Reiturlaub mit der Familie in Arizona | reisereporter.de

Leben wie ein Cowboy: Reiturlaub in Arizona

Blühende Kakteen und staubige Wüsten: Wer den Wilden Westen in Arizona erleben möchte, der sollte sich auf ein Pferd setzen. reisereporterin Heike erzählt vom Familienurlaub auf der Ranch.

Ein Ausritt bei Sonnenuntergang ist im Saguaro-Nationalpark ein ganz besonderes Erlebnis.
Was für eine Kulisse: Ein Ausritt bei Sonnenuntergang ist im Saguaro-Nationalpark ein ganz besonderes Erlebnis.

Foto: Tanque Verde Ranch

Ein Falke zieht hoch am Himmel seine Kreise. „Schaut, dort in dem Saguaro-Kaktus ist das Nest. Dort sitzt das Weibchen mit seinen Jungen“, erklärt Tom Spirito. Der Wrangler begleitet uns bei unserem letzten Ausritt durch die Wüste Arizonas. Die Pferde schnauben. Der sandige Staub, den ihre Hufen aufwirbeln, kitzelt sie wie uns in der Nase.

Nach knapp zwei Wochen im Wilden Westen sind die Reitklamotten staubgepudert. Macht nichts. Im Gegenteil. Es komplettiert nur ein Gefühl vom Wilden Westen – so wie er einst gewesen sein mag, so wie er heute noch ist: eine wilde, raue Naturschönheit mit schroffen Felsen, im Frühjahr mit wunderbar bunt blühenden Kakteen und einem kühlenden Wind. Ja, es ist ein Gefühl von Freiheit, das aber mit dem Respekt vor der Natur gepaart ist. Wenn du Arizona erleben möchtest, solltest du dich auf ein Pferd setzen und ausreiten.

Das geht besonders gut, wenn du dich auf einer Ranch einmietest. In Arizona gibt es einige, die Gäste aufnehmen. Sie können ganz unterschiedlich sein. Da sind die einen, die wie eine Art Sternehotel mit Restaurantbetrieb und Ganztagskinderbetreuung aufgestellt sind, und andere, die sehr familiär geführt werden. Bei denen Eltern und Kinder gemeinsam ausreiten, die Kids allein für ihr Spielprogramm zuständig sind, alle Gäste nachmittags nach einem Ausritt zusammen im und am Pool sowie abends rund um einen großen Esstisch sitzen. Beides hat seinen Charme.

Für Freizeitreiter, die etwas Luxus gewohnt sind

Die Tanque Verde Ranch bei Tucson setzt eher auf die Freizeit-Reiter, die ein wenig Luxus gewohnt sind. Die Pferde stehen auf einem Paddock, also einer Koppel, gleich neben der Einfahrt. Vor allem die Kinder lieben es, abends nach dem Essen im Restaurant den vierbeinigen Freunden noch einmal über die Nüstern zu streicheln. Ansonsten sind die kleineren Gäste von acht bis 16 Uhr gut beschäftigt. Ohne die Erwachsenen.

Typisch für Arizona: Die Lobby der Tanque Verde Ranch bei Tucson im klassischen Wild-West-Stil.
Typisch für Arizona: Die Lobby der Tanque Verde Ranch bei Tucson im klassischen Wild-West-Stil. Foto: Tanque Verde Ranch

Eingeteilt in drei Altersgruppen gehen die Mädchen und Jungen fischen, spielen Tennis und reiten natürlich auch. Doch ein gemeinsamer Reitausflug mit den Eltern muss zuvor abgesprochen werden. Die Eltern können die Kinder zwar jederzeit begleiten – die Kinder die Eltern hingegen nicht. Dass die Erwachsenen ab und an allein losreiten, kann durchaus sinnvoll sein – wenn sie beispielsweise einmal einen Ganztagesausritt machen wollen, der für Kinder zu anstrengend wäre. So wie der Ausritt mit Joe Valdez durch den Saguaro-Nationalpark.

Ritt durch den Saguare-Nationalpark

Morgens um acht Uhr geht es los. Watson, ein gemütlicher Fuchs mit weißen Einsprengseln im Fell, steht gesattelt bereit. Wer auf der Ranch Gast ist, braucht sich um das Satteln und Trensen keine Gedanken zu machen. Zwei Wasserflaschen sind in den Packtaschen verstaut. Dazu ein Lunchpaket. Obwohl es noch längst nicht so heiß wie im Sommer ist, sondern es durchschnittlich etwa 24 Grad Celsius sind, ist Wasser extrem wichtig. „Man sollte die Wüste nie unterschätzen“, sagt Joe. Der Wrangler ist in Arizona groß geworden. „Ich habe schon erschöpften Wanderern Wasser abgegeben“, berichtet er. Zumindest auf dem ersten Stück durch den Nationalpark treffen wir auch einige. Doch je weiter wir in die Natur vordringen, desto spärlicher werden die Begegnungen.

Joe Valdez reitet mit reisereporterin Heike durch den Wilden Westen in Arizona.
Joe Valdez reitet mit reisereporterin Heike durch den Wilden Westen. Foto: Heike Schmidt

Die Pferde steigen Felsen hinab, vor denen viele andere Pferde längst kapituliert hätten. Sie gehen an stachligen Kakteen vorbei, laufen durch ausgetrocknete Flussbetten und immer wieder über Felsbrocken von der Größe ausgewachsener Traktorreifen. Es ist ruhig. Keiner redet. Die Sonne steht hoch. Der Himmel ist blitzeblau. An einem kleinen See, den es nur im Frühjahr gibt, machen wir Pause und lassen die Pferde trinken.

„Schlangen, geht weg!“, ruft Joe und klopft mit einem Stock gegen einen umgefallenen Baumstamm, den er sich als Sitzgelegenheit ausgeguckt hat. Ja, hier oben gibt es die gefürchteten Klapperschlangen. Heute scheinen sie sich allerdings verzogen zu haben.

Im Wilden Westen macht man keine großen Worte.

Nach einer halben Stunde machen wir uns auf den Rückweg. „Tut dir was weh?“, will Joe nach sieben Stunden im Sattel wissen. „Nein.“ Nie würde ich etwas anderes sagen. „Mir schon, mein Hintern“, sagt er lachend. Wir grinsen uns an. Er weiß, dass es mir genauso geht. Aber: Im Wilden Westen macht man keine großen Worte.

Das ist auch bei den Ausritten mit den Kindern so. Normalerweise redet meine kleine Mitreiterin weitgehend durchgängig. Aber in der Wüste wird die Achtjährige still. Statt zu reden, singt sie leise vor sich hin. Ich spüre, dass das kleine Mädchen glücklich ist.

Familiär: Auf der „Flying E Ranch“ bei Wickenburg schließen Kinder wie Lilly (links) und Nike schnell Freundschaften.
Familiär: Auf der „Flying E Ranch“ bei Wickenburg schließen Kinder wie Lilly (links) und Nike schnell Freundschaften. Foto: Heike Schmidt

Der Wrangler reitet vorweg, wir hinterher. Inzwischen sind wir auf der zweiten Ranch unserer Reise, der Flying E Ranch bei Wickenburg, angekommen. Der Betrieb ist viel kleiner und familiärer. Neuankömmlinge stellen sich beim Abendessen vor, werden mit Applaus begrüßt und in die Familie auf Zeit aufgenommen. Auch hier werden Ausritte geplant und die Pferde bereits gesattelt gebracht. Dabei, wer mit wem ausreitet, wird aber auf Familien geachtet. Mutter und Tochter reiten gemeinsam aus. Täglich zweimal. Einmal vor dem Mittagessen, einmal danach.

Tom Spirito führt uns mit den Pferden durch die Wüste. Er ist eigentlich Rentner und ist „nur nebenher“ Wrangler, weil er das Land liebt, die Wüste und die Tiere, die dort leben. „Schaut mal, das ist ein Apachen-Schuh“, sagt er, zügelt sein Pferd neben einem Saguaro-Kaktus und steigt ab. Das, was er aufhebt, sieht tatsächlich so aus wie ein Schuh – ist aber ein Vogelnest. „Wenn der Saguaro stirbt und verwest, darin aber die Vögel Nester gebaut haben, bleiben die Nester erhalten” – und sehen aus wie Schuhe. Ein Hase hoppelt vorbei, und Erdmännchen verschwinden in rasender Schnelle in ihren Löchern. Die Pferde kratzt das alles nicht. Auch nicht der Falke, der hoch über ihnen seine Kreise am Himmel zieht. „Schaut, dort in dem Saguaro-Kaktus ist das Nest. Dort sitzt das Weibchen mit seinen Jungen“, erklärt Tom: „Ihr Mann passt auf.“

Die Pferde lassen den sandigen Boden aufstauben und pudern die Klamotten. Die Luft ist staubtrocken. Das Leder des Sattels knarzt ein wenig. Ansonsten ist nichts zu hören. Ab und an schnaubt eines der Pferde. Entfernt ruft der Falke und zieht gleichmäßig seine Kreise über der Wüste.

Tipps für Urlaub in Arizona

Anreise: Direktflüge von Deutschland aus gibt es nicht. American Airlines fliegt beispielsweise von Frankfurt aus nach Charlotte oder Philadelphia, von dort aus geht es weiter nach Phoenix, dann am bequemsten mit einem Leihwagen zur Ranch.

Einreise: Für eine Reise in die USA benötigen deutsche Staatsangehörige einen maschinenlesbaren Reisepass sowie eine vorherige Registrierung auf dem Esta-Portal – Kosten: 14 Dollar, zahlbar per Kreditkarte.

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Die Autorin
Dr. Heike Schmidt, redaktionelle Chefin der Madsack-Anzeigenzeitungen, ist begeisterte Sportlerin: Reiten, Schwimmen, Skifahren – Hauptsache Action im Urlaub. Und wenn ihr das einm ... mehr
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