Weltreise: Leo Bartsch auf Roadtrip | reisereporter.de

Weltreise-Tagebuch: Roadtrip durch Kalifornien

Sie ist Sängerin, Songwriterin – und jetzt auch reisereporterin: Leonore „Leo“ Bartsch (28), bekannt unter anderem als Mitglied der Girl-Group „Queensberry“, ist vor kurzem zu einer Weltreise aufgebrochen. Hier der vierte Teil ihres persönlichen Reise-Tagebuchs.

Sängerin und Reisebloggerin Leo Bartsch sitzt vor ihrem Hippie-Wohnwagen in der kalifornischen Wüste.
Leo vor ihrem Wohnwagen in der Wüste Kaliforniens.

Foto: Leo Bartsch

Aufbruch aus Asien: Ich lande nach einer ewig langen Flugreise von Manila über Taipei in San Francisco. Dort ist es nur drei Stunden später als beim Abflug auf den Philippinen – aber dafür mit 13 Grad überraschen kühl. Verwirrend! Ich dachte in Kalifornien ist immer nur „Endless Summer“?!

Ich kämpfe mich also durch den Großstadt-Dschungel auf der Suche nach günstigen Jeans und einem Hoodie und fühle mich ein wenig wie ein Alien. Die Leute wuseln beschäftigt um mich herum, jeder hat es eilig, alle starren auf ihr Smartphone oder in die Schaufenster und alles blinkt. Schon spannend, mal mit einer ganz neuen Perspektive in eine Kultur einzutauchen, die meiner eigenen sehr ähnelt...

Warm eingepackt erkunde ich die Stadt, auf dem Fahrrad zur Golden Gate Bridge, mit den alten Cable Cars und zu Fuß. Ist ganz nett hier, aber irgendwie zieht es mich schon wieder raus ins nächste Abenteuer.

Einmal die Kalifornische Küste runterfahren, auf dem legendären Pacific Coast Highway, das war immer mein Traum. Leider werden mir, im wahrsten Sinne des Wortes, Steine in den Weg gelegt: Ein großer Erdrutsch hat einen Abschnitt des Highway 1 komplett unter sich begraben und zerstört. Daher ist die Küstenautobahn teils bis auf Weiteres gesperrt und der Tourismus in der Region fast gänzlich zusammengebrochen. Wirklich tragisch.

Meine Planänderung führt dazu, dass ich erstmal in dem Surfer-Örtchen Santa Cruz lande und mich Hals über Kopf verknalle: in die entspannte Atmosphäre, die bunten Häuschen und die zahlreichen Surfspots. Nach meiner fünfwöchigen Verletzungs-Pause kann ich endlich wieder rauspaddeln und bin, trotz zwölf Grad Wassertemperatur, ganz beseelt.

Weiter geht es nach Big Sur, das Küstengebiet kann im Moment aufgrund der Autobahnsperrung nur streckenweise (entweder aus dem Norden oder aus dem Süden) erreicht werden. Oder man macht es wie ich und fährt vom Inland einmal mitten durch den „Los Padres National Forest“... 

Dort miete ich mir eine Holzhütte im Wald und verbringe zwei Tage ohne Elektrizität und Handyempfang, dafür aber mit einem atemberaubenden Ausblick und den besten Sonnenuntergängen bisher. Von dort habe ich die Möglichkeit, an die Küste runterzufahren und merke, Big Sur ist tatsächlich genau das, was man munkelt: eine der schönsten Küstenlandschaften der Welt. Leider bleibt das bittere Gefühl, dass ich zu spät dran war, um die Region in ihrer kompletten Schönheit zu erleben.

In Ventura merke ich dann wieder, warum ich Kalifornien so mag. Die junge Frau, bei der ich ein Zimmer gemietet habe, begrüßt mich mit den Worten: „Jeder in diesem Haus ist ‚Anti-Trump‘, du kannst also offen sprechen.“ Zudem fährt mindestens jeder Zweite einen alten VW-Bus durch die Gegend und die Stadt hat Plastiktüten komplett verbannt – man muss es einfach lieben. 

Danach wartet wieder die Abgeschiedenheit auf mich und ein wahr gewordener Hippie-Traum: ein angemalter Wohnwagen mitten in der Wüste, direkt neben dem Joshua Tree Park.

Abgesehen davon, dass der Park absolut sehenswert ist, habe ich abends, vor meinem Trailer sitzend, einen dieser „deshalb reise ich“-Momente: Hinter mir geht langsam die Sonne unter und taucht alles in ein unvergessliches Licht. Vor mir geht der Vollmond über der Wüste auf. Das ist mit Sicherheit das Beeindruckendste, was ich seit langem gesehen habe.

In der Mega-Stadt Los Angeles ist es schließlich vorbei mit der Ruhe und auch mit meinem Roadtrip. Ich bin am Ziel angekommen, genieße ein paar Tage in meinem Apartment in Venice Beach. Und ehrlich: Sich mal wieder wie in einem echten Zuhause zu fühlen, ist auch schön. 

Als ich dann mitten in Hollywood den berühmten „Runyon Canyon Hike“ mache, stehe ich am höchsten Punkt, links von mir das Hollywood-Zeichen, rechts von mir der Pazifik und vor mir die Stadt der Engel, die Träume erfüllt und manchmal auch zerstört. Ich bin gleichzeitig fasziniert und schockiert. Die Stadt hat nämlich kein Ende.

Vorher noch die endlose Weite der Natur, auf einmal endlose, von Menschen kreierte Enge. Kontrastreicher hätte mein Monat in Kalifornien wohl kaum sein können, aber ich bin dankbar, dass ich all diese Facetten erleben konnte. 

Außerdem ist es doch im Leben so: Nur durch Reibung entstehen Funken, nur wenn Funken sprühen, wird ein Feuer entfacht. All die Gegensätze haben in mir etwas bewegt – das Feuer brennt wieder! Ich reise noch ein bisschen weiter, um es zu schüren...

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