Freilichtmuseum Klockenhagen | reisereporter.de

Museum Klockenhagen: Backen wie vor 100 Jahren

Im Freilichtmuseum Klockenhagen bei Ribnitz-Damgarten wird noch wie vor 100 Jahren gebacken. Fachmann Gunnar Warnack erklärt Besuchern das alte Handwerk.

Schulkinder lernen im Freilichtmuseum Klockenhagen wie man Brot backt.
Mit den Fingerspitzen drücken und den Teig umschlagen: Halima, Collin, Mirko und Maximilian (v. li.) von der Grundschule Marlow haben genau zugehört, wie die Laibe geknetet werden müssen.

Foto: Schneider

Das Mehl staubt, als sich die neun Kinder der Grundschule Marlow (Vorpommern-Rügen) ihre Hände mit dem weißen Pulver einreiben. „Das ist nötig, damit der Teig nicht an euren Fingern klebt“, erklärt Bäcker Gunnar Warnack den Zweitklässlern im Freilichtmuseum Klockenhagen bei Ribnitz-Damgarten. 

Zuvor haben sich die Schüler die Hände gewaschen und eine Schürze umgebunden. „Wir arbeiten schließlich mit Lebensmitteln“, sagt der 36-Jährige. Aufmerksam lauschen die Schüler den Anweisungen des Profis, der ihnen das traditionelle Handwerk näherbringen möchte. 

Ich möchte das alte Handwerk erlebbar machen und zeigen, wie viel Arbeit dahinter steckt.

Dienstags bis sonntags erklärt Warnack den Besuchern des Museumsdorfes, wie vor 100 Jahren gebacken wurde. „Ich möchte das alte Handwerk erlebbar machen“, sagt der Experte, der sonst in der Backstube der „Müller’s Bäckerei“ in Ribnitz-Damgarten steht. „Heute werden Brötchen & Co. hauptsächlich industriell hergestellt. Ich zeige, wie viel Arbeit eigentlich dahinter steckt.“ Etwa 50 Kilogramm Sauerteig verarbeitet er am Tag in Klockenhagen. 

Gunnar Warnack backt im Freilichtmuseum Klockenhagen bei Ribnitz-Damgarten.
Bäcker Gunnar Warnack (36) zeigt im Freilichtmuseum Klockenhagen traditionelles Backhandwerk. Foto: Schneider

Dann geht es los: Mit ihren Fingerspitzen massieren seine „Lehrlinge“ den Teig aus Roggen- und Weizenmehl, Wasser sowie Hefe. Dann wird er umgeschlagen. Mehrfach wird das Prozedere wiederholt. 

„Igitt, der ist aber glitschig“, platzt es aus Jannis heraus, als er den Teig anfasst. Anschließend geht der Junge konzentriert ans Werk. „Ich möchte das Brot für meine Mama machen.“ 

Vorbild für das erst im Mai eröffnete Backhaus war eine alte Backstube in Hanstorf bei Rostock. „Diese wurde auf dem Gelände des Museums nachgebaut“, erzählt Wanack, der aus Wankendorf (Schleswig-Holstein) stammt. Dazu gehöre ein innenliegender Ofen mit einem Schornstein. 

Die Kinder haben den Teig ordentlich geknetet. Nun bringt der Bäcker die Brote in die gewünschte Form. Rund, länglich oder herzförmig - die Entscheidung fällt den Schülern schwer. Dann bestreuen sie die Laibe noch mit Mehl oder Körnern. Maximilian ist etwas zu stürmisch. In seinem Gesicht klebt Mehl. „Du siehst echt lustig aus“, sagt Collin und lacht über seinen Freund. 

Nach etwa zehn Minuten Ruhezeit kommen die Brote in den Ofen. Der Schamottstein-Ofen in einer Lehmhülle muss auf etwa 255 Grad Celsius vorgeheizt werden. „Das Feuer habe ich am Vortag um 14.00 Uhr entfacht“, erklärt Museumsmitarbeiter Martin Krybus. Bereits seit 7.00 Uhr ist der 50-Jährige heute im Einsatz, um die Asche zu entfernen. Übrig bleibt ein Glutbett, dass für die beste Hitze sorgt, erklärt der Experte. 

Martin Krybus backt Brot wie vor 100 Jahren im Freilichtmuseum Klockenhagen
Martin Krybus holt nach etwa 45 Minuten die Brote aus dem Ofen. Foto: Schneider

Interessiert lauscht Dieter Köhn aus Wörmlitz (Sachsen-Anhalt) den Erklärungen. „In meinem Garten habe ich einen Holzofen“, sagt der 61-Jährige. „Von den Profis kann ich aber noch einiges lernen.“ 

Beliebt bei seiner Familie ist das selbst gemachte Knoblauchbrot. „Aber es gelingt nicht immer alles“, sagt der Urlauber. 
Schinken, Zwiebel oder Bärlauch als Zutaten - auch in Klockenhagen stellt Warnack verschiedene Brotsorten her. 90 Stück produziert er am Tag. Im angrenzenden Hofladen gibt es außerdem Kaffee und Kuchen. 

Nach einer Dreiviertelstunde sind auch die Brote der Marlower Schüler durchgebacken. „Riecht das gut“, ist die erste Reaktion von Jenna. „Es ist noch schön warm“, schwärmt Finn. Der Achtjährige freut sich schon auf eine Kostprobe. 

Freilichtmuseum Klockenhagen | Mecklenburger Straße 57, 18311 Ribnitz-Damgarten | Öffnungszeiten: täglich von 10 Uhr bis 18 Uhr | Backen: Dienstag bis Sonntag ab 11 Uhr, solange der Teig reicht; Hofladen: Dienstag bis Sonntag, 8 Uhr bis 16 Uhr | Eintritt: Erwachsene: 8 Euro, Kinder (7 bis 16 Jahre): 3 Euro, Kinder (unter 7 Jahre): kostenlos, Brot backen: 5 Euro

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