Gleich hinter dem Strand beginnt der Dschungel und unter Wasser eine Welt, die in ihrer Pracht und Artenvielfalt ihresgleichen sucht. Redang gleicht einem Inselparadies.

Redang besteht aus neun Inseln und liegt etwa 45 Kilometer vor der Ostküste der Malaiischen Halbinsel im Südchinesischen Meer. Die Überfahrt vom Festland aus, vom Bootsanleger in Merang im Sultanat Terengganu, dauert eine knappe Stunde.

Wir möchten uns fast für die Ruhestörung entschuldigen, als der Bootsmann den Motor anwirft, um uns auf die Insel zu bringen. Die See ist spiegelglatt, am wolkenlosen Himmel steht die Tropensonne im Zenit. Der Rücken eines Delfins durchbricht die Wasseroberfläche und taucht gleich wieder ab. 

Die Korallenformationen im Redang-Archipel sollen zu den schönsten Malaysias gehören. Tatsächlich gibt es wohl wenig Entspannenderes, als ins badewannenwarme Wasser einzutauchen, die Schwerelosigkeit und Ruhe zu genießen und sich dabei von bunten Fischen so interessiert angucken zu lassen, wie du sie anguckst.

Der Filmstar unter den Fischen, der Clownfisch, wirkt ein wenig empört, wie er da so durch die Tentakel der Seeanemonen wuselt. Andere Fische sind zutraulicher, manche fast zudringlich. Solange es kein Barrakuda, Teufels- oder Kugelfisch ist: einfach Ruhe bewahren – und weiter schnorcheln! 

Wenn du Glück hast, schwebt eine Meeresschildkröte vorbei. Von Mai bis September versammeln sie sich vor Malaysias Ostküste, um in der Nacht ihre Eier am Strand abzulegen. Wenn du noch ein bisschen mehr Glück hast, begegnet Ihnen der Gigant der Meere, der – ganz ungefährliche – Walhai. 

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Apropos Glück. Es soll ja Möglichkeiten geben, dem Glück ein wenig nachzuhelfen. Ein ganz besonders schöner Weg zum Glück ist ein roter Lampion, der in den 1.000-Sterne-Himmel der malaiischen Nacht schwebt. Diese Himmelslaternen leuchten wunderschön, steigen durch die Wärme einer Flamme sehr, sehr hoch und fliegen kilometerweit (weswegen sie in Deutschland fast überall verboten sind). Sie stammen aus China und gelten als älteste Vorläufer des Heißluftballons. Sie sind noch heute unter Chinesen beliebt.

Und so stehen wir in einer tropischen Nacht unter Palmen barfuß im Sand von Redang und freuen uns, als uns ein chinesischer Urlauber einen Lampion schenkt. Wir sollen ihn zusammen mit einem Wunsch in den Himmel schicken, sagt er. So geschieht es, und der leuchtend rote Glücksballon schwebt wunschbeschwert den Sternen entgegen. So weit, so paradiesisch. Wäre dieses schöne Ritual nur von unseren Gedanken begleitet – und nicht von: Partylärm.

Dass im Paradies „Angel“ erklingt, gut. Aber „Let It Be“ und „Fernando“? Jeden Abend? Jeden Abend Robbie Williams, Beatles und ABBA. Jeden Abend in derselben Reihenfolge. Immerhin endet es um Punkt 24 Uhr, jeden Abend.

Der Tourismus auf Redang wächst

Es ist wenige Jahrzehnte her, da war nur die Hauptinsel von Redang bewohnt. Fischer lebten in Harmonie mit der Natur. Denn sind die Korallenriffs intakt, bleiben die Fische bei ihnen und sichern den Lebensunterhalt der Menschen. Das gesamte Gebiet um die Inseln ist seit 1991 als Meeresreservat ausgewiesen. Das bedeutet, in einem Radius von 3,5 Kilometern darf nicht gefischt werden, auch die Korallen sind geschützt. Doch die Erwärmung der Meere hat an manchen Stellen von der einstigen Farbenpracht der Korallen nur fahle Kalkgehäuse übrig gelassen. Die sogenannte Korallenbleiche ist ein weltweites Problem.
 
Zu den Pfahlbauten der Fischer sind inzwischen Urlaubsunterkünfte jeder Kategorie, Swimmingpools, Stranddiskos und Restaurants hinzugekommen. Bisher haben vor allem asiatische Urlauber die Schönheit der Inselgruppe erkannt. Aber auch immer mehr Deutsche entdecken Malaysia. 2015 waren es 144.910 deutsche Touristen, Tendenz steigend. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum besuchten 760.604 Deutsche das benachbarte Thailand.
 
Laut dem Direktor des Laguna Redang Island Resorts sollen vor allem chinesische Touristen die allabendliche musikalische Beschallung auf Redang mögen. Es sei eine europäische Eigenart, auch in der Nacht nichts als die Geräusche des Dschungels und des Meeres hören zu wollen. Doch er verspricht Stille für August und September, wenn nicht nur vereinzelt Europäer nach Redang kämen. Wir müssen leider früher fort.

Zurück aufs Festland. In den Garküchen am Straßenrand brutzelt alles, was die südostasiatische Küche hergibt: malaiische, chinesische und indische Gewürze und Gerichte. Nicht ohne Grund wirbt das Land für sich mit dem Slogan „Malaysia – truly Asia“, wahres Asien. Malaysia liegt im Herzen Südostasiens. Die größte Bevölkerungsgruppe unter den rund 28 Millionen Einwohnern sind mit über 50 Prozent die Malaien, gefolgt von Chinesen (24 Prozent) und Indern (zehn Prozent).

Schwalbennester für die Küche

Eine chinesische Spezialität hat an der malaiischen Ostküste zum Bau zahlreicher bunkerähnlicher Gebäude geführt. Die Häuser sind fensterlos, ihre Betonwände haben Löcher. Sie sind nicht für Menschen gemacht, sondern für Schwalben. Die Vögel sollen in den riesigen Vogelhäusern ihre Nester bauen. Schwalbennester bestehen überwiegend aus Speichel. Unter Chinesen gelten sie als Delikatesse. Wegen ihres hohen Mineraliengehalts sollen die Nester gut fürs Immunsystem sein und jung halten. Chinesen zahlen hohe, zum Teil sehr hohe Preise für Schwalbennester.

Dabei sind Schwalben noch die unspektakulärsten Lebewesen Malaysias. Im tropischen Regenwald leben mehr als 600 Vogel-, 150 Amphibien- und 300 Reptilienarten, 281 Schmetterlings-, zahllose Insektenarten sowie mehr als 250 verschiedene Säugetiere – darunter Elefanten, Tiger und Orang-Utans.

Wir sehen unseren ersten Affen kurz vor dem Abflug in Kuala Lumpur. Er sitzt auf einem Mofa, trägt ein Matrosenhemd und guckt grimmig. Verständlicherweise tut er das. Denn es gibt sicher würdevollere Orte für einen Makaken, als angekleidet und angekettet über den Nachtmarkt von Kuala Lumpur geschoben zu werden.  

Rechts und links gibt es Uhren, Kleidung und Taschen sicher nicht der Marken, deren Namen sie tragen. Es ist schwülheiß, eng, und am Boden steht das Wasser. Im Pub um die Ecke gibt es Guinness zu Reggae-Musik. Das Guinness will nicht recht schmecken, was aber nicht am Guinness liegen muss. Bei 33 Grad Celsius und mehr als 80 Prozent Luftfeuchtigkeit ist ein Ice-Lemon-Tea einfach die bessere Getränkewahl.

Dem Matrosen-Affen jedenfalls können wir nur wünschen, dass ihm die Flucht an einen besseren Ort gelingt. Auf die Insel Redang zum Beispiel.