Er bereiste 47 Länder, ohne zu fliegen | reisereporter.de

Er bereiste 47 Länder, ohne in ein Flugzeug zu steigen

Der Australier Tyral Dalitz reist seit drei Jahren um die Welt. Er trampt, fährt Zug, Bus, Schiff oder läuft. Es gibt nur eine Regel: Fliegen verboten. 

Völlig tiefenentspannt blickt Tyral über Bali.
Völlig tiefenentspannt blickt Tyral über Bali.

Foto: Tyral Balitz

Den Abenteurergeist hat er von dem australische Tierfilmer Malcolm Douglas. „Ich bin mit seiner TV-Show aufgewachsen, in der er all diese Abenteuer im Outback erlebte. So entstand mein Kindheitstraum, ein Herumtreiber zu werden. Im Jahr 2009 war ich mit der Uni fertig  und fand, dass es Zeit sei, den Traum ein wenig auszuleben.“

Also kaufte Tyral ein Wohnmobil und reiste durch Australien. Geplant waren sechs Monate, doch es wurden drei Jahre. „Ich wurde süchtig nach diesem Gefühl der Freiheit und es reizte mich sehr, außerhalb von Australien zu reisen“, erzählt der 29-Jährige dem reisereporter.

Die besten Erinnerungen sammelte ich auf der Reise zwischen zwei Zielen.

Tyral Dalitz

Einen fixen Punkt, an dem er entschied, den Mega-Trip ohne Flüge zu machen, habe es nicht gegeben. „Ich habe gemerkt, dass ich die besten Erinnerungen auf der Reise zwischen zwei Zielen sammelte – beim Campen, bei der Interaktion mit der Umgebung und den Menschen, die dort leben. Außerdem wollte ich eine Herausforderung, nicht bloß einen Urlaub. Und dann wuchs die Idee, überhaupt nicht zu fliegen.“ 

 

Lost Aussie: Ein Australier auf Reisen

2014 startete Tyral zum bisher größten Abenteuer seines Lebens: Mit dem Segelschiff ging es von Australien nach Singapur – im Gegenzug für seine Hilfe an Bord durfte er bei einem Paar kostenlos mitsegeln. Ähnlich aufregend war die weitere Route: „Ich bin mit dem Motorrad durch Vietnam gereist und mit der Transmongolischen Eisenbahn durch die Mongolei und Russland“. 

Ich mag Luxus nicht, ich mag das echte Leben.

Tyral Dalitz

Wann immer es die Möglichkeit gibt, nutzt er die vor Ort typischen lokalen Fortbewegungsmittel. „So mache ich die gleichen Erfahrungen wie die Einheimischen, interagiere mit den ganz normalen Menschen vor Ort. Ich mag Luxus nicht, ich mag das echte Leben“, sagt der Abenteurer. Aus dem gleichen Grund liebe er es, zu trampen – „außerdem spare ich so Geld“. 

Seine Lieblingsstadt sei bisher Berlin gewesen. „Der Spirit, die Geschichte, die Musik, die Kunst ... ach, einfach alles! Ich hatte eine wirklich tolle Zeit dort. Ich habe bei einer Familie kostenlos gelebt und habe dafür der Tochter beim Englischlernen geholfen.“

Ein besonders schönes Erlebnis hatte er in Vietnam. „Ich war mit einem Typen aus Neuseeland auf dem früheren Ho-Chi-Minh-Pfad unterwegs und fanden partout keine Unterkunft. Als es zu regnen anfing, lud uns eine Familie zu sich ein. Wir aßen mit ihnen und tranken mit ihnen Reiswein. Wir konnten uns nur mit Händen und Füßen verständigen, aber wir haben unfassbar viel gelacht und hatten eine tolle Nacht. Das ist nur eine von vielen Situationen, in denen komplett Fremde wahnsinnig nett und gastfreundlich waren.“

Ich reise nicht von Punkt A zu Punkt B, nur um dort das nächste tolle Foto zu bekommen.

Tyral Dalitz 

Wie lange er an einem Ort bleibe, sei ganz unterschiedlich. Mal ein paar Tage, mal ein paar Wochen. „Ich reise nicht von Punkt A zu Punkt B, nur um dort das nächste tolle Foto zu bekommen. Ich verbringe gerne viel Zeit an einem Ort, will die Kultur und die Menschen kennenlernen. Kirchen und Tempel besichtigen, das interessiert mich nicht.“ Die längste Zeit habe er auf einem Boot verbracht, auf dem er vor einiger Zeit vom Vereinigten Königreich in die USA segelte. 

Er habe viel gelernt in den drei Jahren Reise. Für Abenteuerhungrige, die selbst Abenteuer erleben wollen, hat er vier Tipps:

  1. „Sei nett und höflich zu jedem, den du triffst. Karma kommt immer zurück.“
  2. „Verschwende dein Geld nicht für Touren oder Gepäck, lass dich treiben und entdecke alles auf eigene Faust.“
  3. „Suche und plane nicht zu viel. Lass dich lieber überraschen, als enttäuscht zu werden.“
  4. „Ein anderer hat immer mehr mit weniger erreicht. Du hast also keine Entschuldigung.“

Auf seiner Reise gebe es bislang nur einen Wermutstropfen: „Ich habe meinen Bruder und Vater seit drei Jahren nicht mehr gesehen. Bisher hat es nur meine Mutter geschafft, mich zu besuchen. Ich vermisse sie und hoffe, dass wir uns bald mal treffen können.“

So finanziert Tyral seine Reise

Um die Reise zu finanzieren, habe er vorher in Australien hart gearbeitet. „Innerhalb von 18 Monaten habe ich es geschafft, viel Geld zu sparen.“ Auf seiner Reise lebe er so günstig, wie es geht: „Ich versuche mit zehn bis 15 Australischen Dollar (knapp sieben bis zehn Euro) pro Tag auszukommen. Ich trampe viel, mache wildes Camping, Couchsurfing und schaue auch mal in Müllcontainern nach weggeworfenen Lebensmitteln.“

Aktuell ist Tyral in Nordamerika. „Ich möchte nach Mexiko, um dort für ein paar Monate zu leben. Dort gibt es gutes günstiges Essen, vielleicht lerne ich ein wenig Spanisch.“

So langsam werde jedoch sein Geld knapp. „Ich habe bis jetzt überlebt, aber ich muss wirklich bald einen Job finden, um weitermachen zu können. Daher habe ich ein kanadisches Arbeitsvisum beantragt. Dort werde ich wahrscheinlich Ende des Jahres sein, um meinen ersten Job seit drei Jahren zu finden.“ Er wolle dort für ein- bis eineinhalb Jahre leben. „Und wenn ich dann genug Geld habe, möchte ich ein oder zwei weitere Jahre durch Südamerika reisen, bevor ich zurück nach Australien segle.“ 

Von seinen Erlebnissen berichtet Tyral auf seinem Blog „Lost Aussies“ unter dem Motto „no air to everywhere“ (Deutsch: „kein Flugzeug irgendwohin“).

 

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