Gründe für eine Reise nach Pittsburgh | reisereporter.de

Warum du Pittsburgh lieben wirst

Pittsburgh im Südwesten Pennsylvanias galt lange als schmutzige Industriestadt. Heute zählt sie zu den lebenswertesten Orten in den USA – sogar Barack Obama hat hier einen ganz speziellen Lieblingsplatz.

„Pamela's“-Inhaberin Gail Klingensmith mit einem prominenten Fan – Barack Obama.
„Pamela's“-Inhaberin Gail Klingensmith mit einem prominenten Fan – Barack Obama.

Foto: Sebastian Scherer

Ihr Name hält, was er verspricht: Der Ausblick von der Grandview Street ist wirklich beeindruckend. Fast ganz Pittsburgh lässt sich vom Mount Washington aus sehen. Die Duquesne Incline, eine von zwei noch aktiven Seilbahnen, fährt die Besucher hinauf. Ihre heutige Nutzung als Touristentransporter ist Ausdruck der Veränderung, die die Stadt durchlebt hat.

Früher, bis in die Siebzigerjahre, da war Pittsburgh die Hauptstadt des Stahls. Die Industrie machte die Stadt im Staat Pennsylvania seit dem 19. Jahrhundert reich – und schmutzig. Die Incline war damals vor allem nützlich – für die Arbeiter, die von hier oben runter zu ihren Arbeitsplätzen am Wasser mussten.

„Früher war nicht alles besser“, sagt eine Touristenführerin. „Und heute ist einiges endlich gut.“ Die Luft war damals so verpestet, dass Büroangestellte sich ein zweites Hemd mitnahmen, falls sie abends noch einen Termin hatten – bis dahin war die Kleidung schon verrußt. In den großen Flüssen, welche die Mitte Pittsburghs umschließen und sich am „Point State Park“ treffen, lebten keine Fische mehr. Dort wird aus Allegheny und Monongahela River der Ohio River.

Heute ist die Luft hervorragend. Die Fische sind zurück. Es gibt Angelmeisterschaften, Radwege, Yoga im Park. Und die Stadthalle mit der besten Ökobilanz. Endlich ist Umweltschutz angesagt. 

Strip District: Das hippe von 90 Vierteln in Pittsburgh

Das hippe Strip District ist eins von 90 Vierteln Pittsburghs. Hier haben die großen Ketten noch nicht die kleinen inhabergeführten Shops verdrängt. In einer Seitenstraße findet sich „Pamela’s Diner“. Das Lokal von Gail Klingensmith und Pamela Cohen ist nicht nur wegen des Geschmacks ihrer Pancakes über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, sondern wegen eines berühmten Fans.

Fotos an der Wand zeigen die Chefinnen mit Barack Obama. Er war so begeistert von den Pancakes, dass er die Frauen ins Weiße Haus einlud. Zeitungsartikel zeugen davon: „Mein Vater hat die Art, wie ich die Pancakes mache, gehasst“, berichtet Cohen. Definitiv zu Recht ist sie nun „stolz, nie auf ihn gehört zu haben“.

Die dünnen, aber gehaltvollen Pancakes im „Pamela's“
Die dünnen, aber gehaltvollen Pancakes im „Pamela's“ sind berühmt. Barack Obama lud die Chefinnen ins Weiße Haus ein. Foto: Sebastian Scherer

Das Diner ist eines von vielen Lebensmittelgeschäften und Restaurants im Strip-Viertel. Auch die Destillerie Wigle Whiskey gehört zur Nachbarschaft. Verlassene Lagerhallen wurden hier zu Galerien umfunktioniert, Industriecharme – Heinz Ketchup hat hier seinen Ursprung – trifft auf neue Geschäftsideen, Traditionsgeschäfte auf moderne Kunst. Hunderte holen sich hier mittags Pizza, Piroggen – oder im „Primanti Bros.“ einen Pittsburgh-Klassiker: den Haus-Burger mit Fleisch, Coleslaw und Pommes – allerdings nicht als Beilage, sondern auf dem Burger. Das Viertel ist ein Abbild Pittsburghs, ein kultureller Schmelztiegel.

Ein Beispiel dafür ist auch Gus Stamoolis. Der 76-Jährige führt einen griechischen Supermarkt. 1907 waren fünf Brüder, Vorfahren von ihm, in die Stadt gekommen, hatten hier zwei Jahre später ihr Geschäft eröffnet. Gus ist Sohn des ersten Geschäftsführers. „Damals, als die Stahlindustrie den Bach runterging, verloren viele ihre Jobs. Lebensmittel brauchten sie trotzdem, wir überlebten“, erzählt er. Heute geht es bergauf. „Pittsburgh hat sich neu erfunden, den Menschen geht es besser. Die Transformation ist geglückt.“

Der Ladenbsitzer Gus Stamoolis mit den Töchtern Catina (32) und Connie (29)
Der Ladenbsitzer Gus Stamoolis erlebte das Auf und Ab der Stadt. Mit seinen Töchtern Catina (32) und Connie (29) verkauft er griechische Spezialitäten im Strip District. Foto: Sebastian Scherer

Tatsächlich gilt die Stadt als eine der lebenswertesten der USA. Mit den Steelers (Football), den Pirates (Baseball) und den Penguins (Hockey) sind drei Profimannschaften vertreten, irgendein Spiel ist immer. Kaum jemand, der nicht einen der Vereine unterstützt. Der Industriemagnat Andrew Carnegie (1835 bis 1919) hat Unsummen in die Universität, in Museen, in Kultur investiert – das zahlt sich für die Stadt bis heute aus. Ein Museum im Carnegie-Verbund ist Andy Warhol gewidmet. Zwar ist der eng mit New York City verbunden – geboren und aufgewachsen ist der Ausnahmekünstler aber in Pittsburgh. 

Tagesauflüge von Pittsburgh aus

Trotz des Angebots lohnt es sich auch, Pittsburgh zu verlassen und die Umgebung zu erkunden. Etwa eineinhalb Stunden Fahrtzeit entfernt findet sich das 9/11-Memorial. Am 11. September 2001 stürzte Flug 93 im Somerset County ab. Ein schwarzer Steinweg zeichnet heute den Weg des Flugzeuges am Boden nach. Er führt zum Ende eines Vorsprungs, einer Aussichtsplattform. Etwas tiefer setzt sich die Linie fort, erreichbar über einen verschlungenen Wanderweg.

Der schwarze Steinweg zeigt die Strecke, über die das Flugzeug am 11. September schlitterte, am Ende ist eine Aussichtsplattform auf das Feld, wo es liegen blieb.
Der schwarze Steinweg zeigt die Strecke, über die das Flugzeug am 11. September schlitterte, am Ende ist eine Aussichtsplattform auf das Feld, wo es liegen blieb. Foto: Sebastian Scherer

Am Ende – kurz vor der Stelle, an der das Flugzeug zum Liegen kam, findet der Besucher Mamorwände, in denen die Namen der 40 Gestorbenen verzeichnet sind. Im Besucherzentrum gibt es eine Ausstellung über den schwarzen Tag. Vor allem die dort zu hörenden letzten Anrufe bei Angehörigen der Passagiere und bei der Polizei sind markerschütternd.

Ganz anders beeindruckend ist ein anderes Stück amerikanische Geschichte: Das Haus Fallingwater, aus den Dreißigerjahren, 80 Kilometer südlich von Pittsburgh in den Allegheny Mountains, gilt als architektonisches Meisterwerk, als Opus magnum von Frank L. Wright, der zum Beispiel auch das Guggenheim-Museum in Manhattan gestaltete. Wrights Versuch, die Natur ins Haus des Geschäftsmannes Edgar J. Kaufmann zu holen, ist an jeder Zimmerecke ersichtlich – im wahrsten Sinne. Eckfenster öffnen nach innen, um die Geometrie zu sprengen und alles offen erscheinen lassen. Aus dem Wohnzimmer führen Stufen zum Wasser, das über die namengebenden Wasserfälle vorbeigespült wird. „Wright entwarf viele Privathäuser“, sagt Henry Moore, Fremdenführer in Fallingwater. „Jedes war komplett durchdesignt.“ 

Fallingwater gilt als das Meisterwerk des Architekten Frank Lloyd Wright.
Fallingwater gilt als das Meisterwerk des Architekten Frank Lloyd Wright. Foto: Sebastian Scherer

Es ist ein gänzlich anderer Eindruck, der hier entsteht, in dem in den Berg gebauten, treppenartig angelegten Haus, an dem das Wasser vorbeifließt, als oben auf dem Mount Washington mit Blick in die umtriebige, sich weiter neu erfindende Stadt. Ruhiger, entspannter. In der Vergangenheit war es ein guter Ort, um dem Dreck Pittsburghs zu entkommen. Heute wäre die Flucht nicht mehr nötig.

Pittsburgh: Tipps zur  Anreise

Anreise: In den Sommermonaten bietet Condor eine Direktverbindung ab Frankfurt an (montags und freitags). Die Flugzeit beträgt etwa neun Stunden. Alternativ lassen sich Flüge via Umsteigeflughäfen wie Amsterdam und London von überall in Deutschland startend finden.

Unterkünfte: Eine U-Bahn verbindet viele Teile Pittsburghs. So können viele Hotels problemlos erreicht werden.

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