Das Ende deines Abenteuers kommt unerwartet und gefühlt viel zu schnell. Warst du nicht gerade am anderen Ende der Welt? Tief im Dschungel? Oder mit den Füßen im Meer? Oder in einer aufregenden Großstadt? Noch im Flieger zurück hast du den Geruch des Meeres und exotischer Gewürze in der Nase.

Dein Leben zu Hause, es war für einige Monate ganz weit weg. Du warst unterwegs in deinem ganz persönlichen Abenteuer. Die Zeit war ganz allein deine: Du hast neue Dinge ausprobiert, neue Kulturen kennengelernt und aufregende Leute aus der ganzen Welt kennengelernt. Du hattest keinen Alltag – jeder Tag war spektakulär, jeder Tag so anders als zu Hause.

Das wirklich Schwierige nach einer langen Reise ist nicht das Abschiednehmen von Weggefährten. Das lernst du unterwegs gut: Reisende aus aller Welt begleiten dich ein Stück, gemeinsam meistert ihr Höhen und Tiefen der Reise. Ihr müsst euch blind vertrauen, schlaft zusammen in kleinen Zimmern, teilt euch Autos, Badezimmer und so viel mehr. Und dann müsst ihr euch verabschieden. Vielleicht für immer, denn alle wirst du sicherlich nicht wiedersehen. 

Aus Heimweh wird Fernweh

Das wirklich Schwierige ist das Ankommen zu Hause. Zuerst ist da die große Freude über das Wiedersehen mit den Menschen, die du vermisst und in den vergangenen Monaten (wenn überhaupt) nur über einen kleinen Bildschirm gesehen hast. Ihr tauscht euch aus, du erzählst deine besten Reisegeschichten immer und immer wieder (es gibt immer noch jemanden, der sie noch nicht gehört hat). 

Aber es kommt der Punkt, dann ist auch das vorbei. Alle haben sich daran gewöhnt, dass du wieder da bist. Und plötzlich geht das Fragen los: Was hast du jetzt für Pläne? Job, Studium, Ausbildung? Hast du jemanden kennengelernt? Fragen, die du in den vergangenen Monaten aus deinem Kopf verbannt hast, weil du in dem Moment gelebt und alles einfach so genommen hast, wie es eben kam. Diese Fragen können überfordern.

Hinzu kommt, dass du dich auf deiner Reise verändert hast: Deine Träume und die Art wie du Dinge wahrnimmst, wie du mit dir selbst und anderen umgehst, sind anders. Und im Gegensatz dazu hast du das Gefühl, dass sich die Daheimgebliebenen kaum verändert haben.

Während dich auf der Reise vielleicht ab und an das Gefühl des Heimwehs aufgesucht hat, spürst du nun Fernweh: Du vermisst die Orte, an denen du Abenteuer erlebt hast und deine Freunde entlang des Weges. Du vermisst, dass jeden Tag etwas neues passiert ist. Aus Abenteuer ist wieder Routine geworden. Das macht dir Angst, deine alte Umgebung scheint zu eng für dich geworden zu sein. Du spürst Leere und fragst dich: Wozu das Alles? Warum soll ich wieder arbeiten? Wozu der ganze Stress, kann es nicht einfach immer so entspannt sein wie auf der großen Reise?

Fürs Heimkommen brauchst du Geduld

Du musst wissen: Nicht nur dir geht es so. Andersherum bemerken auch deine Freunde und deine Familie den Wandel in dir. Auch sie müssen sich erst daran gewöhnen, dass du verändert zurückgekommen bist. Um wieder vertraut miteinander zu werden, braucht ihr Zeit. Dabei solltest du ihnen nicht das Gefühl geben, dass du eine viel bessere Zeit hattest als sie. Das schafft nur mehr Distanz. Und vielleicht hattest du das auch gar nicht. Es sind einfach nur unterschiedliche Perspektiven.

Nimm dir lieber Zeit, unternimm möglichst viel mit ihnen – besucht ein Festival, geht tanzen, macht vielleicht einen Kurztrip. Neue Erinnerungen schweißen euch wieder zusammen. Und sie helfen dir, deine alte Umgebung wieder als dein Zuhause wahrzunehmen. 

Eine Flucht in die nächste große Reise ist nicht die Lösung; und ist ohnehin nur den wenigsten Menschen möglich. Geh ganz bewusst in dich. Überleg dir, was du auf deiner Reise besonders mochtest. Vielleicht kannst du etwas davon in deinen Alltag integrieren – erkunde zum Beispiel auch von zu Hause aus öfter neue Gegenden, probier neue Dinge aus und triff neue Leute. Warum nicht einfach mal alleine in eine laute Bar gehen und eine Gruppe von Menschen ansprechen? Dazu gehört Mut, aber den hast du für dein persönliches Abenteuer schließlich auch aufgebracht.