Der Straßenriese Flixbus übernimmt den Schienenmini Locomore. Zumindest den Ticket-Verkauf für das Hipster-Start-up. Den Zugverkehr steuert eine Tochterfirma des tschechischen Unternehmens Leo Express.

Locomore hatte im Mai 2017 Insolvenz angemeldet. Die Züge verweilten seitdem im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Abstellgleis. Nun verkündete Flixbus, dass die orangefarbene Waggons wieder fahren werden. 

„Ab 24. August geht’s los, wie gewohnt auf der Strecke zwischen Berlin und Stuttgart“, teilt Flixbus auf seiner Internetseite www.flixbus.de mit. „Durchgeführt werden die Fahrten von unserem Partner Leo Express, den Ticketvertrieb übernehmen wir.“ 

Damit überträgt Flixbus sein Geschäftsmodell von der Straße auf die Schiene. Denn auch die Busse, die mit den grünen Flixbus-Logos versehen sind, gehören nicht dem Unternehmen selbst, sondern Subunternehmern. Flixbus hat die Dienstleistung ausgelagert. Das unternehmerische Risiko ist damit für Flixbus gering. So können sie zum Beispiel nicht für Schadensersatzforderung verantwortlich gemacht werden. 

Leo Express ist in Osteuropa mit Zügen und Bussen auf Straßen und Trassen unterwegs. Im Busverkehr gibt es bereits seit zwei Jahren eine Kooperation zwischen Flixbus und Leo Express. Flixbus übernehmen den Verkauf der Zugfahrtkarten im Anschluss an Flixbus-Dienstleistungen, teilt Leo Express auf reisereporter-Anfrage mit. Das Unternehmen teile die Locomore-Vision des nachhaltigen öffentlichen Verkehrs.

Das Konzept und die Gestaltung der Locomore-Züge solle erhalten bleiben. Die Waggons würden weder grün lackiert, noch das Angebot auf Flixtrain umfirmiert werden.

Locomore-Gründer: Entwicklungen sind ernüchternd

Für die Locomore-Gründer seien die Entwicklungen ernüchternd. Das teilten sie in einem Newsletter an ihre Kunden mit. Hauptanteilseigner Derek Ladewig hat Anfang August die Waggonpool UG mit Sitz in Berlin gegründet. An derselben Adresse, an der zuvor Locomore seinen Firmensitz hatte. Die Firma hat die Marke Locomore gekauft. So ist die ehemalige Locomore-Website über www.alt.locomore.com erreichbar. 

Nach Angaben der bisherigen Locomore-Gründer und -Gesellschafter wird die Marke nun von der Leo Express GmbH genutzt, einer Tochterfirma der tschechischen LEO Express. Die deutsche Tochterfirma habe wiederum Verträge mit Flixbus und Hector Rail. Ursprünglich beförderten die Lokomotiven von Hector Rail Güterzüge. Seit Dezember 2016 zogen die Loks auch Personenwaggons – einzig und allein für Locomore.

Die Locomore-Geschäftsführung wird nach ihren Angaben die Leo Express GmbH auf den Ebenen Strategie und Geschäftsentwicklung, Finanzen, Personal und Organisation sowie IT unterstützen. 

Für die Crowdfunder, die damals dafür sorgten, dass das Locomore-Projekt überhaupt realisiert werden konnte, ist der Ausgang im Zweifelsfall weniger glimpflich: Gekaufte Tickets und Gutscheine behalten ihre Gültigkeit, finanzielle Ansprüche sind an den Insolvenzverwalter unter locomore@leonhardt-rattunde.de anzumelden.

Flixbus teilt auf reisereporter-Nachfrage mit: „Die Crowdfunder bekommen nach der Locomore-Insolvenz ihr investiertes Geld zwar nicht zurück, aber zumindest als kleine Entschädigung Freifahrten für das gesamte FlixBus-Netz (inklusive Locomore-Strecken) sowie ein Bonusguthaben für das Leo-Express-Netz in Westeuropa.“

Der Großteil des ehemaligen Locomore-Teams würden direkt bei Leo Express und FlixBus unterkommen, sagt ein Sprecher von Flixbus. 15 Mitarbeiter würden direkt von Leo Express weiter beschäftigt, eine Kollegin komme in der FlixBus-Netzplanung unter, mit dem Rest würden aktuell Gespräche laufen. Durch die neue Kooperation seien die Arbeitsplätze jedoch nachhaltig gesichert.

Pünktlich zum Markteintritt schmeißt Flixbus 9.999 Zugtickets für 9,90 Euro pro Ticket auf den Markt. Kurzstrecken wie etwa zwischen Stuttgart und Frankfurt sollen ab 5 Euro erhältlich sein. 

Zum Start soll der Zug vier Mal pro Woche vormittags zwischen Stuttgart und Berlin unterwegs sein. Ab dem 1. September wird die Frequenz auf fünf Mal pro Woche erhöht. Versprochen werden zudem einfache Stornierungs- und Umbuchungsregelungen. Bis 15 Minuten vor Abfahrt soll das möglich sein. Über die Flixbus-App werden Verspätungs- sowie Haltestelleninformationen bekanntgegeben. 

Tickets gibt’s online auf www.flixbus.de oder bei den Reisebüro-Partnern.