„Kennen Sie die Insel Rügen?“ – Reiseleiterin Beate Reimann, die den vier Tonnen schweren Oldtimer durch den Ort Ralswiek chauffiert, registriert ein Lächeln bei ihren Gästen Dagmar und Dirk Schneegans aus Hannover.

Diese gehören zu den 14 Teilnehmern der Hanomag-Safari entlang des Großen Jasmunder Boddens. „Wir machen das zwölfte Mal Urlaub auf der Insel, doch es gibt noch viel zu entdecken“, erklären die Niedersachsen.

Der Begriff Hanomag steht für Hannoversche Maschinenbau AG – den Hersteller dieser einst für Polizeieinsätze entwickelten Gruppentransporter.

Zwei der sechs Meter langen, gut 50 Jahre alten Oldies sind heute im Zentrum des größten deutschen Eilandes unterwegs. Am Steuer des anderen Allraders sitzt der Eigentümer der imposanten Wagen und Teamchef: Wahl-Sassnitzer Volker Barthmann.

Die Besucher der Tour und ihre Guides stehen vor einem der Oldtimer und betrachten eine Karte der Insel.
Die Besucher hören gespannt zu während die Tourguides ihnen von der Insel erzählen. Foto: Volker Penne

„Wenig bekannt ist, dass Ralswiek vom achten bis ins zwölfte Jahrhundert hinein der wohl bedeutendste Seehandelsplatz im südlichen Ostseeraum war“, sagt Beate Reimann. Durch eine Öffnung der Schaabe bei Glowe seien selbst große Schiffe hierher gelangt, betont die Lietzowerin.

Fast jeder Rügenbesucher dagegen kennt Ralswiek als Schauplatzder „Störtebeker Festspiele“. „Im Schatten des Todes“ heißt das aktuelle Stück auf der hiesigen Naturbühne. Von heute an geht es dabei dem Seeräuber Klaus Störtebeker an den Kragen.

„Der 70-PS-Diesel blubbert, als der Neunsitzer den Anstieg Richtung Gnies bewältigt. Kurz danach biegen die Hanomags rechts auf einen Feldweg auf. Staub wirbelt auf. Rumpelnd und schaukelnd geht es auf hügeligem Terrain durch Waldabschnitte und an Feldern vorbei nach Moiselbritz.

Weit reicht der Blick auf die Ufer des Großen Jasmunder Boddens, den Tetzitzer See und die Banzelvitzer Berge. Auf dem Mini-Höhenzug gibt es einen Campingplatz.

Ein kurzer Halt an den Überresten des 1746 errichteten Gutshauses in Tetzitz. In den 90er-Jahren sollten hier unter anderem 20 Landhäuser entstehen. Wunschträume inmitten von Natur.

Real erlebbar ist die 1305 erstmals urkundlich erwähnte St.-Andreas-Kirche von Rappin. Sie ruht auf Feldsteinfundamenten und gehört zu den ältesten Gotteshäusern der Insel. Eine Besonderheit ist der neben der Kirche stehende, 1635 errichtete Glockenturm. Er entstand, weil der ursprüngliche hölzerne Glockenturm 1626 einstürzte.

Mit beiden Händen packt Beate Reimann den Knauf des langen Schalthebels und legt den Rückwärtsgang ein. Kraftsport. Gekonntes Ausparkmanöver. Dann wird Tribbevitz angesteuert. In dem gut 700 Jahre alten Ort beherbergt das ehemalige Gut ein Vier-Sterne-Hotel. Zudemgibt es ein Trakehnergestüt.

Beim Anblick der edlen Vierbeiner – es handelt sich um die älteste deutsche Reitpferderasse – zücken die Tour-Gäste sofort die Kameras. Viele Motive finden sie auch beim Halt an der Brücke zur Halbinsel Liddow. Das einstige Rittergut diente zur Jahrtausendwende als Hauptdrehort der ZDF-Serie „Hallo Robbie“, wie die Fremdenführerin berichtet.

Dass die TV-Crew kaum einen zauberhafteren Ort für die Geschichten um Seelöwin Robbie finden konnte, meinen nicht nur die Wahl-Münchner Christiane und Christian Knögel. Die gebürtige Rostockerin und ihr aus Sachsen stammender Mann machen seit 21 Jahren Urlaub auf Rügen. Sie genießen die Tour abseits der bekannten Touristenpfade.

Dies betont auch Dirk Spaehn aus Klötze (Sachsen-Anhalt). Dank seiner Drohne sichert sich der Fitnesstrainer Andenken an die Backsteinkirche in Neuenkirchen und den schönen Grubnower Hafen am Lebbiner Bodden.
„Wir lernen auf dieser Tour Gegenden kennen, die wir allein nicht finden würden. Mithilfe moderner Technik gelingen mir ungewöhnliche Bilder, die an diesen Tag erinnern.“

Und Sehenswertes gibt es an diesem Tag reichlich. Bei Moritzhagen beispielsweise ist auf einer Anhöhe das Naturschutzgebiet Neuendorfer Wiek mit der Insel Beuchel zu bewundern. Auf dem Hügel selbst soll auf dem Gelände eines ehemaligen Raketenstützpunktes der Nationalen Volksarmee der DDR ein Feriendorf entstehen.

Die letzte Rast erfolgt bei den„Woorker Bergen“. Hier finden sich 13 Hügelgräber, die jeweils einen Durchmesser von 30 Metern haben und etwa 4000 Jahre alt sind.
Wenige Fahrminuten späteri st wieder Ralswiek erreicht.

Hanomag-Tours Naturfreundehaus | „Am Nationalpark Jasmund“ | 118546 Sassnitz | Tel.: 0171 / 74309