Ordentlich aufeinandergestapelt liegen die Eichenfässer im Keller der Mönchguter Hofbrennerei „Zur Strandburg“. Verfärbungen sind an manchen von ihnen zu sehen. Gebrauchsspuren, die ein hohes Alter vermuten lassen. Die sogenannten Barrique-Fässer - jedes fasst 225 Liter – lagern hier auf rund 300 Quadratmetern in Alt Reddevitz im Südosten der Insel Rügen. Im Inneren ein wertvolles Gut: Whisky. 

Der gelernte Brenner Thomas Kliesow geht zur Qualitätskontrolle des sogenannten flüssigen Goldes in den Keller. Er zieht einen Korken aus dem Spundloch eines Fasses und führt ihn an die Nase. „Der angenehm süßliche Geruch ist unverkennbar“, sagt der 48-Jährige. „Das liegt daran, dass es sich um ein altes Sherry-Fass handelt.“ 

Sommermagazin: Thomas Kliesow brennt in seiner Brennerei 20 verschiedene Sorten Schnaps. Darunter Geister, Brände und Whisky. Mittwochs finden Führungen statt.
Sommermagazin: Thomas Kliesow brennt in seiner Brennerei 20 verschiedene Sorten Schnaps. Darunter Geister, Brände und Whisky. Mittwochs finden Führungen statt. Foto: OZ

Seit zehn Jahren betreibt der Rüganer seine Destillerie als Familienbetrieb. Drei Generationen arbeiten hier zusammen. „Whisky zu brennen, erfordert Unmengen an Erfahrung. Wir stehen noch am Anfang und wollen uns langsam herantasten“, sagt der Unternehmer. Etwa 150 Whisky-Brennereien gebe es in Deutschland

Die Destillerie zu gründen, sei anfangs eine „Schnapsidee“ gewesen, erinnert sich Kliesow. Zwar betrieb er schon eine Gastronomie mit kleiner Bierbrauerei auf dem Hof seiner Schwiegereltern, doch ihn reizten die hochprozentigen Spirituosen. Als idealer Ort stellte sich für eine Brennerei die alte Strandburg heraus, die seine Vorfahren um 1900 in Alt Reddevitz bauten. 

Kliesow kaufte 2002 das zur Ruine verkommene ehemalige Hotel, besuchte Fachseminare, beantragte das Brennrecht und kaufte zwei Brennblasen. 2007 eröffnete er dann seine Verschlussbrennerei - die Zweite im Bereich Rügen. Denn auch auf Ummanz wird Schnaps hergestellt. 

Was heute destilliert wird, kann frühestens ab 2020 verkauft werden. 

20 Produkte zählt das Sortiment des Betriebes auf Mönchgut. Obstbrände, Geister, Aquavit und Liköre gehören dazu. Etwa 3.000 Flaschen Whisky befüllen die Kliesows im Jahr. 

„Für dieses Destillat aus gemälztem Getreide – wir nehmen Gerste und Weizen – brauche ich Geduld. Mindestens 1096 Tage muss das Destillat laut Vorschrift in Holzfässern lagern, ansonsten darf es nicht Whisky genannt werden“, erklärt der Brenner. Was heute destilliert wird, kann deshalb frühestens ab 2020 verkauft werden. 

Viel Handarbeit steckt in den Produkten. Schroten, maischen, destillieren, lagern, abfüllen und etikettieren – jeden Schritt bewerkstelligen die sechs Familienmitglieder. Bis zu drei Mal in der Woche wird in den kupferfarbenen Brennblasen durch fachmännisch gesteuerte physikalische Prozesse, der Alkohol aus Frucht- und Getreidemaischen abdestilliert. 
Wenn Kliesow die Prozesse beschreibt, ist seine Leidenschaft förmlich spürbar. Fachbegriffe, Mengenangaben, rechtliche Vorschriften – alles hat der Profi verinnerlicht.

Das merken auch die Besucher seiner Führungen. Jeden Mittwoch – und in der Hauptsaison auch am Freitag – um 16.00 Uhr erklärt der Brenner die Destillation von Bränden und Geisten. 17.00 Uhr geht es noch weiter in den Whisky-Keller, wo das wertvolle Getreidedestillat und der Whisky aus dem Fass probiert wird. 

Den Erklärungen haben auch Matthias Pleßing und Otto Nertens aus Gotha (Thüringen) interessiert gelauscht. „Fachlich hat er es sehr gut dargelegt und viele interessante Details erzählt“, sagt der 48-jährige Pleßing. „Wir haben schon mehrere Destillen besucht - auch in Schottland, wo das Getränk eine hunderte Jahre lange Tradition hat. Wir wollten sehen, ob es hier genauso schmeckt.“ Eine Führung durch den Keller lassen sich die beiden nicht entgehen. 
Marita Weise aus Dresden hat im Anschluss an die Führung mit ihren Freunden schon mit dem Probieren der verschiedenen Obstbrandsorten begonnen. „Alle Sorten schmecken wirklich sehr gut“, resümiert die 41-Jährige. „Aber ich muss sagen, dass die Schwarze Johannisbeere und der Himbeer-Brand meine Favoriten sind.“  

Hofbrennerei | Hövt 36, 18586 Alt Reddevitz | Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag von 10 Uhr bis 18 Uhr | Führungen: Mittwochs und freitags: Brennerei 16 Uhr, Whisky-Keller 17 Uhr | Preise: Whisky-Keller: 3,50 Euro, Verkostung: 5 Euro