Noch voller Emotionen von ihrer ereignisreichen Reise stand die 67-Jährige aus Schottland in der Warteschlange zum Boarding am Flughafen Brüssel-Charleroi. In Gedanken noch bei ihrem Dudelsack-Auftritt zu Ehren ihres toten Großvaters. Er war im Ersten Weltkrieg in Belgien gefallen. 

„Ich wartete in der Schlange zum Boarding“, erzählt Jennifer Hutcheon dem reisereporter. Ein Ryanair-Mitarbeiter sei durch die Reihe gegangen und habe ein kostensfreies Upgrade angeboten. Das Handgepäck würde in den Frachtraum gegeben werden. 

Ein Koffer mit einem Dudelsack drin
Dieser Koffer mit dem Dudelsack hat dazu geführt, dass eine Großmutter von schwer bewaffneten Polizisten abgeführt wurde. Foto: Jennifer Hutcheon

Auch Jennifer Hutcheon bekam das Angebot. Sie lehnte aber ab. Denn in dem Handgepäck war ihr Dudelsack. Das Instrument sei für sie mit Geld nicht aufzuwiegen und im Frachtraum könne es leicht kaputtgehen. Bisher habe es damit auch nie Probleme gegeben. Doch diesmal schon. Denn der Ryanair-Mitarbeiter erklärte ihr, dass an Bord einfach kein Platz mehr sei. Deshalb müsse der Dudelsack in den Frachtraum. Jennifer Hutcheon ging auf die Forderung nicht ein, sondern wartete, dass sie endlich in das Flugzeug steigen konnte.

Sie kam bis zur Cabin-Crew als zwei bewaffnete Polizisten und zwei Soldaten sie aufforderten, mitzukommen. „Sie begleiteten mich bis zur Check-in-Halle und sagten, dass ich nun frei bin“, berichtet Jennifer Hutcheon.

Schließlich mussten sie und ihre Begleitung am Flughafen übernachten und einen neuen Flug buchen. Allerdings ging der nächste Flieger nach Edinburg erst vier Tage später, sodass sie nach Glasgow flogen, um von dort nach Edinburgh zu fahren.

Ich weiß wirklich nicht, warum die Situation eskaliert ist. Meine einzige Erklärung wäre, dass sich der Mitarbeiter in seiner offiziellen Kleidung etwas zu wichtig genommen hat“

Ryanair-Opfer Jennifer Hutcheon

Trotz ihrer Erfahrungen beim Boarding buchte Jennifer Hutcheon wieder einen Flug von Ryanair. Diesmal allerdings ohne Probleme. Der Dudelsack ging als Handgepäck durch.

„Ich weiß wirklich nicht, warum die Situation eskaliert ist“, sagt Jennifer Hutcheon. „Meine einzige Erklärung wäre, dass sich der Mitarbeiter in seiner offiziellen Kleidung etwas zu wichtig genommen hat und seine Macht demonstrieren wollte.“

Bisher habe sie auch noch keine Erklärung von Ryanair bekommen. „Und schon keine Entschuldigung. Stattdessen beschuldigten sie mich und erzählten Lügen, dass ich mich widerspenstig und störend aufgeführt hätte“, sagt Jennifer Hutcheon.

Auf die reisereporter-Anfrage zu diesem Fall hat Ryanair bisher keine Stellung bezogen.