Ein Plädoyer für Urlaub mit den Eltern | reisereporter.de

Mach’s mit! Ein Plädoyer für Urlaub mit den Eltern

Schon erwachsen sein und trotzdem mit den Eltern in den Urlaub fahren? Für manche ein Albtraum, für mich pures Glück. Warum ich den „Familienurlaub 2.0“ so sehr liebe.

Familien-Foto in New York
Familien-Urlaub: reisereporterin Leonie (25, r.) mit ihrer Schwester Paulina (22) und den gemeinsamen Eltern Roland (53) und Ute (54).

Foto: Greife

Das erste Mal ohne Eltern in den Urlaub zu fahren war das Aufregendste überhaupt. Zwei Wochen Surfcamp in Spanien, nur mit Freunden und Gleichaltrigen – Wahnsinn. Damals, mit 17, konnte ich mir nichts Spannenderes vorstellen.

Der Urlaub wurde wirklich gut, auch wenn ich das Kitesurfen am Ende nicht so beherrschte, wie ich es mir vorher gewünscht hatte... An den meisten Tagen wehte der Wind nämlich entweder zu stark oder zu schwach und wir konnten nicht aufs Wasser.

Aber um mein Surf-Talent soll es hier auch gar nicht gehen. Sondern ums Reisen mit meinen Eltern und warum ich so gerne mit ihnen in den Urlaub fahre, obwohl ich nicht müsste. 

Vater und Tochter fahren Fahrrad auf Öland
Vater und Tochter on Tour: Wenn man nicht mehr zusammen verreisen muss, sondern möchte. Foto: Greife

Je älter ich wurde, desto mehr nahm die Zahl der Familienurlaube ab und die Reisen mit Freunden zu. Irgendwann, nachdem ich das Abitur in der Tasche und ein halbes Jahr Australien bereist hatte, wurde Urlaub mit Mama, Papa und Schwester zur Seltenheit. Mittlerweile verreisen wir vielleicht alle zwei Jahre mal zu viert. Meine Schwester ist 22, ich bin 25 Jahre alt. Trotzdem: Verzichten möchten wir nicht darauf. 

Dass wir vier uns länger als ein paar Tage am Stück sehen, passiert höchstens an Weihnachten – und im Urlaub.

Warum ich den Urlaub mit meiner Familie nicht missen möchte? Als erstes muss ich natürlich sagen, dass wir uns sehr gut verstehen. Meine kleine Schwester und ich haben uns noch nie oft gestritten – sogar dann nicht, als wir nacheinander in der Pubertät waren. Das hat selbst die Verwandten gewundert. Mittlerweile wohnen wir beide an unterschiedlichen Enden in Deutschland, sind immer mal wieder monatelang im Ausland. Dass wir vier uns länger als eine Woche am Stück sehen, passiert also höchstens an Weihnachten. 

#ilovehermorethancinnabon #takemebackpls #concretejungle @pauli193

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Oder eben im Urlaub. Als meine Eltern vor zwei Jahren Silberhochzeit feierten, wollten sie keine große Party, sondern mit uns in den Urlaub. Nach New York. Hallo? Das ist doch wohl der Jackpot!

Jeden Tag durfte jemand anderes das Tagesprogramm aussuchen. Papa wollte ins MoMa, Mama in den High Line Park, meine Schwester mit dem Fahrrad durch den Central Park und ich durch das alternative Viertel Dumbo in Brooklyn schlendern. So haben wir Sachen unternommen, die wir ohne die jeweils anderen vielleicht nicht gemacht hätten. Ja, okay... als „arme Studentinnen“ haben wir uns natürlich auch über spendierte Eintrittskarten und Coffee-to-gos gefreut. 

Vor ein paar Wochen waren wir das letzte Mal zusammen unterwegs. Von Kopenhagen ging es mit dem Auto über Öland nach Stockholm und zurück über Helsingborg, wo ich studiere. Schon wochenlang habe ich mir überlegt, wo ich meine Familie hinführe und was wir unbedingt sehen und unternehmen müssen. Irgendwie wollte ich einfach, dass ihnen „mein Schweden“ genauso gefällt wie mir.

Die Autorin mit ihrer Familie auf Öland
Lächeln bitte: Wenn der Papa Selfies liebt, gibt's später genügend Erinnerungsfotos. Foto: Greife

Am besten waren dann aber die kleinen Momente: das morgendliche Brötchenholen mit Papa. Mit meiner Schwester wieder in einem Bett zu schlafen. Die Bücher von meiner Mama auszuleihen und danach mit ihr darüber zu quatschen. Die tausendfachen Selfies. Gemeinsam darüber zu meckern, dass zum millionsten Mal Ed Sheeran im Radio läuft. Meine Schwester beruhigen wenn sie Panik schiebt, dass wir den Zug verpassen, der sie zum Flughafen bringen soll...

Wir haben ihn übrigens tatsächlich verpasst. Woher hätten wir ahnen sollen, dass sich am Sonntag nach Mittsommer alle Öland-Urlauber gleichzeitig auf den Heimweg machen und die zweispurige Brücke zum Festland stundenlang verstopft ist? Eben.

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Die nächste Reise ist noch nicht geplant. Vielleicht fahren wir nächstes Jahr zusammen nach Norderney. Da waren wir früher immer jedes Jahr. Langweilig ist es trotzdem nie geworden. Und wird es garantiert auch dieses Mal nicht.

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