Das Abenteuer beginnt auf leisen Sohlen. Während noch längst nicht alle Gäste an Bord der Crystal Serenity eingetroffen sind, schweben die ersten Paare bereits zu den Klängen einer Band, die amerikanische Standards aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts spielt, über die Tanzfläche des Palm Gardens.

Durch die Frontscheiben der Bar am Bug des Schiffes bietet sich ein traumhafter Blick über den Fjord von Seward und auf die umliegenden Berge mit ihren Gletschern. Alaska hat etwa 100.000 davon. Die Eismassen geben einen Vorgeschmack auf das, was uns erwarten wird, wenn wir in etwa zwei Wochen die Nordwestpassage erreichen. 

Die arktische Inselwelt im Norden von Kanada galt lange Zeit als unpassierbar. Denn auch im Sommer blockierte zumeist Treibeis die engen Durchfahrten. Immer wieder hatten Seefahrer versucht, einen Weg durch das Labyrinth zu finden. Der Seeweg zwischen Atlantik und Pazifik hätte so um tausende Meilen verkürzt werden können. Nicht wenige bezahlten die Suche mit dem Tod.

Erst 1906 gelang dem Polarforscher Roald Amundsen als erstem die Durchquerung der Nordwestpassage. Drei Jahre hatte der Norweger mit seinem Schiff Gjöa dafür benötigt, immer wieder saß er im Eis fest. Dass Amundsen dabei Skelettreste und Geräte der verschollenen Expedition des Briten John Franklin fand, dessen 1845 gestartete Expedition auf tragische Weise endete, unterstreicht noch einmal die Gefahren dieser so unwirtlichen Region. Auch heute noch ist die Arktis kein Zuckerschlecken.

Gletscher in Alaska
Kein seltener Anblick: In Alaska gibt es etwa 100.000 Gletscher. Foto: Lingenbauer

Da bekommt die Seenotrettungsübung, die auch hier – wie auf jedem Kreuzfahrtschiff - am ersten Tag stattfindet, eine ernstere Bedeutung. Und so stehen denn auch sämtliche Passagiere der Crystal Serenity pünktlich um 18 Uhr an ihre Sammelstationen, die Rettungswesten fein säuberlich angelegt. Man weiß ja nie.

Die Spannung jedenfalls ist spürbar: „Eine solche Tour macht man nur einmal im Leben“, sagt Clark aus Orange County bei Los Angeles. Denn dieser 32-Tage-Trip ist mehr als eine normale Kreuzfahrt. „Dies ist nicht nur eine Cruise, dies ist auch eine Expedition“, hat Kreuzfahrtdirektor Nick mehrfach betont, als er die Abendshow im Galaxy Variete moderierte.

Kreuzfahrer bei einer Sicherheitsübung an Deck der Crystal Serenity
Sicherheitsübung an Deck der Crystal Serenity Foto: Lingenbauer

Doch das Abenteuer beginnt ganz langsam, so langsam wie das Schiff den Fjord von Seward durchquert und Kurs auf Kodiak nimmt - jene Insel, auf der die gleichnamigen Bären leben. Bären,  die größer sind als jeder Grizzly. Nur der Eisbär kann mit ihnen mithalten. Doch bis wir sein Reich erreichen, wird noch einige Zeit dauern. Da müssen wir erst noch Alaska umrunden, die Datumsgrenze erreichen und die Beringstraße durchqueren. Doch die Spannung wird steigen – von Tag zu Tag.

Die Route der Crystal Serenity

Die Route der Crystal Serenity führt über die Nordwestpassage.
Die Route der Crystal Serenity führt über die Nordwestpassage. Foto: Vista Travel