Spanien: Proteste gegen Urlauber | reisereporter.de

„Tourist go home!“ – Proteste gegen Urlauber in Spanien

In den vergangenen Tagen haben linksradikale Gruppen in Barcelona und Palma de Mallorca gegen Touristen protestiert. Die Mitglieder wollen damit auf die Gentrifizierung aufmerksam machen, die der Massentourismus in ihre Städte bringt.

Auf Mallorca zündeten die Mitglieder der Jugendorganisation „Arras“ Rauchfackeln und hielten Protest-Plakate hoch.
Auf Mallorca zündeten die Mitglieder der Jugendorganisation „Arras“ unter anderem am Yachthafen Rauchfackeln und hielten Protest-Plakate hoch.

Foto: Screenshot: Facebook-Video/Arran Països Catalans

Auf der Balearen-Insel Mallorca demonstrieren zahlreiche Jugendliche gegen den Massentourismus. Sie sollen Mitglieder der  linksradikalen Jugendorganisation Arran sein. Zuvor sollen sie einen Sightseeing-Bus in Barcelona in der vergangene Woche attackiert haben. 

Wie die Mallorca-Zeitung berichtet, protestierten die Aktivisten mit „Tourismus tötet Mallorca“-Plakaten auf einer Strandpromenade bei Palma. Sie feuerten Rauchbomben über Yachten ab, etwa 20 Jugendliche mit Arran-T-Shirts liefen durch das Restaurant „Mar de Nudos“ und bewarfen die Gäste mit Konfetti. Ein Video der Aktion postete die Gruppe auf ihrer Facebook-Seite

Bei dem Angriff am vergangen Donnerstag in Barcelona (27. Juli 2017) zerstachen vier der Mitglieder die Reifen eines Touristen-Doppeldeckerbusses und besprühten die Windschutzscheibe mit der Parole „Der Tourismus tötet Nachbarschaften“. Die Insassen kamen mit einem ordentlichen Schrecken davon.

Arran, eine vorwiegend in Katalonien beheimatete Splittergruppe links-separatistischer Aktivisten, forderte auf ihrem Twitter-Account: „Stoppt den Massentourismus, der Mallorca zerstört und die Arbeiterklasse der katalanischen Länder in die Misere stürzt!“

Woher kommt diese heftige Abneigung gegen die Urlauber? Viele Einheimische sind der Ansicht, dass der Massentourismus die Städte zerstört: Alte Geschäfte müssen Souvenir-Shops weichen und die Wohnungspreise werden durch Wohnungsportale wie Airbnb in die Höhe getrieben. Viele Wohnungsbesitzer vermieten eben lieber teurer an Touristen als an Einheimische.

Für die wird der Wohnraum deshalb knapp, sie können sich das Leben in Touristen-Hochburgen wie Barcelona und Mallorca nicht mehr leisten. Jedes Jahr bricht Spanien neue Besucher-Rekorde – im Jahr 2016 kamen 75,6 Millionen Touristen in das Land, wie unter anderem „El País“ berichtet – und die Einheimischen zahlen offenbar den Preis dafür.

Bereits seit 2012 gibt es in Barcelona deshalb ein Gesetz, nach dem alle Immobilien, die bei Airbnb angeboten werden, auch in einem regionalen Touristenregister gelistet sein müssen. Viele Inserate hielten sich allerdings nicht daran. Deshalb musste Airbnb nach Angaben von „The Local“ schon im letzten Jahr 600.000 Euro Strafe an die Stadt Barcelona zahlen.

In den vergangenen Monaten kam es immer wieder zu Konflikten, die Mitte Juli mit der Einführung eines einfacheren Prozesses zur Abmahnung und Löschung illegaler Angebote beigelegt wurde. Eigentlich. Denn die linksradikalen Aktivisten und viele Einheimische scheinen damit nicht zufrieden zu sein und bringen ihren Unmut in Protesten, Demos und zahlreichen „Tourist go home“-Graffitis zum Ausdruck. 

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