Es ist laut. Und es ist heiß im Führerstand des Rasenden Rolands – bis zu 50 Grad kann es in der Lok der Kleinspurbahn auf Rügen werden, die mit etwa 30 Kilometern pro Stunde über die Gleise rattert. Den Bahnhof Putbus hat der Zug schon hinter sich gelassen und rattert vorbei an weitläufigen Feldern.

Immer wieder muss Jacob Segieth (20) mit der Dampfpfeife lautstark Autofahrer, Radwanderer oder Spaziergänger warnen, wenn sich der Rasende Roland den Bahnübergängen nähert. Jonas Süß (20) muss dem Kessel einheizen und schaufelt alle paar Minuten Kohle in das lodernde Feuer.

Pro Schicht fahren die zwei Männer vier Mal am Tag zwischen den Seebädern auf Deutschlands größter Insel hin und her, von Putbus über Binz, Sellin, Baabe nach Göhren. Die neun Wagen haben insgesamt 270 Sitzplätze.  

Etwa 24 Kilometer liegen die Bahnhöfe Putbus und Göhren auseinander, der Rasende Roland benötigt dafür etwa eine Stunde und 15 Minuten. Die Strecke mit einer Spurweite von 750 Millimetern befährt die bereits schon seit mehr als 100 Jahren. 

Der Rasende Roland fährt nur 30 Kilometer pro Stunde

Den Namen verdankt der Zug Wismut-Kumpeln, die in den 1960er Jahren zur Erholung auf die Insel kamen. Mit dem Schutzpatron „Roland“ verbanden sie, „gut behütet“ von A nach B zu gelangen. Ironisch war hingegen das „Rasend“ gemeint und bezog sich auf die eher gemütliche Reisegeschwindigkeit. 

Jacob und Jonas arbeiten in der 330-PS-Lok vom Modell Henschel 1938. Es ist eng, die Männer müssen ihre Bewegungen abstimmen. Jonas schaut durch die Feuertür. „Ich geb mal noch was nach“, sagt der 20-Jährige, greift zur Schaufel und schippt Steinkohle in das Feuerloch. Die Flammen lodern. 

Jonas Süß heizt dem Kessel des Rasenden Rolands ein.
Jonas Süß heizt dem Kessel des Rasenden Rolands ein. Foto: Geißler

Sie erzeugen eine Hitze von etwa 1.200 Grad Celsius, für eine Hin- und Rückfahrt benötigt die Bahn ungefähr 500 Kilogramm Kohlen und 2.000 Liter Wasser. Der dadurch entstehende Wasserdampf wird bis zu 400 Grad heiß und in einen Zylinder geleitet. „Durch den Druck des Dampfes werden die Kuppelstangen bewegt, die an den Rädern befestigt sind“, erklärt Jacob. Er schraubt an einem Regler, der neben dem Kessel angebracht ist und reguliert so den Druck.

Der Rasende Roland ist eine beliebte Touristenattraktion auf Rügen 

Kurz vor Binz heißt es: Abbremsen. Smartphones und Tablets werden von den vielen Schaulustigen am Bahnhof in die Höhe gestreckt, um den Zug bestmöglich im Bild festzuhalten. Die Bremsen quietschen, wenige Sekunden später sind die Wartenden in eine dicke Dampfwolke gehüllt, die über den Bahnsteig zieht. Die neuen Passagiere steigen in die Abteile. Nach einem lauten Pfiff geht die Fahrt weiter. 

Von Putbus aus fährt der Rasende Roland über Rügen bis nach Göhren.
Von Putbus aus fährt der Rasende Roland über Rügen bis nach Göhren. Foto: imago/blickwinkel

Von der harten Arbeit auf der Lok bekommen die Gäste in den Waggons nichts mit. Entspannt fahren sie von Seebad zu Seebad. Aufgeregt schaut Familie Pfeiffer aus den Fenstern der Bahn. Ihre Fahrräder hat sie in den extra dafür vorgesehenen Waggon gebracht. „Wir fahren mit dem Roland“, singt der dreijährige Paul begeistert. Ihn hält es kaum auf seinem Sitz. 

Rügen: Fahrt mit der Schmalspurbahn als Start für die Radtour

„Meine Jungs lieben die Lokomotive“, erklärt Mutter Nancy Pfeiffer, die noch den zweijährigen Karl auf dem Schoß hat. „Wir sind Rügen-Fans, und wenn wir hier sind, bestehen die beiden darauf, mit dem Zug zu fahren“, erzählt die 42-jährige Hamburgerin. 

Mutter mit zwei Kindern im Rasenden Roland auf Rügen
Paul (li.) und Karl aus Hamburg sind Fans des Rasenden Rolands. Deshalb ist eine Fahrt mit Mama Nancy Pfeiffer Pflicht. Foto: Schneider

Die Kinder sammeln außerdem die liebevoll gestalteten Kinderfahrkarten der Rügenschen Bäderbahn. Auch jetzt will Paul eine neue ergattern. Deshalb rennt der Junge im Abteil hinter dem Schaffner her, der ihm eine übergibt. In Sellin wollen sich die drei dann wieder aufs Fahrrad schwingen.

Infos für deine Fahrt mit dem Rasenden Roland

Abfahrtszeiten Putbus: täglich 8.08 Uhr, 10.08 Uhr, 12.08 Uhr, 14.08 Uhr, 16.08 Uhr, 18.08 Uhr und 20.08 Uhr

Abfahrtszeiten Göhren: täglich 8.49 Uhr, 9.53 Uhr, 10.49 Uhr, 11.53 Uhr, 12.49 Uhr, 13.53 Uhr, 14.49 Uhr, 15.53 Uhr, 16.49 Uhr, 17.53 Uhr, 18.49 Uhr und 19.53 Uhr

Preise (Auswahl): Einzelfahrkarte: Erwachsene: 11 Euro, Kinder (6-13 Jahre): 5,50 Euro, Familienkarte (2 Erwachsene und 2 Kinder): 23 Euro, Tageskarte: Erwachsene: 23 Euro, Kinder (6-13 Jahre): 11,50 Euro, Familienkarte (2 Erwachsene und 2 Kinder): 48 Euro, Fahrrad: 3 Euro, Führerstandmitfahrten: 34 Euro

Weitere Kleinbahnen in der Region 

Bad Doberan: Der „Molli“ fährt von Bad Doberan über Heiligendamm nach Kühlungsborn-West

Nordwestmecklenburg: Der „Lütt Kaffeebrenner“ fährt von Klütz über Stellshagen nach Reppenhagen.