Tromsø im Sommer: Schnee & Rentiere | reisereporter.de

Tromsø: Sommer mit Schnee und Rentieren

Mehr als 300 Kilometer nördlich des Polarkreises liegt auch im Sommer Schnee auf den Berggipfeln, dafür geht die Sonne nicht unter. Warum ich für meinen Sommerurlaub lieber die Schneeschuhe hätte einpacken sollen, verrate ich euch hier.

Blick auf Tromsø und den Fjord vom Berg Storstein aus.
reisereporterin Leonie auf dem Storstein, dem Hausberg von Tromsø.

Foto: Kristina Schröder

„Winterschuhe? Brauche ich nicht! Ist ja schließlich Sommer.“ Zwei Tage später bereue ich diesen Gedankengang. Frierend stehe ich auf dem Storstein, der Felsnase von Tromsøs Hausberg Fløya, dessen Namen ich mir gut merken kann, weil er wie Schornstein klingt. Warum ich friere? Weil es zwar Juni ist, das aber der Stadt im äußersten Norden von Norwegen egal zu sein scheint: Hier, auf dem Berg, liegt noch Schnee. Und ich spaziere in Turnschuhen hindurch.

reisereporterin Leonie wandert auf dem Storstein durch Schneefelder
Juni, Juni: Dass in den Höhenlagen um Tromsø, wie hier auf dem Storstein, auch im Frühsommer noch Schnee liegt, ist leider kein Scherz. Foto: Kristina Schröder

Dass ich einen Kurzurlaub in Tromsø mache, ist das Ergebnis mehrerer Zufälle. Meine Großcousine lebt seit einigen Jahren in der Stadt, ich war gerade in Oslo und hatte einige Tage Luft zwischen der Norwegenreise mit der einen Freundin und dem Stockholm-Trip mit der anderen. Warum also nicht nach Tromsø fliegen? 

344 Kilometer nördlich des Polarkreises

Schon als ich in dem kleinen Flughafen ankomme, wo das Gepäckband direkt in der Ankunfts-/Abflugs-/Wartehalle steht, ist mir die Stadt sympathisch. Kristina holt mich ab und noch auf dem Weg zu ihrem Zuhause halten wir an, um die atemberaubende Landschaft zu fotografieren. Ich steige aus dem Auto und atme ein. Gefühlt so tief wie noch nie zuvor. Die Luft ist so klar, sauber und, ja, kalt, dass mir hiernach alles andere versmogt vorkommen wird, da bin ich mir sicher. 

Blick auf einen Steg in Tromsø mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund.
Luft wie frisch gewaschene Wäsche, an einem kühlen Tag zum Trocknen raus gehängt: Tromsø heißt Besucher herzlich willkommen. Foto: Greife

An dem kleinen Kiesstrand trifft Kristina eine Bekannte, die sich mit ihrer Kamera und einem Stativ auf dem Steg positioniert hat. Kristina ist Architektin und Fotografin, die Frau kennt sie, von der Instagram-Community in Tromsø. Wo die Umgebung teils kalt und rau erscheint, blüht die Kultur umso wärmer und bunter. Das wird mir in den nächsten Tagen immer wieder bewusst. 

Die nördlichste Universität der Welt

Ob es an den vielen Studenten liegt, die die Stadt jung und multikulturell halten? An meinem ersten Morgen in Tromsø jogge ich auf einer der vielen Langlaufloipen, die im Sommer perfekte Laufstrecken sind, durch Wälder entlang an Seen, Bergpanoramen und an der Erdsatellit-Station vorbei zum Unigelände. Rund 15.500 Studierende besuchen den nördlichsten Campus der Welt. In der Stadt trifft man sie immer wieder in Bars, bei einem der Musikfestivals oder dem kultigen „Verdensteatret“, einem hundert Jahre alten Kino. 

Polar-Architektur

Das Kino ist nur eines der interessanten Gebäude der Stadt. Tromsøs Architektur ist vielfältig: Da ist der zitronengelbe Turm der hölzernen Domkirche in neogotischem Stil, das moderne Rathaus mit der Bibliothek, die hinter verglasten, bogenförmigen Wänden liegt, das vom Architekten Jan Inge Hovig in den sechziger Jahren entworfene Alfheim Schwimmbad.

Alfheim Schwimmbad in Tromsø, Norwegen.
Durch die großen Glasfenster des Alfheim Schwimmbads haben Besucher einen fantastischen Blick auf den Fjord und den Berg Storstein. Foto: Greife

Und natürlich die berühmte Eismeerkathedrale. Sie liegt außerhalb des Stadtzentrums in Tromsdal am anderen Ende der Tromsøbrua, die den Stadtteil und den Storstein mit der Innenstadt verbindet. Die Kirche ist das Wahrzeichen der Stadt und wurde ebenfalls 1965 von Hovig entworfen. Im Sommer finden hier Mittsommerkonzerte statt.

Von der Innenstadt oder der Brücke hat man einen guten Blick auf das markante Bauwerk, das an Eisplatten, die aufeinander geschoben werden, erinnert.

Blick auf die Eismeerkathedrale in Tromsø von der Tromsøbruabrua, Norwegen
Von der Tromsøbrua blickt man direkt auf das Buntglasfenster der Eismeerkathedrale, eines der größten in Europa. Foto: pixabay.com/sharonang
 

Auch Museen gibt es viele in Tromsø. Da wir diesen Urlaub aber zur Fotosafari erklärt haben, lasse ich das Polaria, das Polarmuseum und das Tromsö-Museum links liegen. Dafür schlendern wir an einem Nachmittag durch das Freilichtmuseum Skansen, dessen altertümliche norwegische Häuser herrlich fotogen sind.

Auf Sommarøya stehen bunte Holzhäuser zwischen grünen Hügeln.
Idyllisch: Auf Sommarøya stehen bunte Holzhäuser, wie die im Freiluftmuseum Skansen, zwischen grünen Hügeln. Foto: Greife

Genauso wie die Aussicht auf dem Storstein. Deshalb stehe ich jetzt auch hier und friere. 400 Meter ragt er über der Stadt auf, die Fjellheisen-Gondel fährt fast bis nach oben. Wenn kein Schnee liegen würde, könnten wir auch hoch wandern. Irgendwie ist es aber schon cool, im Juni in dicker Jacke und Mütze zu posieren. 

Rendezvous mit Rentieren

Mit dem Auto fahren wir auf Kvaløya und Sommerøya, zwei Inseln bei Tromsø. Die Schönheit der Natur ist wirklich gewaltig. Immer wieder öffnen sich Fjorde, kleine Inselchen treiben im Meer wie Buckelwale, zwischen den schneebedeckten Bergen hängen grau und zerzaust die Wolken.

Die Fjorde bei Tromsø sind selbst wolkenverhangen imposant.
Beeindruckende Schönheit: Die Fjorde bei Tromsø sind selbst wolkenverhangen imposant. Foto: Kristina Schröder

Auf dem Rückweg springen Rentiere über die Straße, grasen am Meer und lassen mich gedanklich einen Punkt auf meiner Bucket List abhaken: Wilde Rentiere gesehen – check. 

Rentiere kreuzen die Straße und grasen am Wegesrand bei Tromsø.
Gespottet: Rentiere kreuzen die Straße und grasen am Wegesrand. Foto: Kristina Schröder

Ein weiterer Punkt muss leider noch ein bisschen warten. Die Mitternachtssonne sehe ich nicht während meiner Reise, dazu ist es zu bewölkt. Normalerweise ist das Spektakel, bei dem sich Schaulustige auf dem Storstein versammeln um zu bestaunen – und zu fotografieren – wie die Sonne sachte den Horizont küsst und dann langsam wieder emporsteigt, ein Muss beim Sommerurlaub in Tromsø. Enttäuscht bin ich trotzdem nicht. Denn Tromsø ist auch so einer der magischsten Orte, die ich kenne.

Bucht auf Kvaløya an einem wolkenverhangenen Tag.
reisereporterin Leonie bei einer Bucht auf Kvaløya, einer Nachbarinsel von Tromsø. Foto: Kristina Schröder

Tipps für den Urlaub in Tromsø

Anreise: Über Oslo mit Norwegian. Die Flugzeit ab der norwegischen Hauptstadt beträgt noch knapp zwei Stunden. 

Reisezeit: Sowohl die Sommer-, als auch die Wintermonate haben ihren Reiz. Im Sommer ist die Mitternachtssonne ein Spektakel, im Winter tanzen Nordlichter über den Himmel. Das ganze Jahr über finden verschiedene Veranstaltungen und Festivals statt: 

Januar: Open-Air-Kino im Januar? Weit nördlich des Polarkreises? Ist gemütlicher, als es klingt! Weil es in Tromsø in den Wintermonaten der Polarnacht nicht hell wird, können beim Tromsø International Film Festival (TIFF) vom 15. Bis zum 21. Januar auch tagsüber draußen Filme gezeigt werden, mitten auf dem Hauptplatz. Selbst wenn es schneit. Über den Bildschirm flimmern einige nordische Kurzfilme und Dokumentationen. In fünf weiteren Locations werden auch internationale Filme ausgestrahlt. In der letzten Januarwoche holt das Northern Lights Festival Jazz-, Opern- und Orchestermusik in die Stadt. 

Juni: Wenn die Tage am längsten sind und die Sonne nie ganz untergeht, finden sich hunderte Sportler in Tromsø ein um nachts einen Marathon, Halbmarathon, zehn oder 4,2 Kilometer zu laufen. 2018 findet der Mitternachtssonnen-Marathon am 16. Juni statt. 

Juli: Beim Bukta-Festival rocken vor allem norwegische und US-amerikanische Bands die Bühne. Dieses Jahr waren beispielsweise highlikakite und Alice Cooper am Start.  

August: Der legendäre Rakettkiosk inspirierte zum RakettNatt-Festival, das dieses Jahr am 25. und 26. August stattgefunden hat und namenhafte Künstler wie Years & Years und M.I.A. nach Tromsø holte. Tromsøs inoffizielles Wahrzeichen ist das Maskottchen des Musikevents.

Oktober: Im Herbst ist die Zeit wieder reif für Insomnia. Das Festival für Elektro und Techno lässt vom 26. bis zum 28. Oktober die Bässe wummern. 

Essen und Trinken: Auswärts essen und trinken ist in Tromsø, wie in Norwegen generell, verhältnismäßig teuer. Ein Besuch beim Raketen-Kiosk gehört aber auf jeden Fall dazu. Die runde Hütte auf dem Marktplatz ist der Kult-Ort für gute Hot Dogs. Der Kiosk wurde vor mehr als 100 Jahren von der 18-jährigen Margit Løkke gegründet, einer Visionärin ihrer Zeit. 

Rakettkiosken | Erlings Bangsunds plass 1 | Dienstag bis Freitag von 12 Uhr bis 17 Uhr, Samstag von 11 Uhr bis 16 Uhr 

Direkt neben der Mikrobrauerei Mack, der nördlichsten Brauerei der Welt, steht Macks Bierhalle. Der Pub von 1928 ist der älteste der Stadt, und liegt im Zentrum von Tromsø, in der Nähe vom Polaria. Hier kannst du auch das Bier der Brauerei als Souvenir zum Mitbringen kaufen. Zum Trinken vor Ort gibt es 67 verschiedene Biere vom Fass.  

Ølhallen | Storgata 4 | Montag bis Mittwoch von 10 Uhr bis 19.30 Uhr, Donnerstag bis Samstag von 10 Uhr bis 0.30 Uhr. 

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