Mit wenigen Handgriffen löst Sven-Erik Muskulus die Transportgurte und zieht einen Kanadier vom Bootshänger. Stechpaddel, Schwimmwesten, Packsack – der Chef der Firma Wanderer, Kanu, Rad & Reise aus Oldenstorf (Landkreis
Rostock) packt die Utensilien für eine Tour auf der Nebel aus.

Das zu den schönsten und artenreichsten Flüssen Norddeutschlands zählende Gewässer schlängelt sich durch den Wildpark Güstrow. Hier befinden sich Start und Ziel von drei- bis sechsstündigen Kanu-Wanderungen. Park-Mitarbeiterin Anja Franke ist mit Katrin Hacker aus Zepelin (Landkreis Rostock) und Michael Henke aus Teterow (Landkreis Rostock) in Aktion.

Während das Trio zu Beginn ein Stück flussabwärts Richtung Güstrow paddelt, bereitet Josefine Vater einen Taucheinsatz im „Natur-Aquarium“ des Wildparks vor. Es hat die Form eines Teiches, fasst mehr als eine Million Liter Wasser und umschließt einen Teil des Umweltbildungszentrums, das dem Element Wasser gewidmet ist. Im Haus erlebt der Gast die Flora und Fauna der Unterwasserwelt.

Josefine Vater bereitet sich auf ihren Tauchgang vor. Im Hintergrund ist das Natur-Aquarium zu sehen.
Josefine Vater bereitet sich auf ihren Tauchgang vor. Im Hintergrund ist das Natur-Aquarium zu sehen. Foto: Volker Penne

Die Güstrower Biologin will die Scheiben des 30 Meter langen Schaubeckens und den zwölf Meter langen Aqua-Tunnel reinigen sowie die Fische füttern. Mehr als 100 Mal im Jahr legt sie dafür ihre mehr als 25 Kilo schwere Ausrüstung an. Dazu gehören unter anderem Bleigürtel, Luftflasche, Taucherbrille und -flossen. „Wir zeigen 32 Fischarten. Ob Barsche, Bachforellen, Rotaugen, Döbel, Karpfen – fast alle stammen aus der Nebel“, erklärt die Expertin. Insgesamt zirkulieren per Kreislaufsystem in den 13 Aquarien, dem kleinen Wasserlauf und der separat gelegenen Fischtreppe gut zwei Millionen Liter Wasser. „Diese durchlaufen einen Kiesfilter. Ab und an wird etwas Wasser aus der Nebel zugeführt“, erläutert Josefine Vater.

Die Paddler haben eine Biber-Burg entdeckt. Biologin Anja Franke zeigt ihren Mitstreitern später Plätze, an denen sich oft Fischotter an der Nebel aufhalten. Dann wird gewendet. Es geht flussaufwärts entlang dicht bewachsener Ufer. Vogelgezwitscher inmitten satten Grüns. Schwäne, Enten, Fischreiher tauchen auf. „Mit etwas Glück sind selbst Eisvögel zu sehen“, betont die Tour-Leiterin.

Bei Stopps erläutert sie die üppige Pflanzenwelt. Katrin Hacker reibt Blätter der Wasser-Minze zwischen den Fingern und genießt das pfefferminzartige Aroma. „Aus der Pflanze lässt sich Tee kochen“, sagt die Lehrerin für Biologie und Chemie. Auch Baldrian und Pfeilkraut werden begutachtet. Die Strömungsgeschwindigkeit ist gering. Die Crew kommt im klaren Wasser dieses Nebenflusses der Warnow gut voran.

Drei Kinder sitzen im Kanu und paddeln gemeinsam über die Nebel in Mecklenburg-Vorpommern
Spaß für die ganze Familie: Kinder und Erwachsene können an geführten Kanu-Touren durch den Wildpark Güstrow teilnehmen. Foto: Volker Penne

An einem Altarm der Nebel – inmitten des 200 Hektar großen Natur- und Umweltparks im Südosten der Barlachstadt – steigt die Gruppe dann aus. Wölfe, Bären, Luchse, Wildschweine, Damwild – selbst Heckrinder, eine den Auerochsen ähnliche Rinderrasse, leben in den weitläufigen Gehegen. Rund zehn Kilometer misst das Wegenetz im Waldgebiet. Nach einer Stunde – das reicht für eine Stippvisite – geht es mit dem Kanadier weiter.

Beim Paddeln hat das Trio seinen Rhythmus gefunden. „Die gut sechs Kilometer auf dem Wasser und die Wanderung bilden einen reizvollen Mix“, sagt Henke, der in der Freizeit Kajak fährt. Nach drei Stunden ist der Anlegesteg vor dem Hauptgebäude des Parks in Sicht. Die Ausflügler stärken sich im dortigen Restaurant und gehen zum Super-Aquarium.

Taucherin Josefine Vater reinigt das Super-Aquarium und wird dabei von einigen Besuchern beobachtet.
Während Taucherin Josefine Vater das Becken reinigt, wird sie von neugierigen Zuschauern beobachtet. Foto: Volker Penne

Staunend beobachtet hier zum Beispiel Jonas die Fischschwärme und die Taucherin, die die gewaltigen Glasscheiben
putzt. Der Sechsjährige ist mit seinen Großeltern Kerstin und Michael Ehrenberg aus Gotha (Thüringen) erstmals im Wildpark. „Ich habe selbst ein Aquarium. Und die Karpfen gefallen mir am besten“, erzählt Jonas. Als er hört, dass man im Wildpark auch paddeln kann, steht für ihn fest, dass er mit Oma und Opa noch einmal hierher kommen muss.