Heimat von Elvis: Tour durch Memphis | reisereporter.de

Elvis forever: 5 Tipps für die Tour durch Memphis

Vor 40 Jahren, am 16. August 1977, starb Elvis Presley in seiner Villa in Memphis. Graceland ist der ultimative Magnet für Touristen. Doch die Stadt am Mississippi hat weit mehr als das zu bieten.

Elvis Presley im Jahr 1965 in der Graceland-Villa
Elvis im Jahr 1965 in der Graceland-Villa. Ein Must-Stopp auf deiner Memphis-Tour.

Foto: imago/ZUMA Press

Graceland: Wo Elvis lebte und starb

Elvis Presley war das erste globale Pop-Phänomen. Erstmals hatte ein Sound die Kraft, um unzufriedene junge Leute zum Protest gegen die Bevormundung durch die Elterngeneration und als gestrig empfundene gesellschaftliche Regeln zu ermuntern. 600.000 Menschen pro Jahr wollen heutzutage Graceland, das Anwesen ihres Idols, sehen.

Die Villa ist nach dem Weißen Haus das meistbesichtigte Gebäude der USA. Sie ist ein Massenwallfahrtsort, der Andrang ist so gigantisch, dass es nicht leichtfällt, in Ruhe zu gedenken. Man sieht die Overalls, die Autos, die Flugzeuge, den Erfolg, den Größenwahn, das Grab. Das Badezimmer, in dem Elvis am 16. August 1977 als 250 Pfund schwerer King of Rock ’n’ Roll starb, kann nicht besichtigt werden; der erste Stock des Hauses ist für Besucher tabu.

Auch seine Esssucht und den Medikamentenmissbrauch, die Verschnulzung seines Talents, den Erfolgsdruck und die Einsamkeit muss man sich hinzudenken. Graceland ist ein Ort der Huldigung und des Kommerzes: Das macht sich an den ziemlich hohen Eintrittspreisen und der Dichte an Souvenirläden bemerkbar. 

Märchenstunde im Sun Studio

Zu dem Elvis, den so viele Menschen lieben, wurde der Lastwagenfahrer am 5. Juli 1954. Das Sun Studio an der Union Avenue von Memphis, in dem er seine ersten Aufnahmen machte, ist heute ein begehbares Denkmal. Seit den Fünfzigern wurde an dem Backsteinbau nicht viel verändert. Die Jalousien waren wohl schon damals ständig heruntergelassen.

Über dem Eingang leuchtet noch immer das Sun-Logo, so wie in jener Nacht, als der 19-Jährige dort mit dem Gitarristen Scotty Moore und Bill Black am Kontrabass „That’s All Right“ aufnahm.

Damals passierte Folgendes: Elvis drehte seinen Gitarrenverstärker bis zum Anschlag auf und begann, die Rhythm-and-Blues-Nummer von Arthur „Big Boy“ Crudup in doppeltem Tempo zu singen. Es entstand eine wilde, unerhörte Version. Studiobetreiber Sam Phillips hatte gefunden, wonach er suchte: einen Weißen, der mit dem Feeling eines Schwarzen singen kann. Bei Studioführungen wird die Story vom Rock-’n’-Roll-Urknall, der eigentlich ein Zufall war, wie eine Legende gepflegt.

Ein Museum für den Memphis-Soul

Memphis ist nicht nur Elvis-, sondern auch Soul-Stadt. In den Sixties wurden die Schreie nach Freiheit und Gleichberechtigung in den USA immer lauter und die schwarzen Stimmen immer selbstbewusster. Curtis Mayfield und James Brown drückten diese Atmosphäre in Songs wie „We’re a Winner“ und „Say It Loud – I’m Black And I’m Proud“ aus.

Auch in Memphis gab es ein legendäres Plattenlabel. Stax Records landete bis zum Konkurs Mitte der Siebzigerjahre 237 Top-Ten-Hits. Der größte Star hieß Otis Redding, der ewige Konkurrent war Motown in Detroit. Motown-Soul galt als weiß gewaschen, für ein weißes Publikum produziert, der Memphis-Sound dagegen klang dreckiger. Mehr Schreie. Mehr Gospel.

Das Stax Museum of American Soul Music erinnert an die von Toleranz und Respekt geprägte Haltung des Labels, die niemand so eindrucksvoll verkörperte wie Booker T. & The M.G.’s, vier Studiomusiker, zwei Schwarze und zwei Weiße, die auf fast allen Aufnahmen zu hören sind. Die Stax-Idee lebt heute in der Stax Music Academy weiter. Junge Leute, zum Teil aus armen Vierteln, lernen dort, wie das Showgeschäft funktioniert und welch heilende Wirkung Soulmusik haben kann.

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Auf den Spuren dreier Kings

Memphis ist die Stadt der drei Kings. Außer Elvis haben dort auch der vor zwei Jahren gestorbene B. B. King und Martin Luther King Spuren hinterlassen. B. B. King’s Blues Club befindet sich an der Beale Street. Das Stadtmarketing bewirbt die Straße mit dem Slogan „Home of the Blues“. Denn früher haben B. B., Muddy Waters und andere dort den Memphis Blues entwickelt. Heute geht es dort zu wie auf der Bourbon Street in der Jazzstadt New Orleans. Viel Neon, viele Touristen, viel Partyvolk.

Der dritte King, Martin Luther, der schwarze Star der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, wurde in Memphis ermordet. Der Tatort, das Lorraine Motel, ist Teil des National Civil Rights Museum. Noch immer parken zwei weiße Autos, ein 1959 Dodge und ein 1968 Cadillac, vor der Tür mit der Nummer 306, so wie an jenem Abend.

Auch das Zimmer wurde nicht verändert. Dr. King hatte sich eine Tasse Kaffee eingeschenkt, bevor er auf den Balkon trat. Die volle Tasse steht noch da, scheinbar unberührt. Auf dem Bett liegt die Zeitung vom 4. April 1968. Ergreifender kann Geschichte kaum erzählt werden.

Das Hauptquartier von Big Star

Tonstudios sind in der Musikstadt Memphis Sehenswürdigkeiten. Außer dem Sun Studio, wo nicht nur Elvis Presley, sondern auch Jerry Lee Lewis, Carl Perkins und Johnny Cash ihre ersten Aufnahmen machten, gibt es zwei weitere Hotspots für Pop-Pilger:

In Willi Mitchell’s Royal Studios sang Al Green, der einflussreichste Soulstar der Siebzigerjahre, Songs wie „Let’s Stay Together“ und „Tired of Being Alone“ ein. Green landete mehr Nummer-eins-Hits als die Stax-Künstler Otis Redding, Sam & Dave und Booker T. & the M.G.’s zusammen.

Die Ardent Studios waren das Hauptquartier von Big Star. Wäre das Leben gerecht, wären Alex Chilton, Chris Bell, Andy Hummel und Jody Stephens mit ihrem herzergreifenden Power-Pop weltberühmt geworden. Doch persönliche Tragödien, interne Streitigkeiten, Drogen und eine schlechte Vermarktung verhinderten den Triumph. Heute gelten die Kritikerlieblinge als eine der einflussreichsten Kultbands aller Zeiten, ein verborgener Pop-Diamant, den es auszugraben lohnt. Drummer Jody Stephens, das einzige noch lebende Gründungsmitglied, arbeitet bei Ardent. Einfach mal klingeln! Vielleicht macht er ja auf.

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