Es ist ruhig auf der Storchenwiese im Vogelpark Marlow. Die 30 Schreitvögel haben sich in der Abenddämmerungin ihre Nester zurückgezogen. Sie verstecken sich im hohen Gras. „Vorhin waren sie noch deutlich aktiver. Es saß sogar einer auf diesem Geländer“, erzählt Lennart Burow, der mit seinem Bruder Henry, dessen Frau Almuth und seiner Freundin Sandy auf der Terrasse des sogenannten Storchennestes Platz genommen hat. Von ihrer Unterkunft aus haben sie ideale Sicht auf die Anlage.

Platz für vier Personen auf 50 Quadratmetern des „Storchennestes“ im Vogelpark Marlow.
Platz für vier Personen auf 50 Quadratmetern des „Storchennestes“. Foto: OZ

Die beiden Pärchen verbringen nicht nur den Tag, sondern auch eine Nacht im Vogelpark – und das inmitten des Geheges. Vier verschiedene Häuser, die Platz für zwei bis sechs Personen bieten, sind auf dem Gelände in Marlow verteilt. Alle befinden sich an oder in den Tieranlagen. Störche, Keas, Varis und Kattas kommen den Schlafgästen so näher als bei einem normalen Parkbesuch.

Jetzt lernen wir den Park von einer ganz anderen Seite kennen.

 

„Die Übernachtung war ein Geschenk unserer Eltern“, sagt Henry Burow. „Vor etwa acht Jahren waren wir schon einmal hier. Jetzt lernen wir den Park von einer ganz anderen Seite kennen“, ergänzt der 25-Jährige. Das „Storchennest“ ist ein etwa 50 Quadratmeter großes Stelzenhaus aus Holz mit zwei Schlafzimmern und einer Terrasse. Zum Bad mit WC und Dusche müssen die Gäste aber etwa 60 Meter weit laufen. Auch eine Heizung gibt es nicht.

„Eine Übernachtung bei uns soll ein kleines Abenteuer sein“, sagt Franziska Zöger vom Vogelpark. „Das Erlebnis und nicht der Komfort steht im Mittelpunkt.“ Die Ausstattung sei nebensächlich – da sind sich auch die weiblichen Besucher einig. „Wir sind sowieso keine Luxusurlauber“, meint Almuth Hempelmann-Burow. „Das Nötigste ist vorhanden und der Stil ist besonders. Man fühlt sich wie in einem Baumhaus. Wann hat man schon mal die Gelegenheit, umgeben von Tieren eine Nacht zu verbringen?“, fragt die Theologiestudentin.

Platz für vier Personen auf 50 Quadratmetern des „Storchennestes“ im Vogelpark Marlow.
Platz für vier Personen auf 50 Quadratmetern des „Storchennestes“. Foto: OZ

Doch lediglich bei den Vögeln zu übernachten, ist der Gruppe nicht genug. Sie wollen mehr über die etwa 1200 Tiere im Park erfahren und gehen deshalb mit Tierpflegerin Gundula Schmidt auf „Schläfertour“. Erster Halt des Rundgangs in den Abendstunden ist bei den Keas. Die Vögel haben Hunger: Nüsse und Eier schnappen sie ihren Gästen schnell aus den Fingern. Ohne Scheu fliegen die Papageien aus Neuseeland auf sie zu. Die grün gefiederten Vögel knabbern an Schnürsenkeln und klettern auf die Schultern der Besucher. „Keas sind sehr neugierig und schlau“, erklärt die Tierpflegerin. „Deshalb sind sie auch verspielt und nehmen alles genau unter die Lupe.“

Ein Kea auf der Schulter von Lennart Burow im Vogelpark Marlow.
Frecher Papagei: Ein Kea auf der Schulter von Lennart Burow. Foto: OZ

Weiter geht es zu den Loris, die die fünf lautstark begrüßen. „Wenn die Vögel sich über den Winter im Haus aufhalten, gehen wir nur mit Gehörschutz hinein“, erzählt Gundula Schmidt. Während flüssiger Pollennektar in Schalen verteilt wird, landet einer der Vögel auf dem Kopf von Almuth Hempelmann-Burow. „Du bist aber ganz schön frech“, sagt die Rostockerin unter dem Gelächter ihrer Begleiter.

Ein Lori sitzt auf dem Kopf von Almuth Hempelmann-Burow im Vogelpark Marlow.
Ein Lori hat beim Füttern keine Scheu vor Almuth Hempelmann-Burow. Foto: OZ

Auch den Roten Varis und Kattas wird noch das Abendbrot gebracht. „Die finde ich alle besonders süß“, sagt Sandy Skotniczny aus Nordrhein-Westfalen, die von den Primaten verzückt ist. Nach einer guten Stunde verabschiedet sich die Tierpflegerin von dem kleinen Tross. „Ich wünsche euch eine Gute Nacht“, sagt die 29-Jährige und winkt zum Abschied. Die vier machen sich wieder auf dem Weg zum Storchennest. Von jetzt an sind sie allein im Park. „Ich bin gespannt, wann uns das Vogelgezwitscher morgen wecken wird“, sagt sich Lennart Burow, als sie ihren Schlafplatz erreichen. 

Vogelpark Marlow | Kölzower Chaussee 1, 18337 Marlow | Telefon: 038221/265 | Öffnungszeiten: täglich 10 bis 19 Uhr | Eintritt: Erwachsene 13,90 Euro, Kinder (3 bis 16 Jahre) 9,90 Euro | Parken: kostenfrei vor dem Park

Übernachten im Vogelpark: Zwischen 90 und 250 Euro pro Haus. Hinzu kommt eine Pauschale (Erwachsene 20 Euro, Kinder 16 Euro) für Frühstück und zwei Tage Eintritt. Eine Führung in den Abendstunden kostet 60 Euro pro Unterkunft.

Hier kannst du auch im Zoo übernachten

Baumhaus im Zoo Schwerin | An der Crivitzer Chaussee 1, 19061 Schwerin | Telefon: 0385 / 395510 | 40 Quadratmeter für bis zu sechs Personen kosten 225 Euro inklusive Eintritt für alle Schlafgäste in den Zoo.