„Doch hängt mein ganzes Herz an dir, Du graue Stadt am Meer“, schrieb der Schriftsteller Theodor Storm 1852 in einem Gedicht über seine Heimat Husum. An diesem Tag macht die Stadt der Bezeichnung alle Ehre. Während fast überall im Land die Sonne scheint, zeigt sich der Himmel über Husum bei unserem Besuch in einem eintönigen Grau.

„Storms Zeilen hatten aber nichts mit dem Wetter zu tun“, stellt Uwe Haupenthal, Geschäftsführer des Nordfriesland Museums, klar. Am Hafen sei damals ein Kalkofen gewesen. „Immer wenn sie den aufgemacht haben, hat sich der graue Nebel über der ganzen Stadt verteilt.“ 

11 Uhr: Nordfriesland Museum. Kunsthistoriker Haupenthal weiß fast alles über die Geschichte Husums. Deshalb empfiehlt es sich, den Tagesausflug bei ihm zu beginnen – im Nissenhaus (Herzog-Adolf-Straße 25). Das Museum widmet sich zurzeit in einer Sonderausstellung ihrem Stifter Ludwig Nissen, dem zweiten berühmten Sohn der Stadt.

Als Sechzehnjähriger wanderte er 1872 nach New York aus und schaffte es dort vom Tellerwäscher zum Millionär – als erfolgreicher Juwelenhändler. „Er wollte es einfach wissen“, sagt Haupenthal. Seine umfangreiche Kunstsammlung vermachte Nissen später dem Museum, dessen Bau er selbst noch in Auftrag gab. Der zweite Teil des Hauses widmet sich dem Leben der Nordfriesen mit dem Meer. So werden zum Beispiel die wichtigsten Sturmfluten erklärt und unterschiedliche Deichbau-Varianten gezeigt.

Museumschef Uwe Haupenthal (60) erklärt im Nissenhaus das Modell einer Graupenmühle.
Museumschef Uwe Haupenthal (60) erklärt im Nissenhaus das Modell einer Graupenmühle. Foto: Wolfgang Maxwitat

12 Uhr: Schloss vor Husum. Als nächste Station bietet sich das Schloss vor Husum an, in dem viele kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Das Renaissance-Gebäude wurde von 1577 bis 1582 gebaut und lag damals noch außerhalb der Stadtmauern. Im Inneren befindet sich das Pole-Poppenspäler-Museum sowie eine Dachgalerie, in der wechselnde Kunstausstellungen gezeigt werden. Zudem lohnt sich ein Blick in den 2008 neu gestalteten Herzoginnengarten.

13 Uhr: Schlosspark. Zum Spazierengehen lädt der angrenzende Schlosspark ein, bei Sonne gibt es hier viele schattige Plätze. Urlauberin Aylin Landzettel bleibt direkt vor dem Storm-Denkmal von Bildhauer Adolf Brütt stehen, das 1898 enthüllt wurde. Im hinteren Teil des Parks steht ein alter Wasserturm, der die Stadt bis 1963 mit Trinkwasser versorgt hat.

Das Husumer Schloss
Herzog Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf ließ das Schloss von 1577 bis 1582 als Nebenresidenz errichten. Später war es Witwensitz für Herzoginnen. Foto: Wolfgang Maxwitat

14 Uhr: Außen- und Binnenhafen. Weiter geht’s zum Außenhafen der Stadt. Dort legen Krabbenkutter und Frachtschiffe an, aber auch die Segelboote kommen auf ihrem Weg zur Nordsee vorbei. Durch eine Unterführung gelangen Fußgänger schnell zum Binnenhafen. Wer mag, kann sich dort mit einem Fischbrötchen stärken. Es gibt aber auch andere Restaurants und mehrere Eisdielen. Wer keine Mittagspause machen möchte, kann das Nationalparkhaus mit seiner Wattenmeer-Ausstellung besichtigen. Zudem sind dort Informationen zu Watt-Wanderungen erhältlich.

15 Uhr: Storm-Haus. Fast direkt um die Ecke befindet sich das Storm-Haus. Dort hat der Schriftsteller von 1866 bis 1880 mit seiner zweiten Frau gelebt. In seinem Arbeitszimmer – dem Poetenstübchen – hat er zum Beispiel die Novelle „Pole Poppenspäler“ geschrieben. „Es sieht alles noch so aus wie damals“, berichtet Bibliothekarin Elke Jacobsen.

Vom Schreibtisch aus konnte Storm in seinen Garten blicken, den einzigen in der Straße. „Das war mit ein Grund dafür, warum er dieses Haus gekauft hat“, sagt Jacobsen. Im Jahr 2017 feiert die Stadt den 200. Geburtstag des Dichters, deshalb gibt es zahlreiche Veranstaltungenund eine Sonderausstellung zu Storm und seinem Mitstudenten Theodor Mommsen.

Aylin Landzettel (26) fotografiert das Storm-Denkmal im Schlosspark.
Aylin Landzettel (26) fotografiert das Storm-Denkmal im Schlosspark. Foto: Wolfgang Maxwitat

16 Uhr: Schifffahrtsmuseum. Auf der anderen Seite des Binnenhafens steht das Schifffahrtsmuseum Nordfriesland. Seemannslieder ertönen aus den Lautsprechern und versetzen den Besucher beim Betreten gleich in maritime Stimmung. Auf vier Ebenen lässt sich dort eine Menge über die Seefahrt erfahren. Das Highlight befindet sich im Untergeschoss: das Wrack eines 400 Jahre alten holländischen Frachtenseglers. Es wurde 1994 vor Uelvesbüll geborgen und „in Zucker konserviert“, berichtet Museumsleiterin Karin Cohrs.

17 Uhr: Marktplatz. Zum Abschluss des Tagesausflugs geht es zum Marktplatz mit dem Tine-Brunnen, der Marienkirche und dem Geburtshaus Storms (Haus Nr. 9). „Wenn Husumer sich verabreden, dann meist hier“, sagt Stadtführerin Ingrid Schacht und deutet auf den Brunnen mit der bronzenen Figur einer Fischersfrau. Dass sie Holzschuhe trägt, habe bei der Errichtung einen Aufschrei ausgelöst – denn diese stehen normalerweise für ärmliche Verhältnisse. 

Ingrid Schacht (66, M.) führt Touristen über den Marktplatz.
Ingrid Schacht (66, Mitte) führt Touristen über den Marktplatz. Foto: Wolfgang Maxwitat