Die Ursache – Unfall, Selbstmord oder Verbrechen – ist selten zu klären. Denn trotz Videoaufzeichnung kann nicht jeder Winkel an Bord überwacht werden. Zwischen 2009 und 2014 wurden nach Angaben von Statista 114 „Mann-über-Bord-Vorfälle“ (Kurzform: MOB) auf internationalen Gewässern gemeldet. Nur 23 Passagiere konnten gerettet werden. 

Wer sieht, dass eine Person über Bord geht, muss „Mann über Bord!“ rufen, dazu die Info, auf welcher Schiffseite das geschehen ist. Dann passiert auf der Brücke folgendes: Auf den Kreuzfahrt-Schiffen wird sofort der Wachführer oder wachhabende Offizier verständigt. Zur Markierung der Unfallstelle werden unverzüglich Rettungsringe und Westen ins Wasser geworfen, die Maschinen stoppen.

Der Wachoffizier oder Wachführer muss schnellstmöglich Generalalarm auslösen und den Rettungs-Radartransponder (SART) auswerfen lassen. Dann leitet er ein entsprechendes Rudermanöver oder einen Drehkreis ein, um zur Unfallstelle zurückzufahren, und informiert den Kapitän oder Schiffsführer. Der macht die Maschine klar zum Manövrieren, drückt die MOB-Taste am GPS, stellt auf Handsteuerung um, trägt die Unfallposition in die Seekarte und den Unfall ins Schiffstagebuch ein. Dann lässt er ein Einsatzboot klarmachen. Dieses macht sich direkt auf die Suche nach der vermissten Person.

Das „Mann-über-Bord-Manöver“ muss mit jedem neuen Schiff und jeder neuen Mannschaft geübt werden, denn es hat im Ernstfall Priorität vor allen anderen Dingen.