Ein verstecktes Inselparadies in Rio | reisereporter.de

Das versteckte Inselparadies in Rio de Janeiro

Zuckerhut, Copacabana, Christusstatue – das sind die Postkartenmotive von Rio de Janeiro. Doch Rio ist eine Stadt mit vielen Gesichtern. Im Schatten der Sehenswürdigkeiten verbirgt sich eine einzigartige Oase: eine Inselgruppe in der Lagoa da Tijuca. 

Blick auf die Inseln  in der Lagune von Tijuca vom Boot aus.
Die Inseln in der Lagune von Tijuca sind ein echtes Paradies – noch.

Foto: Weise

Knatternd legt das Holzboot ab. Die Passagiere haben ihre Einkäufe auf dem Schoß, das Handy am Ohr, den Haustürschlüssel in der Hand. Nur zwei Touristen knipsen die Palmen und bunten Häuschen. Vor ihnen liegt eine Oase der Ruhe. Hinter ihnen die Hochhäuser, Shoppingmalls und Schnellstraßen von Barra. Da wo 2016 die Olympischen und Paralympischen Spiele stattgefunden haben. Es ist das am schnellsten wachsende Viertel der Stadt – und eins der teuersten. Hier ist es anstrengend, laut und die Wege sind weit.

Ganz anders auf den Inseln der Lagune von Barra. Hier fühlst du dich in der Zeit zurückversetzt. Aus dem Stadtverkehr von Rio in eine andere Welt. Es gibt keine Autos, keinen Lärm, keine Hektik. Viele Wege sind nur Trampelpfade auf denen einem ständig Katzen begegnen. Das Wasser plätschert, Vögel zwitschern – einfach idyllisch.

Dabei liegen die zehn Inseln genau zwischen den Hochhäusern – an manchen Stellen sieht man sie, oft verschwinden sie aber hinter Bäumen und Palmenwäldchen. 

Paradies in Gefahr

Die Inselgruppe ist die Heimat vieler exotischer Pflanzen und Tiere. Und auch immer mehr Menschen: Schon über 10.000 Einwohner zählen sie. Insgesamt sieben Inseln sind bewohnt. Die Ilha da Gigóia ist mit 130.000 Quadratmetern und 3.000 Einwohnern die größte und sie erreicht man als erstes vom Festland aus. In 20 Minuten hat man sie zu Fuß in der Länge durchquert. Hier gibt es kleine Läden, Restaurants, Bars und viele bunte Häuser. Die verschlungenen Pfade laden zum Schlendern ein. Und: Gefährlich ist es nicht.

Blick auf die Insel Gigóia, im Hintergrund der Berg Pedra da Gávea bei Rio de Janeiro, Brasilien
Der Blick auf die Insel Gigóia (links) während der Überfahrt. Im Hintergrund ragt der bekannte Pedra da Gávea in den Himmel. Foto: Weise

Nur für die Natur. Denn das Inselparadies wird immer berühmter und beliebter. Einige Bewohner von Rio haben hier Ferienhäuser, manche siedeln ganz auf die Inseln um – auf der Suche nach Ruhe und Sicherheit. Obwohl es nicht überall den ganzen Tag Strom gibt und das Abwassersystem nicht richtig funktioniert. Das Inselleben verändert sich.

„Hier gibt es jetzt viel hin und her. Die Leute kommen und gehen, aber sie kommen vor allem. Es werden viele Häuser und auch Hostels gebaut. Wenn jemand geht, dann wegen der Umweltverschmutzung. Obwohl es eine Müllabfuhr gibt, werfen immer noch viele den Abfall in die Lagune oder Wälder“, sagt Diego Santos. Er ist auf einer der Inseln geboren und arbeitet als Bootsfahrer. Auch aus den umliegenden Hochhäusern werden Müll und Abwasser in der Lagune entsorgt. 

Die Stadt reagiert darauf sehr verhalten. Das liegt sicherlich auch daran, dass Rio chronisch pleite ist. Ein erster Ansatz ist, dass der Müll aus dem Wasser gefischt wird. Das ist viel zu wenig und kann nur ein Anfang sein. Die Insulaner sind sauer und viele kämpfen für eine saubere Umgebung.

Kultur und Romantik

Von der Stadt fühlen sich die Bewohner vergessen, also kümmern sie sich, soweit es möglich ist, selbst um das was fehlt. Kultur etwa. Der kleine „Espaço Cultural Semear“ ist ein Holzhaus, das versteckt auf der Ilha Primeira liegt, die von der Ilha Gigóia in fünf Minuten mit dem Boot zu erreichen ist.

Hier gibt es eine Bibliothek, einen Second-Hand-Shop, ein großes Kursangebot, guten Kaffee und selbstgebackene italienische Spezialitäten.

Das kleine Kulturzentrum auf der Ilha Primeira, Brasilien.
Das kleine Kulturzentrum auf der Ilha Primeira. Foto: Weise

Roques Großmutter war Italienerin und Roque backt nach ihren Rezepten. Er ist vor vielen Jahren auf die Insel gezogen und möchte nicht mehr weg. Das Kulturzentrum hat er mit Freunden gegründet: „Als wir vor sechs Jahren begannen, war das hier die erste Gemeinschaftsbibliothek in der Ostzone von Rio“, erklärt er stolz. „Wer in Rio an Kultur denkt, dem fällt das Viertel hier nicht ein, sondern die Südzone und das Stadtzentrum. Aber hier leben viele Künstler. Einige bieten bei uns Kurse an: Theater, Englisch, kreatives Schreiben und Design.“ Abends gibt es oft Konzerte von Musikern der Insel oder sogar aus dem Zentrum von Rio.

Roque ist stolzer Betreiber des „Espaço Cultura Semear“ auf der Ilha Primeira.
Roque ist stolzer Betreiber des „Espaço Cultura Semear“. Foto: Weise

Nicht weit entfernt kann man vor den Konzerten den wunderschönen Sonnenuntergang im Inselparadies bewundern.

Am besten nimmt man sich am kleinen Steg um die Ecke ein Taxiboot und fährt aufs Wasser hinaus. Motor aus, treiben lassen, genießen.

Galerie: Verstecktes Inselparadies in Rio

Tipps für den Urlaub in Rio und auf der Insel Gigóia:

Anfahrt: An der Metrohaltestelle „Jardim Oceánico“ befindet sich direkt der Anlegesteg. Ungefähr 4 Reais, also etwa einen Euro, kostet der Transfer bis zur Insel Gigóia. Die Preise können je nach Fahrer unterschiedlich sein, es gibt keinen Fixpreis. Die Überfahrt dauert um die 10 Minuten.

Rundfahrt: Zu empfehlen sind die Öko-Touren von „Expedição Barra“. Sie fahren jeden Sonntag und haben immer einen Biologen an Bord, der über Flora und Fauna informiert. Auf der Fahrt sehen die Passagiere die Inseln aus einer anderen Perspektive – und auch Krokodile. 

Die Rundfahrt in den modernen und nachhaltigen Booten dauert etwa eine Stunde und kostet 30 Reais (umgerechnet etwa acht Euro). Unter der Woche werden für Schulklassen aus der Region die Touren umsonst angeboten. Um das Bewusstsein für den Umweltschutz zu stärken. 

Man kann auch mit den „Taxibooten“ Rundfahrten machen. Dafür am Anlegesteg einen Bootsfahrer fragen. Kostet um die 20 Reais (etwa fünf Euro).

Anstoßen: In der Bar Caiçara kann man gemütlich auf der Terrasse sitzen und bei einem frischgepressten Saft oder Caipirinha auf die Blumen, Palmen und bunten Häuschen der Ilha Primeira gegenüber schauen. Die Bar ist ein Holzhaus, das hippie-mäßig eingerichtet ist, ganz bunt und im Hintergrund läuft brasilianischer Rock. 

Bar Caiçara | Ilha da Gigóia, Dr. Sebastião de Aquino, 170, Barra da Tijuca | Mittwoch und Donnerstag von 16 bis 23 Uhr, Freitag und Samstag von 13 bis 23.45 Uhr, Sonntag von 13 bis 22 Uhr

Die beliebteste Bar der Inselgruppe ist die Bar do Cícero, die für ihre großartigen Meeresfrüchte bekannt ist. Viele Bewohner Rios kommen extra dafür hierhin. Außerdem hat man von der Terrasse einen tollen Ausblick und die Atmosphäre ist locker und fröhlich. 

Bar do Cícero | Ilha Primeira, Estr. da Barra da Tijuca, 793, Barra da Tijuca | Täglich von 11 bis 23 Uhr

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