Für viele Skifahrer ist es mittlerweile Tradition. Schnell noch vor dem Abendessen mit dem Skipass an den Computer, kurz darauf lässt sich das Tagwerk auf den Meter genau ablesen. Die Anzahl der benutzten Lifte, die Höhenmeter und die am Tag zurückgelegten Pistenkilometer, alles ganz genau per Chip protokolliert und jederzeit abrufbar.

Diesen Service gibt es auf der Gerlitzen Alpe nicht! Es würde auch nicht allzu viel Sinn machen, denn mit 42 Kilometern und lediglich 15 Liftanlagen gehört das Skigebiet in Kärnten zu den kleineren des Landes. Was aber nicht heißt, dass Skifahrer hier nicht auf ihre Kosten kommen.

Skischulen für Anfänger

Das Skigebiet am Ossiacher See, nur ein paar Kilometer entfernt von Villach ist für die meisten Touristen, die im Winter hier Ski fahren, ein entspannter Start mit offenem Ende. „Wir wollen hier nicht die Katze im Sack verkaufen“, sagt Werner Hardt-Stremayr vom Tourismusverband Kärnten. „Wer herkommt, um auf der Piste Kilometer zu bolzen, und Après-Ski mit Halligalli will, der ist hier falsch. Für Anfänger, Familien und Wiedereinsteiger ist die Gerlitzen Alpe jedoch ideal.“
Oben, auf dem in 1.911 Metern Höhe gelegenen Gipfel, der Glatze, wie die Einheimischen ihren Berg nennen, ist der Ausgangspunkt für alle Abfahrten, die zum Teil, wie etwa die 7,5 Kilometer lange Klösterle-Abfahrt, bis ins Tal hinuntergehen. Schwarze Pisten gibt es hier nicht, die Strecken sind dennoch abwechslungsreich und oftmals auch anspruchsvoll. Steilere Hänge wechseln sich fast immer mit flacheren Abschnitten ab, besonders für Anfänger eine gute Mischung. Und noch etwas fällt auf: Statt Felsvorsprüngen und nacktem Gestein begleiten auf allen Abfahrten weiß gekleidete Tannen die Skifahrer auf ihrem Weg hinunter ins Tal.

Vielleicht ist es die geografische Lage hier im Dreiländereck Österreich-Slowenien-Italien, vielleicht liegt es auch an der Mentalität der Menschen in dieser Region: Wer ein bisschen eintaucht in Geschichte und Gegenwart dieser Gegend, der merkt schnell, dass er mit Sturheit nicht weit kommt. Also arrangieren sich die Beteiligten, suchen nach Kompromissen. So funktioniert es in einer Gegend, die vom Tourismus lebt.

Zwei Skigebiete arbeiten zusammen

Da ist zum Beispiel die Dobratsch Villach Alpe, früher das mit der Gerlitzen Alpe konkurrierende Skigebiet der Region. Zwei kleine Skigebiete, nur ein paar Kilometer voneinander entfernt, das machte auf Dauer keinen Sinn. Also wurde die Liftanlagen auf der Villach Alpe abgebaut – und auf der Gerlitzen Alpe wieder aufgebaut. Dort tummeln sich seitdem die Skifahrer, auf dem Dobratsch sind nun die Schneewanderer und Rodler unterwegs. „Das ist das schönste Beispiel für sanften Tourismus, das ich kenne“, sagt Hardt-Stremayr.

Das größte Geschenk für die Region sei jedoch die Doppelsaisonalität, wie es der 62-Jährige nennt. „Unten das Wasser, oben der Schnee, das ist perfekt. Wandern, Skifahren, Schwimmen, Wassersport: Hier gibt es das ganze Jahr über immer etwas zu erleben.“ Ein Blick auf die Wanderkarte oder die Karte vom Skigebiet reicht hier völlig aus. Immer mit der Ruhe, nur keinen Stress. Den Wettlauf mit der Technik überlassen sie hier in Kärnten gern den anderen.