Aber was genau verbirgt sich hinter dieser Bezeichnung eigentlich konkret? Die gute Nachricht vorweg: Du musst so ein Hotel inzwischen noch nicht mal mehr mit der Lupe suchen. Ob Hamburg, Berlin, Köln oder München, in Deutschland gibt es viele Unterkünfte, in denen Schwule und Lesben mindestens ebenso gern gesehene Gäste sind wie heterosexuelle Menschen.

Denn nichts anderes bedeutet es, wenn ein Hotel, Hostel oder Bed & Breakfast die Regenbogenfahne hisst und sich als „gay friendly“, also als schwulen- und lesbenfreundlich, bezeichnet. Gay friendly, das heißt: Gleichgeschlechtliche Pärchen (und natürlich auch homosexuelle Alleinreisende) sind herzlich willkommen.

Geflüster hinter der vorgehaltenen Hand oder abfällige Kommentare wird es für euch weder an der Rezeption noch in der restlichen Hotelanlage geben.

Übernachten im Zeichen des Regenbogens

Gayfriendly Hotels sind übrigens nicht nur besonders liberale und aufgeschlossene Reiseunterkünfte – ein gutes Hotel, das unter der Regenbogen-Flagge segelt, hat in der Regel auch immer lokale Insider-Tipps für seine homosexuelle Klientel parat. In welchem Stadtviertel treffe ich Gleichgesinnte? Wo sind die besten queeren Boutiquen und Geschäfte? Welche Szenebar oder welcher Szeneclub ist gerade besonders angesagt? Und welche Ecken sollte ich besser meiden?

Bei einem Aufenthalt in einem Hotel, das rein auf heterosexuelle Gäste eingestellt ist, wäre es vermutlich etwas schwieriger für dich, schnell an solch nützliche Infos zu kommen.

Gleich und gleich gesellt sich gern? Die Volksweisheit aus Omas Mund gilt nicht für ein Gayfriendly Hotel: Im Gegensatz zu Unterkünften mit der Devise „gay only“, die sich mit ihrem Angebot ausschließlich an homosexuelle Reisende richten, urlauben dort gleichgeschlechtliche und heterosexuelle Paare gemeinsam.

Dass Schwulen oder Lesben und ihren Partnern ebenso selbstverständlich ein Zimmer mit Doppelbett angeboten wird wie heterosexuellen Urlaubern, ist natürlich klar! Und nur so nebenbei: In den letzten Jahren hat sich noch eine weitere Art von Hotels etabliert, die sich selbst mit einem Augenzwinkern als „heterofriendly“ bezeichnen. Hier übernachtet vor allem die queere Community, sie stehen aber auch toleranten Heteros offen.

Wie erkannst du ein Gayfriendly Hotel?

Ein Gayfriendly Hotel erkennst du daran, dass es durch ein Regenbogen-Banner im Außenbereich oder einen entsprechenden Aufkleber in der Lobby gekennzeichnet ist. Wichtig zu wissen: Ein Hotel, das gay friendly ist und sich mit der Regenbogenfahne –  dem international bekannten Symbol der schwul-lesbischen Szene – schmückt, hält sich normalerweise ganz von alleine an strenge Anti-Diskriminierungs-Richtlinien, die nicht nur für dich als Gast, sondern für alle im Unternehmen angestellten Mitarbeiter gelten.

Es existieren allerdings keine offiziell festgeschriebenen Standards, die ein Hotel erfüllen muss, damit es sich gay friendly nennen darf.

Gütesiegel für Gayfriendly Hotels: Die „Pink Pillow Berlin Collection“

Berlin, eine der beliebtesten Gay-Travel-Destinationen weltweit, geht hier seit einiger Zeit einen großen Schritt weiter: Mit der „Pink Pillow Berlin Collection“ gibt es jetzt erstmals ein Qualitätssiegel für Hotels in der Hauptstadt, die besonders gay friendly sind.

Herausgeber ist die vom Berliner Senat geförderte Tourismusagentur visitBerlin, die den beteiligten Hotels dafür aber auch einiges abverlangt. Um zu „Pink Pillow“ zu gehören, müssen diese nicht nur nachweisen, dass sie sich in einem sozialen Projekt der queeren Community – beispielsweise in der Aids-Hilfe – engagieren. Es gibt auch eine Charta, der sich das Hotel verpflichten und die es zudem gut sichtbar  an der Rezeption des Hauses platzieren muss.
 

Hier findest du den Wortlaut der „Pink Pillow“-Charta  im Überblick:

• Alle Gäste erfahren die gleiche Wertschätzung – unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft oder Religion, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität.

• Wir engagieren uns sozial bzw. sind förderndes Mitglied in einem Netzwerk/Projekt/Verein der Berliner LGBT-Szene (Lesbian/Gay/Bisexual/Transgender).

• Wir schaffen ein Arbeitsumfeld, das von Respekt und Toleranz gegenüber allen MitarbeiterInnen getragen ist.

• Wir bieten zielgruppenspezifische Angebote für die LGBTQ-Szene. Bitte informieren Sie sich an der Rezeption oder über folgende Website.
 

„Gay Travel Index“: What's hot – and what's not

Nach Berlin, aber auch in viele andere Städte Deutschlands, können Homosexuelle also entspannt reisen und sich dort zeigen, wie sie sind – ohne Angst vor Diskriminierung haben zu müssen. Aber wie sieht es eigentlich mit anderen Urlaubszielen aus? Könntest du auf Anhieb sagen, in welchen Teilen der Welt du dich als Mitglied der queeren Community ganz ungezwungen bewegen kannst?

Gut, dass das Reisemagazin „Spartacus International Gay Guide“ jedes Jahr aufs Neue den „Gay Travel Index“ veröffentlicht: Er verrät dir auf einen Blick, wo Schwule und Lesben sicher urlauben können – und in welchen Ländern vermutlich wohl eher kein Gayfriendly Hotel auf dich und deinen Schatz warten dürfte.

Händchen halten am Strand, ein romantisches Dinner bei Kerzenschein oder gemeinsam in den Whirlpool? Vor allem in Schweden, Großbritannien und Belgien überhaupt kein Problem – diese Länder belegen nämlich Rang 1 bis 3 von insgesamt 194 im Hinblick auf ihre „Gay-Friendliness“ überprüften Nationen.

Besser die Finger lassen solltest du dagegen von Reisen nach Somalia, in den Iran oder in die Vereinigten Arabischen Emirate (Platz 194 bis 192 des „Gay Travel Index“). Als besonders schwulen- und lesbenfeindlich gelten auch Saudi-Arabien, die Republik Jemen, Russland und Jamaika.