Weltreise-Tagebuch von Leo Bartsch | reisereporter.de

Weltreise-Tagebuch: Einmal England und zurück

Sie ist Sängerin, Songwriterin – und jetzt auch reisereporterin: Leonore „Leo“ Bartsch (28), bekannt unter anderem als Mitglied der Girl-Group „Queensberry“, ist vor kurzem zu einer Weltreise aufgebrochen. Hier der fünfte Teil ihres persönlichen Reise-Tagebuchs.

Leo Bartsch mit ihrer „englisches Schwester“ auf deren Hochzeit.
Leo Bartsch mit ihrer „englischen Schwester“ auf deren Hochzeit.

Foto: Leo Bartsch

Als ich Ende letzten Jahres meine Route für meine Weltreise plante, sah diese eigentlich vor, die Welt einmal zu umrunden, im Zick-Zack, immer Richtung Osten, bis ich wieder in Europa ankommen würde. Gemäß dieser Routenplanung wäre ich aus den USA eigentlich nach Mittelamerika weiter gereist – logisch! Wie wir aber alle wissen, läuft so gut wie nichts im Leben nach Plan. Oder manchmal kreuzen sich Pläne, so wie der meiner Weltreise und der meiner englischen Gastschwester, im Juli zu heiraten...

Nun lag also ein klitzekleiner Umweg vor mir – einmal England und zurück...“

Da wir, seit ich mit 16 ein Schulhalbjahr in Süd-London verbrachte, auch über all die Jahre Kontakt gehalten haben und ihre Familie mich quasi adoptiert hat, kam für mich eigentlich nur eins in Frage: umplanen! Von den USA lag also nun ein klitzekleiner Umweg vor mir – einmal England und zurück.

Auch wenn ich wenig Lust auf zwei Transatlantikflüge und den Jetleg hatte, freute ich mich auf ein paar bekannte Gesichter, mal wieder in so einer Art „Zuhause“ zu sein und natürlich darauf, an diesem besonderen Tag dabei sein zu können.

 

Und der lange Weg hat sich wirklich gelohnt: Auf der Isle of Wight (einer Insel im Ärmelkanal, die auch ohne Hochzeit ein absolut zauberhafter Ort ist) feierten wir eine traumhafte Hochzeit in einem Zelt im Garten, mit Rasenspielen, Wasserbombenschlacht, Holunderblüten-Gin-Tonic, Spanferkel und ganz viel Liebe.

Am Abend hatte ich die Ehre für das Brautpaar und die Gäste zu singen und wenn dann die Brautmutter am nächsten Tag zu dir sagt, dass das der berührendste Moment des Tages war, weißt du: Du hast alles richtig gemacht. Alleine dafür hat es sich schon gelohnt, die Reisegitarre um die Welt zu schleppen...

So schön es ist, vermisst zu werden... ich bin noch nicht bereit wieder nach Hause zu gehen.“

Während ich mich noch in London von den Hochzeits-Strapazen (und vom Holunderblüten-Gin-Tonic) erholte, fingen die ersten meiner Freunde an mir Nachrichten zu schreiben, ob ich nicht einfach schon nach Hause kommen wolle, wo ich doch schon so nah dran war.

Das war mein Stichwort schnell den Rucksack zu packen, die Tube zum Flughafen zu nehmen und in die andere Richtung zurück zu fliegen, bevor sie mich höchstpersönlich in England abholen kommen. Denn so schön es ist, vermisst zu werden, ich bin noch nicht bereit wieder nach Hause zu gehen. Und so war mein Umweg nach England gleichzeitig auch eine Vergewisserung, dass diese Reise noch richtig ist.

 

Angekommen in Nicaragua tauche ich sofort wieder in eine komplett andere Welt ein – mein erstes Mal in Lateinamerika läutet das letzte Drittel meiner Weltreise ein und ich bin jetzt schon sicher, dass es nicht langweilig wird. Ich bin direkt begeistert von all den Farben, die die Häuser verzieren, dem Dschungel, der sich Dank Regenzeit in voller Pracht präsentiert und natürlich den pazifischen Stränden, an denen immer eine Hängematte für mich bereit hängt, als hätte ich es so bestellt.

Überhaupt scheint hier ein guter Ausgleich zwischen Kultur und Natur, zwischen Surfen und Relaxen möglich zu sein – eine vielversprechende Mischung für mich. Denn auch wenn ich mich in den finalen Wochen noch einmal verstärkt darauf konzentrieren möchte, meine Surf-Skills zu verbessern, ist es mir auch wichtig, etwas über Land und Leute zu erfahren und einen authentischen Einblick in das Leben der Menschen zu erlangen.

Daher nutze ich direkt die Gelegenheit für einen Tagestrip nach Granada, eine alte Kolonialstadt am Lago de Nicaragua, dem größten See Mittelamerikas. Dort schlendern wir durch die kleinen Gassen, essen köstliches einheimisches Streetfood, schippern mit kleinen Bötchen über den See und besichtigen am Ende des Tages den Vulkan Masaya, einen aktiven Vulkan, in dessen Krater man herunterschauen kann.

 

Noch nie in meinem Leben habe ich zuvor flüssige Lava gesehen und sie nun durch den Rauch zu sehen und zu hören, ist ein intensives Erlebnis – irgendwie ganz existentiell. Denn hier wurde mir wortwörtlich vor Augen geführt, dass es unter der Oberfläche immer brodelt. Vulkane können ausbrechen, Sehnsucht auch.

Ich bin jetzt ganz besonders froh, dass ich auf mein inneres Brodeln gehört habe, dem Ruf meiner Sehnsucht gefolgt bin und nun hier stehe, auf einem aktiven Vulkan... Nirgendwo wäre ich gerade lieber!

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Die Autorin
Eigentlich bereiste Leo jahrelang als Sängerin und Songschreiberin Deutschland und die Welt, doch dann tauschte sie das Mikrofon gegen Bücher ein, das Scheinwerferlicht gegen tropi ... mehr
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