Schnaps gehört zu Tirol wie die Berge. Die und das angenehme Klima bieten Raum für zahlreiche Obstsorten, Kräuter und Wurzelgewächse, aus denen schon seit jeher Schnaps gebrannt wird. Es gibt mehr als 4.000 Brennrechte nur in Tirol, wovon ungefähr die Hälfte ihre Rechte bereits seit Mitte des 18. Jahrhunderts besitzt. Brennen ist meist Familientradition und wird als Nebenerwerb von Bauern oder Gastronome betrieben. Insgesamt werden in Tirol jährlich etwa drei Millionen Kilogramm Obst für das Schnapsbrennen verwendet. 

Eine Schnapsgeschichte

Früher wurde um Weihnachten herum gebrannt. Es dauerte oft Wochen, die Ernte in ihren flüssigen Zustand zu bringen. Brenner, Nachbarn und Freunde fanden sich dann im Brennraum zusammen und nahmen sich ordentlich Zeit zum Quatschen. In vielen Tiroler Orten ist es heute noch Brauch, zu Silvester und Neujahr die Nachbarn zu besuchen. Man wünscht sich gegenseitig alles Gute für das neue Jahr und stößt mit einem „Stamperl Schnaps“ an – der Neujahrstrunk.

Damals ersetzte der Flachmann sogar die heutige Thermoskanne bei schweren Wald- und Feldarbeiten in den kälteren Monaten. Klar, dass die starken Holzarbeiter gemeinhin als besonders trinkfeste Gesellen galten. Tatsächlich diente Schnaps früher auch als Bezahlung und die Holzfäller hatten eine Anspruch auf eine gewisse Menge Schnaps pro Arbeitswoche. 

Die Schnapsroute

Die Tiroler Schnapsroute zieht sich quer durch das Bundesland von Grins bis Ebbs. Die meisten Brennereien liegen nahe der Autobahn A12. Drei der insgesamt 40 Brennereien liegen in Osttirol.

Tiroler Schnapsroute
Über die Tiroler Schnapsroute gibt es sogar ein Buch mit Informationen zu allen 40 Brennereien. Foto: Landmeedchen

Jede Brennerei hat ihre ganz eigene Geschichte zu erzählen, aber alle zusammen wollen sie den Besuchern die Entstehung der Edelbrände erzählen. Führungen, die meist ungefähr zwei Stunden dauern, werden bei allen Brennereien auf Anfrage angeboten. Bei einer Führung bekommt der Besucher von der Pflege der Obstbäume, über die Ernte und Verarbeitung der Früchte, bis hin zum Verfeinern und Destillieren alles im Detail erklärt.

Günter Kammerlander, Brenner aus Reith, ist wahnsinnig wählerisch bei der Auswahl der Früchte. Ihm sind absolute Sauberkeit und eine kontrollierte Gärung wichtig. Als gelernter Kupferschmied hat er sein Brenngerät selbst gebaut. „Meine Schwiegermama brannte ihr Leben lang Schnaps. Da habe ich mir das dann abgeguckt und erst selbst für mich alleine im Keller angefangen zu brennen. Hier oben bei uns haben wir 250 Obstbäume; also genug, für eine schöne Menge Schnaps. Wenn es aber mal einen langen harten Winter gab und die Ernte entsprechend schlecht ist, gibt’s dann in dem Jahr eben auch keinen Schnaps.“

Ein perfekter Schnaps ist ein Zusammenspiel aus Material, Technik, Können und Intuition. Nur mit gesundem, reifem und sauberem Obst, das einen hohen Zuckergehalt hat, kann Schnaps in höchster Qualität veredelt werden. Ein Brenner kann noch so viel Geld in teure Destillationsmaschinen investieren, wenn ihm das Feingefühl fehlt oder er falsches Obst verwendet, endet das Veredeln in überflüssigem Gepansche. 

Destillationsmaschine
Die Destillationsmaschine kann noch so glänzen, das Handwerk liegt im Feingefühl der Brenner. Foto: Landmeedchen

Direkt nach dem Destillieren schmeckt der Brand nur scharf. Erst nach der Reifung von mindestens zwei Monaten, hat er seinen Geschmack entfaltet. Du kannst dir sicher sein, dass du während einer Brennerei-Führung die Informationen vom Profi direkt bekommst, denn alle Edelbrandsommeliers entlang der Schnapsroute haben einen Zertifikatslehrgang absolviert.

Am Ende einer jeden Führung steht natürlich die Verköstigung. Zum Wohl!

Schnaps zu Hause genießen

Wenn du die zahlreichen Flaschen, die du sicherlich auf der Route gekauft hast, zu Hause auspackst, lagere und trinke sie stets bei Zimmertemperatur. Obstsorten wie Zwetschgen, Kirschen oder Vogelbeere sowie Kräuterschnäpse behalten ihr Aroma für viele Jahre. Andere Obstsorten wie die Williams Christ Birne, reagieren auf Luftkontakt empfindlicher. Ihr Aroma schwindet bereits nach drei bis vier Jahren. 

Aber seien wir mal ehrlich: Bei wem hält sich eine Flasche köstlicher Schnaps überhaupt drei bis vier Jahre im Regal?