Abenteuer: Auf Pirsch im Busch | reisereporter.de

Was für ein Abenteuer: Auf Pirsch im Busch

Safari und Strandurlaub: Im privaten Luxusreservat Thanda in Südafrika kommst du Tieren beim Rhino-Tracking ganz nahe, bevor du im Nachbarland Mosambik am Indischen Ozean entspannst.

Zwei Elefanten rangeln am Wasserloch.
Zwei Elefanten rangeln am Wasserloch.

Foto: Simon Lange

Wenn die einzige Straße, die in der Dunkelheit noch zu erkennen ist, die Milchstraße ist. Wenn du inmitten der Wildnis besser in der Nähe des Geländewagens bleibst – wegen der Sicherheit. Wenn Elefanten direkt vor der Lodge sorglos aus dem Wasserloch schlürfen. Und wenn die Luft frischer duftet als an jedem anderen Ort der Welt. Dann musst du irgendwo in Afrika sein. Wir sind in Thanda, Zulu-Land, Südafrika. Auf Buschsafari.

Das private Naturschutzreservat Thanda liegt im Kwazulu-Nationalpark. Das Gelände umfasst gigantische 14.000 Hektar. Es gehört dem vermögenden Philanthropen- und Investorenpaar Christin und Dan Olofsson. 2004 gründeten die Schweden das Luxusresort Thanda-Safari mit dem Ziel, die Tiere zurückzuholen und wiederanzusiedeln, die über Jahrzehnte von Farmern vertrieben oder sogar gewildert worden sind.

Nur um zwei Spezies mussten sie sich nicht kümmern – Nyalas und Leoparden. Die Antilopenart und die Raubkatze „sind hier nie vertrieben worden“, weiß Christian Sperka, Wildlife-Fotograf und Ranger des Reservats. Zurück sind außer den Big Five auch Zebras, Giraffen, Geparden, andere Antilopen und viele mehr. Thanda ist zwar eingezäunt, aber keinesfalls ein gigantischer Zoo. Eher befriedete Wildnis, Safari light sozusagen.

Rhino-Tracking im Morgengrauen

Das Revier ist groß genug, um den Tieren natürliche Jagd und Fortpflanzung zu ermöglichen. Doch wenn es nötig ist, greifen die Menschen ein und schützen Leben. Wie das der beiden Gepardengeschwister, die ihre Mutter verloren haben. Sie wurde von Wildererhunden verletzt und später – auf dem Weg der Besserung – von einem Löwen getötet. Die Jungen wären allein dem Tod geweiht und sicheres Opfer größerer Raubkatzen gewesen. Die Thanda-Ranger lassen sie in einem Extragehege aufwachsen, bis sie groß und stark sind. 

Zwei Geparden im Busch von Südafrika
Die Thanda-Ranger lassen die Geparden-Geschwister in einem Extragehege aufwachsen, bis sie groß und stark sind. Foto: Simon Lange

Es ist sechs Uhr morgens. Die Sonne geht gerade auf. Wolken hängen davor. Die Luft ist noch feucht. Der Geländewagen wackelt über die buckeligen Wege des Reservats. Ein süßliches Aroma hängt in der Luft. Es riecht nach Popcorn. „Urin vom Leoparden“, klärt uns Sperka auf. Eine Hyäne tapst gleichgültig an unserem Safarimobil vorbei – mit frischem Frühstück im Maul. Wir fahren weiter auf unserer Rhino-Tracking-Tour – auf der Suche nach Nashörnern. Die seltenen Dickhäuter stehen hier unter besonderer Beobachtung.

In Thanda gilt ein Artenschutzprogramm – zum Erhalt der bedrohten Breit- und Spitzmaulnashörner und zu deren Schutz vor Wilderei. „Der Druck auf das Nashorn ist extrem hoch“, sagt Sperka. Weltweit gibt es nur noch rund 30.000 Nashörner. Vor allem in Asien ist mit dem wirtschaftlichen Aufschwung seit der Jahrtausendwende die Nachfrage nach dem wertvollen Horn groß. Ein Kilogramm Horn bringt Händlern auf dem Schwarzmarkt bis zu 90.000 Dollar ein. „Ein Big Business“, seufzt Sperka. Das Horn besteht aus Keratin, dem gleichen Material wie menschliche Fingernägel. In Asien gilt das Horn als vermeintliches Wundermittel – für mehr Potenz und gegen Krebs.

Immer wieder haben sie es in Thanda mit Wilderern zu tun, obwohl das Gelände eingezäunt ist. Fliegt eine nicht genehmigte Drohnenkamera über das Gebiet, wird sie runtergeholt. „Die Wilderer könnten die GPS-Daten auswerten und gezielt in den Park eindringen“, erklärt Sperka, der keine Bestandszahlen der Nashörner verraten darf. Aus Sicherheitsgründen.

Rennen ist im Busch keine Option. Wer wegläuft, hat verloren.

Christian Sperka, Ranger

„Da ist doch irgendwas im Busch“, unterbricht ihn ein Safarimitglied unserer Gruppe. Lustig, ein passender Sprachwitz, denken wir. Tatsächlich mümmelt unweit unseres Autos im Dickicht ein Rhinozeros genüsslich vor sich hin. Unser Ranger macht den Motor aus, absolute Ruhe ist angesagt, damit der scheue und hochsensible Koloss nicht verschreckt reagiert.

Eine Breitmaulnashorn-Kuh mit Kalb.
Ein wenige Tage altes Breitmaulnashorn-Kalb tapst mit der Mama durch den Busch. Foto: Thanda Safari/Christian Sperka

Zur Rhino-Tracking-Tour gehört dazu, aus dem Auto zu klettern, Spuren zu suchen, sie zu lesen, sie zu verfolgen – und so mehr über das Verhalten der Tiere zu erfahren. Rhinos, erklärt uns Experte Peter Pretoria, „laufen oft kreuz und quer durch die Gegend, scheinbar ohne Plan“. Aber doch irgendwie immer der Nase nach – auf der Suche nach passendem Futter oder einem geeigneten Platz zum Entspannen. Die ruhigen Breitmaulnashörner essen nur Gras, die temperamentvolleren Spitzmaulnashörner bevorzugen Büsche und Bäume. So verrät schon ihr unterschiedlicher Kot, mit welcher Art man es zu tun hat.

Wir klettern von unserem unüberdachten Geländewagen und gehen auf Pirsch im Busch. Die Anspannung steigt. Was, wenn sich der graue Gigant da vorn gestört fühlt und auf Angriff übergeht? „Rennen ist im Busch keine Option. Wer wegläuft, hat verloren“, die goldene Wildlife-Regel hatte uns Sperka mit auf den Weg gegeben. Doch das Spitzmaulnashorn hat ohnehin keine Lust auf Gesellschaft, verzieht sich tiefer ins Geäst, legt sich für ein Nickerchen ab, begleitet von einem gewaltigen Schnauben. Wir pirschen uns auf etwa 30 Meter ran. Beobachten, warten ab, gönnen dem Urtier aber letztlich seine Pause und lassen es in Ruhe.

Es gibt schließlich noch andere Tiere in Thanda zu entdecken. Unser Tracker Bheki N‘Gubane kennt sich aus. Die Gruppe rollt schon ungeduldig mit den Augen, weil sich die Löwen einfach zu gut verstecken. Doch Bheki findet die entscheidende Spur. Sie führt ins tiefste Gestrüpp, abseits der Piste. Da! Tatsächlich. Direkt vor uns döst das Löwenrudel unter einem Baum. Getoppt wird dieser Anblick nur noch von der riesigen Elefantenherde an einem großen Wasserloch während des Sonnenuntergangs.

Eine Zebra-Mutter und ihr Nachwuchs genießen die ersten Sonnenstrahlen des Tages.
Eine Zebra-Mutter und ihr Nachwuchs genießen die ersten Sonnenstrahlen des Tages. Foto: Simon Lange

Ein magischer Augenblick in schönstem Abendlicht. Eine unruhige Elefantenkuh unterbricht das Schauspiel, baut sich vor uns auf und trötet unmissverständlich durch ihren großen Rüssel. Wir machen uns besser aus dem Staub, bevor es ungemütlich wird.

Nach diesem tierischen Vergnügen führt uns der zweite Teil der Reise ins nahe gelegene Nachbarland Mosambik. Nach der spannenden Safari lockt Entspannung am Meer. Etwa drei Autostunden nordöstlich von Thanda liegt die Grenze. Wir wechseln wieder in einen offenen Geländewagen. Vom Asphalt geht es sofort nach Grenzübertritt auf eine Sandpiste.

Es hat etwas von Sonntagsausflug, wie wir hier bei Sonnenschein durch hohes Gras und über sanfte Hügel tuckern. Vorbei an Ortschaften, die wie Hippiedörfer anmuten und Bagpacker-Sehnsüchte erfüllen würden, erreichen wir nach zwei Stunden unser Resort. Eine wahrhaft weiße Perle am Indischen Ozean. Die Luxusbungalows sind sanft in den grün und dicht bewachsenen Hügel eingebettet – natürlich mit Blick auf den kilometerlangen, weißen Sandstrand und aufs Meer, in dem sich Delfine und hin und wieder auch Walhaie und Buckelwale tummeln.

Paradiesisch schön. Ein perfekter Ort, um die Seele baumeln zu lassen – und um die tierischen Begegnungen der vergangenen Tage Revue passieren zu lassen. Und Sterne gucken kann man hier genauso gut. Ohne, dass einem die Angst vor einem wilden Tier im Nacken sitzt.

Tipps zur Reise nach Südafrika

Anreise: South African Airways fliegt beispielsweise von Frankfurt am Main aus über Johannesburg nach Durban. Die Flüge sind ab 1.020 Euro pro Person buchbar. 

Einreise: Deutsche benötigen für die Einreise nach Südafrika einen maschinenlesbaren Reisepass, der noch bis mindesten 30 Tage nach Ende der Reise gültig ist. Ein Visum ist nicht nötig, für die Weiterreise nach Mosambik ans Meer ist ein kostenpflichtiges Visum notwendig.

Beste Reisezeit: Reisen sind ganzjährig möglich. Die Temperaturen steigen in den Sommermonaten der Südhalbkugel auf mehr als 30 Grad Celsius. 

Gesundheit: Pflichtimpfungen gibt es nicht. Bei Reisen nach Kwazulu-Natal in Südafrika wird aber eine Malariaprophylaxe empfohlen.

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
#Trending
Zur
Startseite