Das Tenderboot nimmt Kurs auf den Anleger. Je näher wir dem Hafen von Kodiak kommen, desto stärker wird der Geruch von Fisch. Er liegt schwer über der kleinen Siedlung am Rande der Welt. Kodiak, diese Insel am östlichen Ende der Aleuten-Kette, ist ein Zentrum der alaskaschen Fischereiwirtschaft.

Fangschiffe im Hafen, Verarbeitungsbetriebe an Land – die Insel lebt vor allem vom Fisch. Und ein wenig auch von Touristen, die vor allem wegen der berühmten Kodiakbären auf die Insel kommen.  

Der Versuch, im Vorfeld der Kreuzfahrt bei einer örtlichen Agentur eine Tour zu den pelzigen Riesen zu buchen, endete kläglich. Die begehrten Ausflüge sind Tage im Voraus ausgebucht. Und eine Garantie, eines der Tiere zu Gesicht zu bekommen, gibt es auch nicht. Bleiben also nur die ausgestopften Exemplare im Baranov-Museum. 

Das Gebäude des Baranov-Museums stammt aus dem Jahr 1808 – kein Haus in Alaska ist älter.
Das Gebäude des Baranov-Museums stammt aus dem Jahr 1808 – kein Haus in Alaska ist älter. Foto: Claus Lingenauber

Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1808 – kein Haus in Alaska ist älter. Damals war der heutige US-Bundesstaat noch Teil des Zarenreiches und Alexandr Baranov Leiter der Russisch-Amerikanischen Handelsgesellschaft. Das Haus war sowohl Wohnung als auch Trading Post für Pelze aller Art, besonders aber für die begehrten Felle der Seeotter. Heute informiert das kleine Museum über den Beginn der russischen Besiedlung Alaskas in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und die Spuren, die diese hinterlassen hat.

Und diese sind nicht zu übersehen. Viele Straßen des Örtchens Kodiak sind noch immer nach Russen benannt. Außerdem gibt‘s eine russisch-orthodoxe Kirche mit leuchtend blauen Zwiebeltürmchen und ein windschiefes in die Jahre gekommenes Hotel , das sich stolz Russian Heritage Inn nennt. Dass die russischen Kolonialisten die aleutische Bevölkerung damals grausam unterdrückten, scheint vergessen und vergeben.

Die russisch-orthodoxe Kirche, das Wahrzeichen von Kodiak.
Die russisch-orthodoxe Kirche, das Wahrzeichen von Kodiak. Foto: Klaus Lingenauber

Steve, ein ungarisch-stämmiger US-Bürger, der mit seiner Frau Andrea im Winter in Florida, im Sommer in Maine lebt, meint dazu lakonisch: „Russland ist nah, Amerika weit.“

1867 hatte der in Geldnöten steckende Zar Russisch-Amerika für lächerliche 7,2 Millionen Dollar an die USA verkauft. Ein Schnäppchen angesichts des Öl- und Fischreichtums der Region.  Doch damals war der Deal selbst in Washington umstritten. Sewards Eisbox lästerten Kritiker im Senat. William Seward war zu jener Zeit Außenminister und hatte das Geschäft eingeleitet und abgewickelt. 

Am Abend setzt die Crystal Serenity ihre Fahrt fort. Es geht weiter nach Westen – und damit immer näher an Russland heran.

Die Route der Crystal Serenity

Die Route der Crystal Serenity führt über die Nordwestpassage.
Die Route der Crystal Serenity führt über die Nordwestpassage. Foto: Vista Travel