Vietnam. Kein einfaches Land, keine einfache Geschichte. Die Welt hat sich an diesem Staat in Südostasien versündigt. Die Franzosen beuteten die Menschen aus, dann kamen die Amerikaner. Im Land selbst tobte ein Bürgerkrieg. Heute ist es ein Ziel für Backpacker, Kreuzfahrtschiffe und Luxus-Rundreisen. Andere erkunden Saigon bei einem verlängerten Stopover – doch dafür ist das Land eigentlich zu schade.

Wir können durch die überwucherten Kanäle des Mekongs paddeln – und dann ist es gut zu wissen, dass sie einst von Vietnamesen in Sklavenarbeit für die Franzosen ausgehoben wurden. Wir können uns in Hoi An ein Kleid schneidern lassen, so wie es die betuchten Vietnamesen seit Jahrhunderten tun. Und wir können durch die mystische Halong Bucht schippern, vielleicht wurde sie ja von Drachen in das Land geschnitten.

Also: Natürlich ist es schön und irgendwie cool, einen Ort frei von Vorwissen und Vorurteilen zu erkunden. Doch es gibt dieses alte Zitat: 

Man sieht nur, was man weiß. Klingt wie ein Werbespruch, stammt aber von Johann Friedrich von Goethe. Und das ist wahr. Darum lesen wir.

In Vietnam bleibt man nicht an einem Ort, man bewegt sich. Entsprechend bewegt sollte die Buchauswahl sein. Hier ist also meine. Habt ihr andere Bücher gelesen? Schreibt mir gern an buecherkoffer@reisereporter.de.

Graham Greene: Der stille Amerikaner

In den wirren des Indochina-Krieges lebt der Brite Thomas Fowler ein möglichst entspanntes Leben mit seiner Geliebten Phuong. Doch Phuong will mehr. Sie will die Ehe und ausgerechnet die kann Fowler ihr nicht bieten – „Der stille Amerikaner“ Alden Pyle allerdings schon. Doch Pyle hat zu viele Bücher gelesen und möchte den Krieg im Alleingang beenden.

Greene erzählt eine nette kleine Geschichte aus einem Jahrhundert der Kriege. Das große Ganze dieser Zeit schwingt ständig mit, gleichzeitig lässt Greene seine Figuren in ihrer Lebenswirklichkeit bleiben. Das Buch wirkt wie eine Episode, nur dass es keine weiteren Episoden gibt. Wir erfahren hier viel über eine Zeit, in der Europäer langsam die Macht verloren, Vietnamesen kurz hoffen durften, der Krieg gehe vorbei – und die Amerikaner gerade erst ausholten. Perfekter Lesestoff für einen schlaflosen Flug.

Peter Scholl-Latour: Tod im Reisfeld

Der Klassiker. Die Menschen lieben dieses Buch, Reisende, Politik-Nerds, Geschichts-Nerds. Peter Scholl-Latour bereiste Vietnam sein Leben lang immer wieder und was hat er nicht alles erlebt, was hat er nicht alles geleistet… Ich habe dieses Buch leider nicht ertragen. Dreimal habe ich versucht es zu lesen, schließlich ist es doch der Klassiker, schließlich ist die erste Rezension überschrieben mit „Ein Meister seines Fachs“. Mag sein. 

Tatsache ist: Scholl-Latour reiht Episoden seines Lebens aneinander und deutet sie nach eigenem Gusto. Ein wenig Demut und ein wenig journalistische Distanz hätten diesem Buch gut getan. Schade drum.

Alice Grünfelder: Vietnam fürs Handgepäck

Packt dieses Buch ein – aber bloß nicht ins Handgepäck. In keinem Flugzeug der Welt könnte man die Konzentration finden, um die Kurzgeschichten angemessen zu würdigen. „Vietnam fürs Handgepäck“ erzählt 19 Geschichten aus Vietnam. Alles beginnt mit Eindrücken aus dem Saigon der Kolonialzeit. Auf wenigen Seiten lehrt uns die französische Schriftstellerin Margerite Duras, wie die Welt aus der Perspektive eines Kindes in „Französisch Indochina“ aussah und das ist sehr wertvoll, um die Vergangenheit zu verstehen.

Alice Grünfelder hat auch Fabeln gesammelt, wie die des Grashüpfers Men. Und sie erzählt die Legende vom zurückgegebenen Schwert und passend dazu auch von der Bedeutung des Wasserpuppentheaters. Und dann sind wir wieder im Vietnam der Gegenwart und begleiten den Handel mit wertvollen Ausscheidungen… Ein gutes Sammelsurium, aus dem wir uns vor dem Einschlafen Geschichten vorlesen können. Ganz in Ruhe.

GEO Epoche: Vietnamkrieg

Ein Magazin im Bücherkoffer? Dieses hier muss unbedingt mit: Die Vietnam-Ausgabe von GEO Epoche erzählt uns von den verschiedenen Stationen der Vietnamkriege, politische Scharmützel und den Horror der Grünen Hölle. Besonders lesenswert sind die Berichte der Soldaten – beider Seiten. Die Amerikaner schafften sich in den Städten bald ihre kleinen Hochburgen. Auch von Ihnen erzählt dieses Heft. In zwölf langen Artikeln lernen wir hier, was in Indochina passierte, bevor es Vietnam sein durfte.

Martin H. Petrich: Reise-Handbuch Vietnam

Ach, du magst keine Reiseführer? Musste ja nicht, das Internet ist voll von Informationen und dafür sind wir reisereporter ja auch da. Ich mag Reiseführer auch in Buchform. Für Vietnam hatte ich mir gleich drei besorgt und am meisten überzeugte mich das „Reise-Handbuch“ von Martin H. Petrich im Dumont-Verlag. Petrich kennt sich aus in Vietnam und hat von Bootsrouten in der Halong-Bucht über soziale Probleme bis hin zur Bedeutung einzelner Reliefs an den Ruinen von My Son alles recherchiert.