Es soll tatsächlich eines der größten Problem der britischen Reiseindustrie sein, wie der Reiseverband „Abta“ (Association of British Travel Agents) der BBC jetzt sagte: Urlauber, die vorgeben im Urlaub eine Lebensmittelvergiftung erlitten zu haben, um anschließend Schadensersatzansprüche in Höhe von 3.000 bis 5.000 Pfund (etwa 3.400 bis 5.700 Euro) geltend zu machen. 

Der Reiseverband teilt mit, dass sich von 2013 bis Ende 2016 die Schadensersatzansprüch im Zusammenhang mit Erkrankungen im Urlaube um 500 Prozent gesteigert hätten. Allerdings sei im selben Zeitraum die Anzahl der Krankmeldung während des Urlaubs stabil geblieben – also weder gestiegen noch gesunken. „Der Nachweis deutet daraufhin, dass viele der Ansprüche übertrieben oder gar Betrug seien“, ist sich „Abta“ sicher. 

Der Reiseverband sagt, dass die mallorquinischen Hotelindustrie aufgrund dessen knapp 50 Millionen Euro im vergangenen Jahren verloren hätte. Hoteliers in der Türkei und Spanien würden bereits überlegen, britischen Urlaubern keine All-inclusive-Pakete mehr anzubieten. 

Nun hat der Reiseanbieter Thomas Cook für seine Branche einen ersten Erfolg vor Gericht erzielt: Eine Familie hatte mehr als 12.000 Euro Schadensersatz gefordert, weil sich jeder der vierköpfigen Familie eine Magen-Darm-Entzündung infolge von mangelhafter Hygiene und schlechtem Essen in einem Ferienresort auf Gran Canaria eingefangen hatte.

Vor Gericht argumentiere Thomas Cook, dass die Familie sich vor Ort nicht beschwert habe. Außerdem sei auch auf dem Feedback-Bogen keine Beschwerde angegeben worden. „Wir fühlen uns nicht wohl dabei, die Glaubwürdigkeit unserer Kunden infrage zu stellen“, sagte Chris Mottershead, Geschäftsführer von Thomas Cook, vor Gericht aus. Aber die Zunahme der Ansprüche bedinge das.

Letztendlich entschied der Richter am Gericht in Liverpool, dass die Familie keinen Anspruch auf Schadensersatz habe.

Der Reiseveranstalter will auch in Zukunft gegen solche Ansprüche vorgehen.