähre gebucht. Für fantastische 25 Euro pro Nase fahren wir eine Nacht hin, bleiben etwa sieben Stunden in der finnischen Hauptstadt, und fahren über Nacht wieder zurück. 
 
„So günstig kommen wir nie wieder nach Finnland“, denken wir. Zumindest, bis wir mit unseren Kommilitonen sprechen, die mit derselben Fähre fahren – denn die haben jeweils nur neun Euro gezahlt...

Stockholm: Das Mini-Abenteuer beginnt

Macht nichts, die spontane Studienauszeit ist uns jeden Euro wert. An einem sonnigen Freitag fahren wir also nach Stockholm, nutzen den Tag für Fika und Shopping in der Hauptstadt, bevor wir zum Fähranleger flanieren und an Bord gehen.
Frizzi Hagen, Mette Lykke Hansen, Cindy Weigel und reisereportertin Leonie Greife kurz vor der Abreise in Stockholm.
Frizzi Hagen, Mette Lykke Hansen, Cindy Weigel und reisereportertin Leonie Greife (v.l.n.r.) kurz vor der Abreise in Stockholm. Foto: Leonie Greife

Eine Unterkunft brauchen wir nicht, weder in Stockholm, noch in Helsinki. Wir schlafen ja auf dem Boot. Der Kurztrip ist also zum Beispiel auch eine kostengünstige Möglichkeit, die Städtereise nach Stockholm um einen Abstecher nach Finnland zu erweitern. 

Auf dem Schiff sind wir dann aber doch ein wenig überrascht. Nämlich davon, wie tief wir in den Bauch des Bootes fahren müssen, um zu unseren Kabinen zu gelangen. Die sind ganz unten, sogar noch unter dem LKW-Deck. Natürlich ohne Fenster, dafür mit einer Nasszelle, in der wir beim Duschen quasi mit einem Bein in der Kloschüssel stehen. Aber gut... Macht nichts, ein Luxustrip sollte das hier ja ohnehin nicht werden.  

Gäste auf einer Fähre im Stockholmer Schärengarten.
Bei strahlender Sonne läuft die Fähre nach Helsinki in Stockholm aus. Foto: Viking Line

(Fast) im Schlaf von Stockholm nach Helsinki

Das größere Problem: Die Vierer-Boxen sind zu klein, um mit einer fast 15-köpfigen Studentengruppe das im Duty-Free ershoppte Bier auf den Zimmern zu trinken. Kurzerhand ziehen wir deshalb auf den Boden des schmalen Flurs um. In einer langen Reihe sitzen wir uns gegenüber, trinken, lachen. Ein Sprach-Wirrwarr, in dem sich meistens Englisch als gemeinsamer Nenner durchsetzt.
 
Gegen Mitternacht öffnet sich die Tür der Nachbarkabine. Ein Kopf guckt raus. Als wir schon mit Ärger über nächtliche Ruhestörung rechnen, kommt der Nachbar komplett aus der Tür heraus. In seinen Händen: Eine Flasche Jägermeister und eine Packung Chips. Er setzt sich kurz zu uns, redet, scherzt, geht dann wieder rein. Seine Mitbringsel sind geschenkt. Gibt es einen besseren Auftakt für diese Reise?
reisereporterin Leonie und ihre Kommilitonen auf der Fähre von Stockholm nach Helsinki
Flur-Party: Weil die Zimmer zu klein sind, zieht die Reisegruppe kurzerhand auf den Gang um. Foto: Leonie Greife

Und wie sollte es anders sein: Irgendwann bekommen wir Lust zu tanzen. Wie gut, dass es auf der Fähre eine kleine Disco gibt, in der gerade eine Live-Band spielt. Eine von uns liegt eigentlich schon auf ihrer Pritsche, wir überreden sie trotzdem mitzukommen. Weil der Weg zur Party so kurz und außerdem nicht draußen ist, kommt sie einfach mit, wie sie ist: Im Schlafanzug und auf Socken. Die Decke der Disco ist wie überall auf dem Schiff so tief, dass wir Angst haben, beim Tanzen und Hüpfen den Kopf zu stoßen. Unsere Pyjamatänzerin hat eher Sorge, dass etwas anderes zu sehr hüpft.

So weich der Teppichboden überall ist, so hart sind die Geländer, die den Tanz- vom Sitzbereich trennen, und gegen die wir immer wieder stolpern – wegen des Seegangs, reden wir uns ein, nicht vom Jägermeister. Viel zu spät fallen wir in unsere Kojen. 

Einmal durch Helsinki und wieder zurück

Am nächsten Morgen stehen wir trotzdem früh auf. Wir wollen sehen, wie die Fähre durch die finnischen Schären fährt und Helsinki erreicht. Die Sonne schiebt sich langsam den Himmel herauf, wir lehnen mit dem Rücken an der Bootswand und lassen uns vom kalten Fahrtwind den Kopf wachpusten. Auf Frühstück an Bord verzichten wir trotzdem. 
Gruppenfoto vor dem Dom
Bitte lächeln: Gruppenfoto vor dem Dom Foto: Leonie Greife

Wie in Stockholm liegt auch der Fähranleger in Helsinki sehr zentral. So haben wir trotz des kurzen Aufenthalts genug Zeit für Sightseeing. Erstmal brauchen aber alle eine kurze Pause. Mehr Schlaf wäre klüger, aber weniger lustig gewesen.

Sightseeing nach der Partynacht in Helsinki.
But first, coffee: Sightseeing nach der Partynacht in Helsinki. Foto: Leonie Greife

Auch die Nacht der Rückfahrt wird kurz. Gegen Kater hilft ja bekanntlich am besten ein Konterbier – und genau darauf setzen wir. Das hilft auch bei der Mission des Abends: Mit Abba-Hits die Karaoke-Bühne rocken. Tatsächlich ist das Programm fast schon um, als wir in die Bar und zur Bühne stürmen und „Mamma Mia“ zum Besten geben. Unsere Performance ist nicht schön, aber begeistert, und entlockt den wenigen Zuschauern dann doch ein kleines Klatschkonzert. 

Am nächsten Morgen scheucht uns die Schiffsdurchsage aus den Federn: Wir sind wieder in Stockholm. Den Sonntag verbummeln wir am Kungsträdgården, bevor wir auch Stockholm wieder verlassen.
 
Souvenirs aus Helsinki haben wir keine mitgebracht. Aber dafür Erinnerungen, die wir uns noch in ein paar Jahren erzählen werden. Und das ist eigentlich viel besser.

Tipps für sieben Stunden Helsinki 

Kostenlose Stadtführung: Sie startet vor dem strahlend weißen Dom und führt dann in einem Halbkreis durch die Innenstadt, unter anderem mit Halt in der orthodoxen Uspenski-Kathedrale. Gut, um in kurzer Zeit so viel wie möglich über die Stadt zu erfahren.
Guide mit Geweihmütze bei einer kostenlosen Stadtführung durch Helsinki.
Stadtführung mit Geweih: Die kostenlosen Touren sind perfekt, um in kurzer Zeit viel von Helsinki zu sehen. Foto: Leonie Greife

Vanha kauppahalli: Erste Anlaufstelle für ein Frühstück ist die Markthalle direkt am Hafen. Ist ziemlich teuer, aber das ist in Helsinki normal. Dafür können wir viel probieren. 

Festungsinsel Suomenlinna: Eine (sehr viel kleinere) Fähre fährt regelmäßig in wenigen Minuten durch das Hafenbecken zur Festungsinsel. UNESCO erklärt sie zum Weltkulturerbe, wir verbummeln ein paar Stunden beim Spaziergang in schönstem Sonnenschein.
Blick auf die Festungsinsel Suomenlinna in Helsinki
Die Festungsinsel Suomenlinna ist ein perfektes Ausflugsziel. Foto: pixabay.com/marjattacajan