Aufgrund des Unwetters muss(te) der Bahnverkehr in Teilen Deutschlands am 22. und 23. Juni 2017 vorübergehend eingestellt werden, was für Unmut bei vielen Reisenden sorgte.

„Sch....e, sag mir, wo mein Zug ist!“, brüllt jemand von hinten aus der dreizehnten Reihe. Beleidigungen und Anschuldigungen müssen sich die Bahnmitarbeiter täglich gefallen lassen. Wenn Züge sich verspäten oder gar ausfallen, lassen viele Fahrgäste ihrem Frust freien Lauf. In Stresssituationen die Nerven behalten? Das können wohl nur die Wenigsten. Verständnis zeigen? Erst recht nicht. Stattdessen wird die wertvolle Energie mit Meckern und Beschimpfungen vergeudet. 

Reisen mit der Bahn: Strukturiert?

Dass es auch anders geht, bewies gestern Abend eine Zugbegleiterin der Westfalenbahn auf dem Weg von Hannover nach Minden. Für zahlreiche Reisende, die von den Anzeigen und Durchsagen der Deutschen Bahn schon total verwirrt und hektisch von Gleis zu Gleis rannten, hatte sie die passende Antwort parat: 

„Dieser Zug fährt von Hannover nach Minden. Nicht nach Osnabrück, nicht nach Bielefeld, nur nach Minden.“ Von einer Frau, die sich in der Schlange befand, wurde sie daraufhin lautstark angepöbelt und beleidigt. Die Zugbegleiterin beachtete die Reisende zunächst nicht weiter und kümmerte sich um die anderen Fahrgäste.

Sache erledigt oder? Nicht ganz. Nachdem sich die Regionalbahn Richtung Minden in Bewegung gesetzt hatte, ertönte eine freundliche und ruhige Stimme über die Lautsprecheranlage des Zuges. „Sehr geehrte Fahrgäste, dieser Zug ist nicht der Zug nach Bielefeld,  …“ Gut, den Teil kannten die meisten. Aber Achtung, jetzt wird's amüsant. „Danke an die Frau aus der dreizehnten Reihe, die mich gerade draußen am Bahnsteig angemeckert und beleidigt hat. Es ist eine absolute Frechheit, was Sie sich geleistet haben. Erstens waren sie nicht an der Reihe und zweitens haben sie mit ihrer Drängelei beinahe ein kleines Kind auf die Gleise geschupst. Schämen sie sich. Beim besten Willen. Ich und auch niemand anderes hier trägt Schuld daran, dass ihr Zug nicht fährt...“ 

Nach dieser durchaus unterhaltsamen Ansage gab es von den Fahrgästen lobenden Beifall. So ist das wohl, wenn jemand den Nagel auf den Kopf getroffen hat. „In Stresssituationen die Nerven behalten“, so lautet das Geheimrezept. Denn die brauchst du, wenn du mit der Bahn stecken bleibst. Oder mit dem Fernbus. Oder mit dem eigenen Auto. 

Richtig beschweren über die Bahn

Wenn du meckern musst, mach's doch leise: Über einen Scan-Code kannst du schnell und bequem deine Meinung zum Service der Deutschen Bahn abgeben. Diese Anzeige der DB findest du beispielsweise in zahlreichen ICEs. Einfach mit dem Handy scannen und Dampf ablassen. 

Eine Bahnanzeige in einem ICE.
Bahnanzeige in einem ICE: Wie gerne würden wir diese Nachrichten lesen. Foto: Dario Teschner